Das Letzte plus 1: Windows 11 ist da

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doelf
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Das Letzte plus 1: Windows 11 ist da

Beitrag von doelf »

Windows 11, Microsofts Abwrackprogramm für PCs, deren Garantie abgelaufen ist, ist ab sofort allgemein verfügbar, wird aber nur wenigen, ausgewählten PCs zum Download angeboten. Bis Mitte 2022 sollen die übrigen Computer, welche die Mindestanforderungen erfüllen, freigeschaltet werden. Wer nicht warten will, kann Windows 11 per Media Creation Tool oder ISO-Abbild installieren, doch das ist riskant - ohne vorheriges Backup würden wir diese Vorgehensweise nicht empfehlen! Zudem geht es bei Windows 11 auch gar nicht um das Upgrade bestehender Computer, sondern um den Verkauf neuer PCs.

Runde Ecken und Widgets statt Kacheln
Microsoft verspricht "ein neues Windows-Erlebnis" und dass uns Windows 11 "enger mit dem, was wir lieben", zusammenbringen wird. Diese Formulierungen, welche man dem Marketing um die Ohren hauen sollte, wirken genauso bei Apple geklaut wie die nun mittig platzierte Task-Leiste, die sich unverständlicherweise nicht mehr an die Seiten klappen lässt (vertikale Task-Leiste). In Zeiten immer breiter werdender Bildschirme erscheint uns dies wenig funktional, da die Engstelle fast immer die Bildschirmhöhe ist. Zumindest die mittige Positionierung lässt sich auf Wunsch ändern, so dass die horizontal ausgerichtete Task-Leiste wieder an die Seite rückt.

Bild

Andere Details von Windows 11 wecken Erinnerungen an Windows Vista: Hatte man in den vergangenen Jahren auf schlichte Designs, klare Kanten und Ecken gesetzt, liegen nun wieder rundgelutschte Fenster im Trend. Auch "Widgets", welche uns Windows Vista vor 15 Jahren als "Gadgets" schmackhaft machen wollte, sind wieder da. Mehr als das aus Windows 10 bekannte "Neuigkeiten und interessante Themen" bieten die Widgets bisher nicht, vermutlich entstanden sie als Reaktion auf den Wegfall der im Jahr 2012 mit Windows 8 eingeführten aktiven Kacheln. Und natürlich werden die personalisierten Feeds der Widgets heutzutage mit Hilfe "künstlicher Intelligenz" generiert.

Ein Vehikel für Microsofts Cloud-Dienste
Abseits der auffälligen Oberfläche verbirgt sich der eigentliche Gedanke hinter Windows 11: Mit der neuen Version wird das Betriebssystem endgültig zu einer Schnittstelle für Microsofts Cloud. Microsoft Teams wurde in das System integriert und die Start-Taste mit Microsofts Cloud-Diensten und Microsoft 365, vormals Office 365, verbunden. Kürzlich in der Cloud bearbeitete Dateien sind nun hier zu finden und die Chat-Funktion von Microsoft Teams sitzt auf der Task-Leiste als Schnittstelle für die Kontakte. Dazu passt, dass Windows 11 Home zur Erstinstallation ein Online-Konto bei Microsoft benötigt, mit dem die Lizenz verknüpft wird.

Das Online-Konto kann man nachträglich löschen und zu einem lokalen Konto wechseln. Empfohlen wird dies natürlich nicht. Abseits des muffigen Bürolebens verspricht Windows 11 mehr Möglichkeiten für Spieler dank DirectX12 Ultimate, doch das steckt seit der Version 2004 auch in Windows 10. Ob das finale Windows 11 tatsächlich einen Leistungsvorteil über seinen Vorgänger haben wird, muss sich noch zeigen. Wir erwarten keine bahnbrechenden Unterschiede, nehmen aber die Werbung für den Xbox Game Pass zu Kenntnis - eine weitere Möglichkeit, einen monatlichen Obolus an Microsoft zu entrichten.

Sinnvolle Neuerungen?
Es gibt tatsächlich auch sinnvolle Neuerungen: Mit den Werkzeugen Snap Layouts, Snap Groups and Desktops lassen sich Fenster anhand von Vorlagen anordnen und organisieren, womit man sich den Alltag tatsächlich erleichtern kann. Die Bedienung für Menschen mit Behinderungen wurde in einigen Punkten verbessert und der lieblose Microsoft Store wurde komplett überarbeitet. Weiterhin wird das Applikationsangebot im Store um Win32-Software, .NET- und Java-Anwendungen sowie Android-Apps erweitert, wobei die Android-Apps vorerst noch auf sich warten lassen. Offenbar benötigt die Kooperation mit Amazon und Intel noch etwas Zeit. Wie üblich gibt es neue Hintergründe und Systemklänge, doch das fällt eher in den Bereich der Belanglosigkeiten.

Ärgerliche Neuerungen?
Abgesehen vom Online-Zwang für die erste Inbetriebnahme ärgern primär die Hardware-Anforderungen:
  • Ein 64-Bit-Prozessor mit 2 Kernen und 1 GHz Taktrate
  • 4 GiB Arbeitsspeicher
  • 64 GB Festspeicher
  • Eine Grafiklösung, die DirectX 12 und WDDM 2.x beherrscht
  • Ein Display mit 22,86 cm (9 Zoll) Bilddiagonale und einer Auflösung von 1.280 x 720 Pixeln
  • Ein Trusted Platform Module (TPM) der Version 2.0
Auf den ersten Blick wirken die Vorgaben harmlos, doch hat Euer PC ein TPM-2.0-Modul? Und falls nicht, lässt sich eines nachrüsten? Auch bei den Prozessoren muss man genauer hinsehen: Microsoft fordert bei AMD zumindest Zen+ (z.B. Ryzen 5 2600 oder Ryzen 3 3200U), also das Modelljahr 2018 oder neuer. Bei Intel sieht es kaum anders aus, hier ist der Ende 2017 eingeführte Core i3-8100 (Coffee Lake) der Oldie auf der Liste. Ist ein PC älter als drei Jahre, bleibt Windows 11 in der Regel außen vor. Das gilt insbesondere, da veraltete CPUs über Monate oder gar Jahre abverkauft werden. Ein aktuelles Angebot von Aldi Süd ist der Mini-PC Medion Akoya S22003 (MD34385), in dem ein Intel Core i3-5005U, also ein Anfang 2015 eingeführter Prozessor, steckt!

Fazit
Ob Windows 11 wirklich "modern und frisch" aussieht und "ein Gefühl von Ruhe und Leichtigkeit" verbreitet, muss jeder für sich selbst entscheiden. Uns kommt das Design eher wie eine Zeitreise ins Jahr 2006 vor, nur nicht so bunt wie früher. Der Online-Zwang und die Integration von Microsofts Cloud-Diensten schreitet fort. Die Hardware-Anforderungen sind nur auf den ersten Blick harmlos, tatsächlich bleiben viele aktuelle PCs außen vor. Die echten Neuerungen sind überschaubar und das eigentliche Highlight, die Integration von Android-Apps, wurde auf später verschoben. Damit gibt es eigentlich keinen guten Grund, noch in diesem Jahr auf Windows 11 zu wechseln. Und da die Update-Versorgung für Windows 10 ist bis zum 14. Oktober 2025 sichergestellt ist, sollte man erst einmal abwarten, ob Microsoft nicht zu seinem alten auf Top-folgt-Schrott-Rhythmus (XP, Vista, 7, 8, 10, 11) zurückgekehrt ist.

Download: Media Creation Tool oder ISO-Abbild

VORSICHT! Bei dieser Installationsmethode wird Windows 11 auch auf PCs installiert, deren Kompatibilität nicht abschließend geprüft wurde. Es kann zu Problemen kommen! Vor einem Installationsversuch ist daher unbedingt eine Datensicherung durchzuführen! Es ist zudem nicht auszuschließen, dass Probleme aufgrund einer unzureichenden Kompatibilität erst zu einem späteren Zeitpunkt auftreten werden.
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Re: Das Letzte plus 1: Windows 11 ist da

Beitrag von doelf »

Aufgrund der Nachfrage von Simon per Mail: Wir haben Windows 11 noch nicht ausprobiert, da keiner der Redaktionsrechner ein TPM2-Modul besitzt und in zwei PCs Ryzen-CPUs der ersten Generation stecken. Obwohl wir alle PCs innerhalb der vergangenen drei Jahren erneuert hatten, erfüllt keiner die Anforderungen für Windows 11. In Gedanken recke ich einen gelangweilten Mittelfinger gen Redmond.

Ich persönlich bleibe bei Windows 10 im Mix mit Manjaro und Ubuntu Mate. Einen akuten Grund zum Wechsel auf Windows 11 sehe ich nicht. Die neuen Sicherheitsfunktionen wird Microsoft eh auf die Pro- und Enterprise-Varianten beschränken, so dass der Kahlschlag bei den CPUs aus Sicht der User völlig unsinnig ist: Die Home-Nutzer bekommen sie nicht und die Firmen-Nutzer werden vor 2024/2025 eh nicht wechseln.

Andererseits gibt es auch keinen Grund, bei einem neuen PC mit Windows 11 ein Downgrade durchzuführen - sofern man sich mit dem neuen Design anfreunden kann. Auch Windows 10 erzwingt bei den Home-Versionen ein Microsoft-Konto und nachträglich löschen kann man es auf beiden Systemen. Wer sich um seine Daten sorgt, muss den Schnitt machen und zu Linux wechseln.

Gruß Michael
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Re: Das Letzte plus 1: Windows 11 ist da

Beitrag von ChrisP »

Hi Doef,

habe mir einen bootfähigen USB Stick mit Windows 11 erstellt.

Auf einem i5-6500 Rechner bricht das Setup mit der Fehlermeldung ab, der Rechner erfüllt die Systemanforderungen nicht. Allerdings, ohne einen Grund zu nenen.

Auf einem Rechner mit einer CPU, die in der Liste steht, hat das Setup funktioniert und es sieht so aus wie auf dem Bild.

Offenbar meint es Microsoft mit den Systemanforderungen ernst ...

Einen Vorteil hat die Sache mit Windows 11:
Bei Windows 10 hat Microsoft bei neuen Funktionsupdates geschrieben, sofern die Hardware unterstützt wird. Damit hätte es die Möglickeit gegeben, auch mit Windows 10 neue Hardwareanforderungen durchzusetzten. Jetzt bleibt aber die Hoffung, daß bestehende Rechner noch bis 2025 genutzt werden können.

Gruß
Christian
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Re: Das Letzte plus 1: Windows 11 ist da

Beitrag von doelf »

Ja, das war genau meiner Erfahrung: Das Setup bricht ab, nennt aber keinen konkreten Grund. Verfügt das funktionierende System über TPM2?
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ChrisP

Re: Das Letzte plus 1: Windows 11 ist da

Beitrag von ChrisP »

Ja. In der Systemsteuerung steht unter Sicherheitsgeräte das Trusted Platform Module 2.0. Soweit ich weiß, wird das auch unter Windows 10 für die Bitlocker Verschlüsslung verwendet und ist daher in vielen Rechnern zu finden.

Mit dem geänderten Startmenü ist übrigens auch der Tablet Mode komplett verschwunden. Offenbar sieht Microsoft hier keinen Markt. Wenn man die Symbole auf der Taskleiste nach links verschiebt, erinnert das Ganze an Windows 7.

Wie Du schon geschrieben hast, ein Abwrackaktion für alte Computer, damit die Gerätehersteller und Microsoft an Neulizenzen weiter verdienen können ...

Gruß
Christian
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Re: Das Letzte plus 1: Windows 11 ist da

Beitrag von doelf »

Danke!

Die Business-PCs kommen eigentlich immer mit TPM2. Home- und Gaming-PCs haben es oft nicht. Eigenbauten fast nie. Oft kann man zumindest nachrüsten.

Dass der Tablet-Modus entfernt wurde, macht Sinn - die Kacheln sind ja auch Geschichte.

Gruß Michael
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Re: Das Letzte plus 1: Windows 11 ist da

Beitrag von ChrisP »

Hallo,

habe den PC noch einmal untersucht und festgestellt, daß secure boot nicht aktiviert war.

Das eingeschaltet und dann kam in der Tat die Meldung mit der CPU.

Das Löschen der Datei sources\appraiserres.dll auf dem Setup Stick hilft, die Prüfung zu umgehen.

Gruß
Christian
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Re: Das Letzte plus 1: Windows 11 ist da

Beitrag von doelf »

Das Löschen der Datei sources\appraiserres.dll auf dem Setup Stick hilft, die Prüfung zu umgehen.
Nochmals Danke Christian!
Auf der virtuellen Maschine kann ich jetzt ein Update starten, aber keine Neuinstallation. Eventuell muss man noch das Internet kappen. Ist zumindest eine interessante Option.

Gruß

Michael
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Re: Das Letzte plus 1: Windows 11 ist da

Beitrag von Mausolos »

doelf hat geschrieben: 07 Okt 2021, 10:18 Die Business-PCs kommen eigentlich immer mit TPM2. Home- und Gaming-PCs haben es oft nicht. Eigenbauten fast nie. Oft kann man zumindest nachrüsten.
Neuere AMD-CPU-Mainboards verfügen über ein fTPM (Firmware TPM), das im UEFI-Setup allerdings zuerst ausgewählt bzw. eingeschaltet werden muss.
Bei Boards für Intel-CPUs nennt sich das „Firmware TPM (fTPM)“ jedoch anders, nämlich „Intel Platform Trust Technology (PTT)“.

 Z.B. schön erklärt bei ASUS: ASUS Motherboards — Ready for Windows 11
Auf der Webseite dann hier anklicken: → Intel Platform / → AMD Platform.

Und hier noch von ASRock und MSI.
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Re: Das Letzte plus 1: Windows 11 ist da

Beitrag von doelf »

@ Mausolos: Interessanter Hinweis. Muss ich mal ausprobieren... Nach einem Backup ;-)
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