Japan: Zitterpartie um Reaktor geht weiter

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doelf
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Japan: Zitterpartie um Reaktor geht weiter

Beitrag von doelf » 12 Mär 2011, 00:42

Als rohstoffarmes Land setzt Japan in großem Maßstab auf die Atomenergie und hat derzeit 55 Kernkraftwerke und fast ebenso viele Versuchsreaktoren in Betrieb. Der Sicherheitsstandard ist sehr hoch und die Anlagen sind gegen Erdbeben und Tsunamis geschützt, doch gegen eine Naturkatastrophe wie das gestrige Erdbeben ist auch eine technikgläubige Nation wie Japan nicht gefeit.

Das Atomkraftwerk Fukushima I befindet sich 240 km nördlich von Tokyo nahe der Stadt Okuma (knapp 11.000 Einwohner). Es umfasst sechs Reaktoren, von denen zum Zeitpunkt des Erdbebens allerdings nur die Einheiten 1 bis 3 in Betrieb waren. Bei den Reaktoren 1 und 2 gibt es Probleme mit der Kühlung, die seit dem Beben auf Notbatterien läuft. Insbesondere im Reaktor 1 scheint der Druck massiv angestiegen zu sein, weshalb das Betreiberunternehmen Tepco (Tokyo Electric Power Company) radioaktiven Dampf abgelassen hat. Dies ist angeblich kontrolliert geschehen, so dass nach offiziellen Angaben keine unmittelbare Gesundheitsgefährdung besteht. Dennoch berichten verschiedene Medien, dass auch außerhalb der Anlange erhöhte Strahlung gemessen wurde.

In einer offiziellen Mitteilung der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA steht zudem, dass auch am Kühlsystem des zweiten Reaktors nach wie vor gearbeitet wird. Nach Angaben der japanischen Behörden bedeckt das Kühlwasser in allen Reaktoren die Brennstäbe. Sollte sich dies ändern, droht eine unkontrollierte Kettenreaktion und somit eine Kernschmelze. In unmittelbarer Umgebung des Kraftwerks wurde die Bevölkerung evakuiert und im weiteren Umkreis aufgefordert, ihre Wohnungen nicht zu verlassen, doch im Ernstfall werden solche Maßnahmen natürlich wenig nützen. Zur Stunde kann man nur hoffen, dass die Japaner das Schlimmste noch abwenden können.

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doelf
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Re: Japan: Zitterpartie um Reaktor geht weiter

Beitrag von doelf » 12 Mär 2011, 09:00

Offizielle Stellen bezeichnen die Gefahr einer Kernschmelze mittlerweile als "hoch". Eventuell ist es bereits zu einer partiellen Schmelze gekommen.

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snop
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Re: Japan: Zitterpartie um Reaktor geht weiter

Beitrag von snop » 12 Mär 2011, 17:22

Ja, diese verfluchte Atomkraft... und hier gibt es Laufzeitverlängerung für noch ältere Modelle an AKWs,
zumal die Japaner ja bekannt dafür sind, schlampig bei Technik und Sicherheitsstandards zu sein :roll:

Immerhin wird die Radioaktivität wohl gen Süd-Westen über den Pazifik geblasen und nicht über das Festland.
Sollte man da nicht ernsthaft drüber nachdenken, die Reaktoren wieder anzufahren, um sie zu kühlen?!

wigor666

Re: Japan: Zitterpartie um Reaktor geht weiter

Beitrag von wigor666 » 12 Mär 2011, 19:23

Tach,

@snop: äh... würdest du dich freundlicherweise, erst mit der Konstruktionsweise eines Siedewasserreaktors außeinandersetzen bevor du hir son Müll laberst.

Wenn das so einfach währe hätte man dieses schon getan. Ohne Speisewasserzufuhr beschleunigt das wiederanfahren nur die Entwicklung richtung Meltdown und birgt die Gefahr eines Prypjat (beiTschernobyl). Wiederanfahren heißt die Steuerstäbe raus und das, ohne das Speisewasser nachgepumt würde, weils ne Weile braucht, bis der Prozess genug Strom für die Speisewasserpumpen, mit dem nötigen Speisewasserdurchsatz, erzeugen würde, ganz zu schweigen von den Kühlkreislaufpumpen, die aber ohnehin nur den Dampfabscheider küheln und im ersten Moment völlig unwichtig sind. Heißt wenn man jetzt nur daran denken würde den Eimer wieder anzufahren, würde schlagartig das, im Reaktorkessel, verbliebene Wasser verdampfen, es wird kein Frisches nachgepumpt, die Brenstäbe liegen frei und... tada wilkommen in Prypjat (beiTschernobyl).

Was den meißten Leuten nicht klar ist: Der eigentliche Prozess, wird Über die Speisewasserzufuhr, durch nachpumpen, des durchs verdampfen verloren gegangenen Siedewasser gekühlt und nicht über irgendwelche Kühlkreisläufe. DER REAKTOR SELBST HAT KEINERLEI EIGENTLICHE "KÜHLKREISLÄUFE" !!! , sondern wird ausschließlich über das nachpumpen des Frischwassers gekühlt, was das fatale an dieser Bauweise ist.

Der Meltdown ist nur noch eine Frage der Zeit und unvermeidlich !!! Das einzige was man jetzt noch tun kann, ist Druck ablassen. So das es nicht zu einem bösen Prypjat (beiTschernobyl), sondern "nur" zu einem freundlichem sellerfield (ehemals Windscale) kommt. Sprich das man durch das Druckablassen die Explosion des ganzen Ladens verhindert und dann "nur noch" den eigentlichen meltdown am arsch hat, den es dann einzudämmen gilt.

wigor666

Re: Japan: Zitterpartie um Reaktor geht weiter

Beitrag von wigor666 » 12 Mär 2011, 20:05

Nochmal tach,

die Halle is schon weg, in Folge einer Wasserstoffexplosion, Ist wohl beim Druckablssen passiert, tepco wollte jetzt 10 tage mit nem Borsäure/Seewassergemisch kühlen wobei wohl besagter Wasserstoff entstand. Deswegen hamses jetzt auch wieder eingestellt. Das Kontainment is angeblich noch heile. Wer`s glaubt.

Ist alles auf "Fukushima I Nuclear Power Plant WIKI" bei google nachzulesen.

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Re: Japan: Zitterpartie um Reaktor geht weiter

Beitrag von doelf » 13 Mär 2011, 12:43

Das Kühlen mit Seewasser ist ja quasi schon eine Bankrotterklärung. Man nimmt eine lokale Verseuchung in Kauf, weil man den Supergau irgendwie verhindern muss. Absolut katastrophal ist natürlich auch die Informationslage. Statt Klartext zu reden, reden alle verantwortlichen Stellen nur um den heißen Brei herum. TEPCO hat aus den Skandalen seiner Vergangenheit nichts gelernt und die Japaner sind einfach nicht in er Lage, Fehler und Probleme zu kommunizieren. Traurig.

Gruß

Michael

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Japan: Informationslage weiter schwammig

Beitrag von doelf » 13 Mär 2011, 13:52

Der Informationsfluss aus Japan bleibt auch am dritten Tag nach dem verheerenden Erdbeben mangelhaft. Weder das Betreiberunternehmen der beschädigten Kraftwerke Tepco (Tokyo Electric Power Company) noch die verantwortliche Behörde NISA (Nuclear and Industrial Safety Agency) scheinen genau zu wissen, was innerhalb der Reaktoren vor sich geht. Es könnte zu einer Kernschmelze gekommen sein, heißt die schwammige Aussage von Regierungsseite.

Tepco hatte am gestrigen Samstag damit begonnen, beim kritischen Reaktor 1 des Kraftwerks Fukushima I (Daiichi) radioaktiven Dampf abzulassen, um den Druck zu verringern. Durch Wasserstoff, der sich außerhalb der inneren Schutzhülle gesammelt hatte, kam es dabei zu einer heftigen Explosion, welche vier Arbeiter verletzte. In der Umgebung des Kraftwerks konnten nach der Explosion die radioaktive Isotope Caesium137 und Jod131 nachgewiesen werden, meldet die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA).

Auf der Internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse (INES) ordnen die japanischen Behörden den Zwischenfall mit der Stufe 4 ein. Die INES-Skala reicht von 0 (kleines Problem) bis 7 (schwerster Zwischenfall), 4 bedeutet hierbei einen "Unfall mit lokal begrenzten Konsequenzen". Dies ist eine Stufe unterhalb der partiellen Kernschmelze, welche 1979 im Kernkraftwerk von Three Mile Island nahe Harrisburg in Pennsylvania aufgetreten war.

Nach Angaben der japanischen Behörden soll die innere Schutzhülle des Reaktors 1 noch intakt sein und man leitet nun eine Mischung aus Salzwasser und Bor in diese ein, um den Schaden am Reaktorkern zu begrenzen. Eventuell muss man dieses Verfahren auch beim dritten Reaktor anwenden, über dessen Schutzhülle sich offenbar ebenfalls hochexplosiver Wasserstoff angesammelt hat. Das Zuleiten von Meerwasser und Bor ist eine absolute Notmaßnahme und beschädigt die Reaktorkerne nach Ansicht von Experten irreparabel.

Wie die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mitteilt, haben die Japaner beim zweiten beschädigten Atomkraftwerk Fukushima II (Daini) keinen Dampf abgelassen. Dies hatte die IAEA zunächst irrtümlich berichtet. Nach Angeben der zuständigen Behörden werden die Reaktoren 1, 2 und 4 des Kraftwerks Fukushima II mit externer Energie versorgt. Der Reaktor 3 befindet sich zur Zeit außer Betrieb, er wurde bereits zuvor kalt heruntergefahren. Bis die Kühlsysteme vollständig repariert sind, bleibt die Situation aber auch in Fukushima II gefährlich.

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Re: Japan: Zitterpartie um Reaktor geht weiter

Beitrag von fantacoon » 13 Mär 2011, 14:59

Das mit der Informationspolitik ist so eine kulturelle Geschichte. Gerade in Japan wäre es fatal versäumnisse zuzugestehen, da niemand sein Gesicht verlieren darf. Deswegen werden z.B. Personen und Institutionen nie direkt betitelt. Dieses "klar zum Thema kommen" und "die Warheit ungeniert heraussagen" ist typisch deutsch. Wir als Deutsche sind natürlich immer extrem genervt von Teilwarheiten und verschleierten Fakten. Ich begegne solchen Dingen ständig insbesondere im Ausland und das bereits innerhalb Europas.

@ wigor
danke für deine detailierten Infos. Sei bitte trotdem vorsichtig wie du dich gegenüber Foren-Teilnehmern äußerst nur weil sie bestimmte Dinge nicht so genau kennen bzw. einer anderen Meinung sind. Der Ton macht die Musik... :wink:

Grundsätzlich klingt die Situation doch eher nach abwarten und hoffen, dass die Kühlung reicht und der Reaktor nicht vorher um die Ohren fliegt... oder wie kann ich das verstehen. Damit stünde die Menschheit mal wieder ohnmächtig vor einem Problem was sie sich selbst erschaffen hat...

Gruß fanta
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Japan: Wieder Dampfablass, Warnstufe für 3. Kraftwerk

Beitrag von doelf » 13 Mär 2011, 15:58

In einer neuen Mittelung berichtet die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA), dass der Kraftwerksbetreiber Tepco (Tokyo Electric Power Company) damit begonnen hat, auch am dritten Reaktor des Kraftwerks Fukushima I (Daiichi) radioaktiven Dampf abzulassen, um Druck abzubauen. Zudem soll der Reaktor mit Hilfe von eingepumpten Wasser und später dann Meerwasser gekühlt werden.

Das Vorhaben ist riskant, denn bereits beim ersten Reaktor des Atomkraftwerks hatte es außerhalb der inneren Schutzhülle eine Explosion gegeben, welche die umgebende Halle schwer beschädigt hatte. Ursache dieser Explosion war Wasserstoff, der sich wahrscheinlich auch um den dritten Reaktor angesammelt hat. Durch das Einpumpen von mit Bor versetztem Meerwasser soll die vermutlich bereits eingetretene teilweise Kernschmelze gestoppt werden, hierdurch werden die Reaktoren allerdings irreparabel beschädigt.

Weiterhin haben die japanischen Behörden bestätigt, dass auch der Kraftwerksbetreiber Tohoku Electric Power Company für seinen Atommeiler Onagawa eine Warnung ausgesprochen hat. Es handelt sich um eine Warnung der niedrigsten Stufe, welche aufgrund erhöhter Radioaktivität im Umfeld des Kraftwerks zustande kam. Die drei Reaktoren in Onagawa sind unter Kontrolle und die Quelle der Strahlung ist noch unklar. Möglicherweise sind die Ereignisse in Fukushima I (Daiichi) für die erhöhten Messergebnisse verantwortlich.

wigor666

Re: Japan: Zitterpartie um Reaktor geht weiter

Beitrag von wigor666 » 14 Mär 2011, 03:24

Moin,

ja ich weiß, der Ton, is halt alles nich so einfach. SORRY wenn ich da mal wieder etwas Überheblich klang.

Passt ma auf, denen fliegt der ganze Laden doch noch um die Ohren :( . Block 3 war von Anfang an genau so kritisch wie 1, das ging nur unter. Wobei 1 kleiner und älter ist als alle anderen. Was mit 2 ist, weiß auch keiner so genau.

Ein ca. 40 und 35 Jahre altes Containment sollen jetzt also, nur indirekt gekühlt, noch mit unter, über Wochen dicht halten und das bei ständig variirenden Innendrücken und viel zu hohen Temperaturen, wobe beide Faktoren weit über jeder Spezifikation liegen. Hinzu kommt das keiner weiß ob die Behälter nicht schon durch den 40 jährigen Betrieb, schlampige Wartung, das jetzige oder frühere Beben oder die Explosion beschädigt wurden. Frag doch mal Murphy, was er dazu meint :wink: . Meiner Meinung nach sehe ich keinerlei Veranlassung dafür das, dass so ohne weiteres abgeht. Ist ne Warscheinlichkeitsrechnung, die nicht gerade vor positiven Warscheilichkeiten strotzt. Die Frage ist für mich wirklich nur noch, ob, wann, wie, die ganze Kiste hoch geht. Wenn das der Fall ist, kann man ganz Nordjapan, oder wenn der Wind dreht ganz Japan, zus*c*h*e*i*ß*e*n und zwar die nächsten... na sagen wir mal 500-1000 Jahre sicher. Was das für die Weltwirtschaft bedeuten würde muß ich, glaube ich, keinem erklären.

Was ich auch noch nicht wußte, ist, dass sich die Radioaktivität der Brennelemente, durch lange, also effiziente Nutzung (was ja an sich wünschenswert ist) so stark potenziert. Gegen das was da gerade vor sich hin schmilzt ist unser Müll, n Witz und der is schon nich von Pappe. Das lässt doch eine brennende Fragen aufkommen. Die haben rund 55 von den Öfen, das macht, auch bei effizienter Nutzung und Wiederaufbereitung, n dicken Haufen Müll im Jahr. Wo, zum Teufel, lassen die diese imense Menge Atommüll :shock: ?

@doelf: Was hasst du immer mit "Irreperabel" ? In anbetracht dieser Megas*c*h*e*i*ß*ä, dürfte selbst TEPCO, der materielle Schaden voll am Popo vorbei gehen. Wirtschaftlich betrachtet wahren die Öfen 40 jahre alt und schon längst abgeschrieben. Der Schaden der jetzt durch den ganzen Mist entsteht, der ist ausschlaggebend.

Das gibt sonne Nummer wie in Pripjat. 1-3 werden in Beton eingegossen, 3-6 laufen noch munter weiter und wenn`s gut läuft werden noch 7 und 8 gebaut und der geneigte Werker, tritt jeden Morgen den Weg zur Arbeit im Schutzanzug an. Hach, welch Idyll.

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