Neues aus Absurdistan: Pseudonymverbot für's Internet

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doelf
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Neues aus Absurdistan: Pseudonymverbot für's Internet

Beitrag von doelf »

Wer sich im Internet zu Wort melden will, soll nach Ansicht des CDU-Bundestagsabgeordneten Axel E. Fischer dazu verpflichtet werden, hierfür seinen realen Namen zu verwenden. Damit will der Politiker das "Verstecken" hinter selbst gewählten Pseudonymen verhindern. Für die eindeutigen Identifizierung will Fischer den elektronischen Personalausweis nutzen.

Nach einer langen Bedenkzeit von ca. 50 ms trafen wir spontan die Entscheidung, diesen Vorschlag zur "Dümmsten Idee des Monats" zu küren. Der November hat zwar noch ein paar Tage, doch wer diesen Unsinn überbieten möchte, muss sich schon sehr anstrengen.

Pseudonyme sind keinesfalls eine Erfindung des Internets, sondern werden seit Jahrhunderten für zahlreiche Zwecke genutzt. Pseudonyme dienen, insbesondere im Internet, dem Schutz der Privatsphäre und sind zugleich ein Zeichen von Individualität und Kreativität. Seinen Geburtsnamen kann man sich nicht aussuchen, das Pseudonym hingegen schon. Man kann komplizierte Namen umgehen oder simple Namen aufwerten, durch die Wahl des Pseudonyms seine Meinung kundtun oder sich vor Verfolgung schützen. Künstler verwenden Pseudonyme ebenso wie Geistliche, wobei das Pseudonym oft mit einer bestimmten Tätigkeit oder Aufgabe verknüpft wird. Selbst der Papst verwendet ein Pseudonym.

Das Internet ist ein wahres Eldorado für Datensammler und es ist eine weise Entscheidung, seinen realen Namen so selten wie möglich zu gebrauchen. Wer überall mit seinem realen Namen auftritt, hinterlässt auch leicht zu findende Spuren, welche beispielsweise von Ermittlungsbehörden, Arbeitgebern oder auch vom missgünstigen Nachbarn genutzt werden. Hat Herr XY ein teures oder anstößiges Hobby? Was steht auf seinem Wunschzettel beim Online-Händler? Welche politischen Ansichten vertritt er? Um es ganz klar zu formulieren: Wer im Internet auf Pseudonyme verzichtet, kann sich seine persönlichen Daten und Ansichten auch auf den Rücken tätowieren lassen und nackt auf die Straße gehen. Und da dies nur ein verschwindend geringer Teil unserer Mitbürger tut, scheinen Pseudonyme einen wichtigen Zweck zu erfüllen.

Wer in diesem Zusammenhang ein "Vermummungsverbot im Internet" fordert, hat nicht allzu weit gedacht, denn auch reale Namen alleine sind keinesfalls zur eindeutigen Identifizierung geeignet. Sie fordern vielmehr ungewollte Verwechslungen heraus. Für Axel Fischer liefert die Suche im deutschen Telefonverzeichnis beispielsweise 156 Treffer, für Hans Müller sind es sogar 6206. Also muss der Name mit anderen Daten verknüpft werden, beispielsweise dem Geburtsort und dem Geburtsdatum. Ein eindeutiger Benutzernamen wäre beispielsweise "Axel Eduard Fischer, 05.05.1966, Karlsruhe" und Datensammler wie Identitätsdiebe würde Herrn Fischer hierfür sicherlich ganz herzlich danken. Auch der neue Personalausweis im Scheckkartenformat ist keine Lösung, er würde die Nutzung des Internets nur unnötig erschweren und für die Betreiber von Internetangeboten zusätzliche Kosten verursachen.

Dass der neue Personalausweis mit seinem halbgaren Sicherheitskonzept schnell Begehrlichkeiten seitens der Politik wecken würde, war zu erwarten. Dass einer der ersten Vorschläge allerdings so oberflächlich, undurchdacht, überflüssig und geradezu lächerlich ausfallen würde, hat selbst uns überrascht. Die Redaktion von http://www.Au-Ja.de fordert daher die unverzügliche Einführung eines "Verdummungsverbots für Politiker"!

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Radulf
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Re: Neues aus Absurdistan: Pseudonymverbot für's Internet

Beitrag von Radulf »

Hi,

ROTFLMAO!
Meine uneingeschränkte Zustimmung dazu :-)
Allerdings wird es kein Verdummungsverbot für Politiker geben, da dann ca 99,9 % sofort Arbeitslos würden und wohin dann damit (vom Meeresgrund oder dem Nordpol mal abgesehen). Genauso wird es nie ein Gesetz zur Bestrafung von Bürgerbeleidigung geben, sonst gäbe es etliche Reden nicht mehr!

Ciao, Radulf

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doelf
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Re: Neues aus Absurdistan: Pseudonymverbot für's Internet

Beitrag von doelf »

Radulf hat geschrieben:... und wohin dann damit?
In Gorleben treibt man die Erkundung doch wieder voran... Da soll noch viel Platz sein...

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Radulf
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Re: Neues aus Absurdistan: Pseudonymverbot für's Internet

Beitrag von Radulf »

Hmm, pökeln würde die aber noch länger haltbar machen :shock:
Obwohl, tiefkühlen ja auch...
Zum Mond ist zu teuer ;-)

Aber mal im Ernst, da sollen Kinder bzw. Jugendliche definitiv nie Ihren Realname angeben und bloß niemals ihr wahres Alter angeben und der Kerl kommt mit sowas um die Ecke :evil: Weiß der überhaupt, was er da von sich gibt? Oder läuft das Mundwerk im Autopilot (ohne Zielangabe)?
Klar gibt es jede Menge Idioten im iNet die meinen, daß sie sich ungestraft hinter einem Pseudo verstecken können, aber dann ist es eben Sache der Community bzw. eines oder mehrerer guter Moderatoren, dem Einhalt zu gebieten. Mit Klarnamen kommt man da nicht wirklich weiter.
Ciao, Radulf

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doelf
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Re: Neues aus Absurdistan: Pseudonymverbot für's Internet

Beitrag von doelf »

Als Vorsitzender der Enquete-Kommission "Internet und Digitale Gesellschaft" sollte er eigentlich wissen, worüber er redet. Tut er aber offensichtlich nicht :-(

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Radulf
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Re: Neues aus Absurdistan: Pseudonymverbot für's Internet

Beitrag von Radulf »

Das ist an sich nichts neues. Schließlich muß ein Minister ja auch nichts über das Amt wissen, welches er bekleidet. Er sollte dann aber wenigstens ein paar Berater haben, die wissen, was er eigentlich wissen sollte..... Da die Politik aber wie gewohnt einige Jahre hinter der Entwicklung hinterher hinkt, das Internet sich schneller entwickelt als sonst irgend etwas... Naja. Er hat jedenfalls überall und in jedem, mir bekannten Forum die schönsten Lacher geerntet. So ala "Fischer fordert Scheibenwischer für Windows" etc :lol:

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The Grinch
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Re: Neues aus Absurdistan: Pseudonymverbot für's Internet

Beitrag von The Grinch »

Mal abgesehen von der "Dummheit" dieser Idee, ist dies auch nicht realisierbar!
Ich denke nicht das ein solcher Zwang vor dem obersten Gerichten stand halten kann,
da dies m.E. ein extremer Eingriff in die Privatsphäre dar stellt.

Wenn die das durchsetzen, dann können wir auch gleich die geheimen Wahlen in unserer Demokratie abschaffen!
http://de.wikipedia.org/wiki/Wahlrecht#Deutschland
Die Wahlen zu allen Volksvertretungen sind allgemein (jeder deutsche Staatsangehörige, der über 18 Jahre alt und nicht auf Grund von § 13 des Bundeswahlgesetzes[1] vom Wahlrecht ausgeschlossen ist, darf wählen), unmittelbar (jede Stimme wird direkt dem Bewerber gegeben), frei (kein Wähler wird überwacht; kein Wahlzwang), gleich (jede Stimme zählt gleich viel) und geheim (es darf nicht bekannt werden, wem der Wähler seine Stimme gegeben hat).

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doelf
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Re: Neues aus Absurdistan: Pseudonymverbot für's Internet

Beitrag von doelf »

Der ursprüngliche Gedanke der Demokratie war, dass jeder eine Stimme hat.
Zumindest die Männer.
Also freie Männer, nicht etwa Sklaven.
Und auch keine Ausländer.
Und schon gar keine Dummen.
Oder Verbrecher.

Irgendwas hatten sich die alten Griechen sicherlich dabei gedacht :twisted:

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doelf
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Re: Neues aus Absurdistan: Pseudonymverbot für's Internet

Beitrag von doelf »

Bevor ich jetzt wieder Prügel bekomme:
Natürlich habe ich nichts gegen Frauen, Ausländer, Dumme und Verbrecher.
Das war ein rein satirischer Kommentar.
Also der weiter oben.
Nicht dieser hier.

user4au-ja

Re: Neues aus Absurdistan: Pseudonymverbot für's Internet

Beitrag von user4au-ja »

Weil sich das Jahr 2010 so langsam dem Ende neigt, könnte doch die Redaktion eine Umfrage zur "dümmsten Idee" des Jahres 2010 starten und die user abstimmen lassen. Am Ende der Abstimmung bekommt dann die Organisation/Politiker/Unternehmen einen virtuellen Award überreicht.

Das "Pseudonymverbot für's Internet" wäre sicher einer der Topfavoriten.

Genial finde ich z.B. auch:
Ab 1. Oktober verlangen sieben österreichische Verwertungsgesellschaften Urheberrechtsabgaben für in Verkehr gesetzte Festplatten. Die neuen Zusatzkosten für die "Leerkassettenvergütung" betragen 21,60 Euro (einfache Festplatte unter 500 GByte) bis 43,74 Euro ("Multimedia-Festplatte" über 750 GByte)....

http://www.heise.de/newsticker/meldung/ ... 80864.html

Das würde die Festplattenpreise für eine HDD bis zu 500GB nahezu verdoppeln ...

Interessant wären sicherlich auch die "dümmsten" Ideen/Vorschläge aus dem letzten Jahrzehnt zu präsentieren.
Wobei die Konkurrenz aus dem Ausland sehr groß ist. Vielleicht kommt ja noch was bis zum Jahresende aus den deutschen "Reihen"
Die Regierung Berlusconi will "Zensur 2.0" für Videos im Internet

Ein Gesetzesentwurf der Regierung Berlusconi soll die Veröffentlichung von Videoinhalten im Web regulieren. Seit dem "No Berlusconi Day" im Dezember 2009 weiß Italiens Regierung, dass das Web ein mächtiges Instrument der Opposition sein kann. Doch auch im Fernsehgeschäft mach das Internet dem Medienzar Berlusconi Konkurrenz. Sein "Mediaset"-Konzern hat YouTube wegen der Verletzung von Autorenrechten auf 500 Millionen Euro Schadensersatz verklagt. Das geplante "Romani-Dekret", ein neues Telekommunikationsgesetz, könnte dem Cavaliere nun politisch wie auch wirtschaftlich helfen. Damit sollen Internet-Provider für die Inhalte von Online-Videos verantwortlich gemacht werden, die von Nutzern ins Netz gestellt werden.

http://www.arte.tv/de/3052186.html
http://www.heise.de/newsticker/meldung/ ... 07172.html

oder
Italiens Blogger laufen gegen Kommunikationsgesetz Sturm

..
In der vorgesehenen Fassung verlangt das umstrittene Gesetz von allen Anbietern, die Inhalte im Netz oder über andere Medien verbreiten, sich bei der italienischen Regulierungsbehörde für Kommunikation als publizistischer Anbieter zu registrieren – unabhängig davon, ob sie gewerblich im Netz unterwegs sind oder nicht. Für die gebührenpflichtige Registrierung müssen Unterlagen beigebracht werden. Ein Teenie-Blog auf MySpace müsste sich in Italien ebenso bei der Regulierungsbehörde anmelden wie eine Tageszeitung oder ein Fernsehsender, bemängeln Kritiker die mangelnde Präzision des Vorschlags. Darüber hinaus könnten Blogger im Ernstfall ebenso für Beiträge oder Kommentare haftbar gemacht werden.
..
http://www.heise.de/newsticker/meldung/ ... 88152.html
oder
Baut Australien eine Great Firewall?
Jugendschutz artet in Zensur aus
...

Jugendschutz klingt gut. Doch was als Jugendschutz daherkommt, gleicht der in der westlichen Welt vielfach kritisierten Great Firewall of China. Denn die Schutzmechanismen sollen nicht etwa auf Rechnern in Schulen, öffentlichen Einrichtungen oder zu Hause eingerichtet werden. Stattdessen verpflichtet die Regierung die Internetprovider, auf ihren Systemen Filter zu installieren. Auf diese Weise soll vor allem der Zugang zu ausländischen Websites mit ungeeigneten Inhalten gesperrt werden. Die Regierung will den Providern Listen mit entsprechenden Angeboten zukommen lassen. Das allerdings erinnert stark an das Vorgehen der chinesischen Behörden gegen Internetinhalte, die ihnen als nicht angemessen erscheinen.
http://www.golem.de/0801/56763.html
Ich befürchte ja, dass deutsche Politiker/Organisationen nahezu Chancenlos sind.
Die BRD bräuchte jetzt schon einen deutschen Berlusconi. :roll:

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