Googles Buzz: Ein Meilenstein des Misserfolgs

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doelf
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Googles Buzz: Ein Meilenstein des Misserfolgs

Beitrag von doelf » 15 Feb 2010, 18:08

Soziale Netzwerke sind ein wahrer Quell der Freunde: Millionen Menschen teilen Dinge, die niemanden interessieren, dem Rest der Welt im Sekundentakt mit und verplempern ihre Arbeits- und Freizeit mit sinnfreien Online-Spielchen. Zudem überschwemmen sie das Netz mit persönlichen Daten, die sich früher oder später rächen werden.

Ob Was-auch-immer-VauZett, Zwitter, Kääsbook, Fickr - die Möglichkeiten zur öffentlichen Zurschaustellung der eigenen Person sind unendlich, wie auch die der Missbrauch, welcher mit den hier zu findenden Daten getrieben werden kann. Doch Google, als Datenkrake auf die Sammlung von Daten und deren logische Verknüpfung spezialisiert, wollte wieder einmal alles besser machen und hat diesmal grandios - vorab bitte ich um Entschuldigung für die Wortwahl, aber so ist es nun einmal - verkackt.

Doch wie konnte ein erfolgsverwöhnter Konzern wie Google gerade in seiner Paradedisziplin dermaßen scheitern? Die Ursache liegt darin begründet, dass Buzz alles, was Google über seine Benutzer weiß, mit einander verwursten sollte und genau dies auch getan hat. Alle Benutzer von Google Mail bekamen Buzz geschenkt, ob sie wollten oder nicht. Und damit nicht jeder bei Null anfangen muss (und aus Faulheit lieber gleich bei seinen bisherigen Dienstanbietern bleibt), hat Google auch schon die passenden Freunde ausgesucht. Und das sind für Google die Personen, denen man die meisten E-Mails schreibt oder mit denen man häufig chattet.

Gute Freunde von mir sind laut Google beispielsweise Spammer, die über Konten bei GMail unser Forum und unsere E-Mail-Konten mit Werbung vollmüllen. Oder ein polnischer Anwalt, der sich regelmäßig mit dubiosen Zahlungsforderungen bei mir meldet. Und meine Geschäftskontakte, die ich zwar sehr schätze, von denen ich aber nur wenige zugleich auch zu meinen Freunden zähle. Klar, Google wollte nur Starthilfe geben und gegen editierbare Vorschläge hätte wohl kaum jemand etwas gesagt. Eine Liste falscher Freunde, die dann auch noch öffentlich zugänglich ist, gehört jedoch zum größten Schwachsinn, den sich Google bisher ausgedacht hat.

Doch keine Sorge, der Schwachsinn lässt sich noch weiter steigern: Die falschen Freunde werden natürlich über mein virtuelles Leben im sozialen Web 2.0 informiert: Ob ich Kurznachrichten buzze, Googles Picasa für meine Fotos verwende oder was ich mit dem Google Reader verfolge - die "Freunde" sind dabei. Gerade Spammer können sich an den Freundeslisten reich bedienen und unsere Mailbox wird seit dem Start von Buzz zugemüllt wie seit Jahren nicht mehr. Das könnte jetzt natürlich ein dummer Zufall sein - glaub' ich aber nicht!

Schon seit Tagen bessert Google hektisch nach, um Buzz irgendwie noch zu retten. Doch zunächst ist das neue Web-2.0-Kind erst einmal in den Brunnen gefallen und von mir aus kann es auch absaufen. Die Idee, unsere virtuelle Parallelexistenz in einem Konzern zu bündeln, der dann alle unsere Daten hat, um damit unsinnige Verknüpfungen zu veranstalten, behagt mir nämlich gar nicht. Und Google hat mit Buzz eindrucksvoll bewiesen, dass unsere Daten dort nicht gut aufgehoben sind.

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The Grinch
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Re: Googles Buzz: Ein Meilenstein des Misserfolgs

Beitrag von The Grinch » 15 Feb 2010, 18:21

Assoziale Netzwerke halt .. und?

Was wir bei der Mißgeburt "Social-Network" zu sehen bekommen ist doch nur
die Spitze des Eisbergs, und, wie schon bei der Titanic, ist der Rest von der
Ausgeburt WEB 2.0 nicht zu sehen.

Das was der Schäuble damals so händeringen haben wollte, den totalen Krieg ... ÄÄÄÄÄHM ...
die totale Kontrolle, das schaffen die "ASSI-Networks" ohne große Gegenwehr in kürzester Zeit.

Mögen sich die ganzen Profilneurotiker ruhig da prostituieren.

Mr Jo
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Re: Googles Buzz: Ein Meilenstein des Misserfolgs

Beitrag von Mr Jo » 17 Feb 2010, 19:50

Ich mag die Aussage, den Inhalt und ich liebe diesen Schreibstil des Artikels. Er hat mir ein mein heutiges Abend-Amüsement beschert. Chapeau! :wink:
Gruß Mr Jo

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