Japan: Zitterpartie um Reaktor geht weiter

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Loner
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Re: Japan: Zitterpartie um Reaktor geht weiter

Beitrag von Loner » 19 Mär 2011, 12:22

also ich frag mich die ganze Zeit, ob es ein Börsennotiertes Unternehmen gibt, welches im Bereich atomarer Müllbeseitigung aktiv ist. Ich glaube die werden in den nächsten Jahren ziemlich gut laufen :)
sapere aude!

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Re: Japan: Zitterpartie um Reaktor geht weiter

Beitrag von doelf » 19 Mär 2011, 13:29

@ Grinch:
Entwicklungskosten: Wir
Betriebskosten: Wir
Entsorgungskosten: Wir
Risiko: Wir

Wenn per Gesetz festgelegt würde, dass die Betreiber von Atomkraftwerken für die Entsorgung des Mülls selbst aufkommen müssen und zudem das Restrisiko im vollen Umfang versichern müssen, würden die Kraftwerke innerhalb von 24 Stunden vom Netz gehen.

Gruß

Michael

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Japan: Status der Reaktoren, belastete Nahrungsmittel

Beitrag von doelf » 19 Mär 2011, 15:55

In der Präfektur Fukushima, in der das schwer beschädigte Kernkraftwerk Fukushima I (Daiichi) liegt, wurde nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) radioaktives Jod-131 in Lebensmitteln nachgewiesen. Die belasteten Proben wurden zwischen dem 16. und 18. März gefunden, weshalb das japanische Gesundheitsministerium einen Verkaufsstopp für alle Nahrungsmittel aus dieser Gegend verhängen will (Die ursprüngliche Mitteilung der IAEA berichtete, dieser sei bereits verhängt worden).

Nachdem eine Explosion das Reaktorgebäude 1 am 12. März schwer beschädigt hatte, wurden die radioaktiven Isotope Jod-131 und Caesium-137 in der Umgebung des Atomkraftwerks nachgewiesen. Insofern verwundert es nicht, dass diese Stoffe mittlerweile auch den Weg in die Nahrungskette gefunden haben. Jod-131 hat eine Halbwertszeit von acht Tagen und zerfällt in der Natur innerhalb weniger Wochen. Dennoch ist dieses Isotop gefährlich, da es sich in der menschlichen Schilddrüse anreichert und dort Krebs auslösen kann. Ein Umkreis von 20 Kilometern rund um Fukushima I (Daiichi) bleibt evakuiert, in einem Radius von 30 km sollen die Anwohner ihre Häuser nicht verlassen. Am 16. März hatten die Behörden empfohlen, dass alle Personen unter 40 Jahren, welche die 20km-Zone verlassen, Jodtabletten einnehmen. Hierdurch stellt sich eine Sättigung in der Schilddrüse ein, welche dann kein weiteres (möglicherweise radioaktives) Job aufnimmt.

Außerhalb des 30km-Radius liegt die Strahlung nach Angaben der japanischen Behörden auf einem Niveau, welches keine gesundheitliche Bedrohung darstellt. Insgesamt wurden seit dem Erdbeben drei sehr hohe Strahlungsspitzen gemessen, doch seit dem 16. März bleiben die Werte ziemlich stabil. Die Pegel auf dem Kraftwerksgelände liegen zwar signifikant über den Normalwerten, erlauben aber zumindest weiterhin Arbeiten am Kraftwerk. Die Japaner sind weiterhin bemüht, die externe Stromversorgung für die Reaktoren 1 und 2 wiederherzustellen. Wann diese Arbeiten abgeschlossen sind, steht zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht fest. Es gibt auch noch keinen Zeitplan zur Versorgung der übrigen Reaktoren mit externem Strom.

Hier der aktuelle Zustand der sechs Reaktoren von Fukushima I (Daiichi):
  • * Reaktor 1: INES-Stufe 5 (ernster Unfall)
    Dieser Reaktor war zum Zeitpunkt des Erdbebens in Betrieb, aufgrund des Erdbebens kam es zur automatischen Abschaltung. Die Steuerstäbe wurden in den Reaktor eingeführt und die Kernspaltung wurde beendet. Die Dieselgeneratoren liefen zunächst an und übernahmen die Notkühlung, doch dann kam der Tsunami und legte die Dieselgeneratoren lahm. Die Hitze ließ den Wasserpegel im Reaktor soweit fallen, dass die Brennstäbe nur noch zur Hälfte bedeckt waren. Die Brennstäbe wurden hierdurch beschädigt. Es baute sich hoher Druck im Reaktorbehälter auf, welcher durch das Ablassen von Gas gemindert wurde. Hierbei trat aber auch Wasserstoff aus, der am Samstag den 12. März zu einer Explosion führte, welche die Reaktorhalle zerstörte. Die Schutzhülle des Reaktors selbst ist allem Anschein nach intakt geblieben. Es wird Meerwasser in den Reaktor gepumpt, um die Brennstäbe zu stabilisieren.

    * Reaktor 2: INES-Stufe 5 (ernster Unfall)
    Dieser Reaktor war zum Zeitpunkt des Erdbebens in Betrieb, aufgrund des Erdbebens kam es zur automatischen Abschaltung. Die Steuerstäbe wurden in den Reaktor eingeführt und die Kernspaltung wurde beendet. Die Dieselgeneratoren liefen zunächst an und übernahmen die Notkühlung, doch dann kam der Tsunami und legte die Dieselgeneratoren lahm. Die Hitze ließ den Wasserpegel im Reaktor soweit fallen, dass die Brennstäbe nur noch zur Hälfte bedeckt waren. Die Brennstäbe wurden hierdurch beschädigt. Am Dienstag den 15. März kam es zu einer Explosion, welche die Reaktorhalle und möglicherweise auch die Schutzhülle des Reaktors selbst beschädigt hat. Gestern stieg weißer Rauch aus dem Gebäude auf. Es wird Meerwasser in den Reaktor gepumpt, um die Brennstäbe zu stabilisieren.

    * Reaktor 3: INES-Stufe 5 (ernster Unfall)
    Dieser Reaktor war zum Zeitpunkt des Erdbebens in Betrieb, aufgrund des Erdbebens kam es zur automatischen Abschaltung. Die Steuerstäbe wurden in den Reaktor eingeführt und die Kernspaltung wurde beendet. Die Dieselgeneratoren liefen zunächst an und übernahmen die Notkühlung, doch dann kam der Tsunami und legte die Dieselgeneratoren lahm. Die Hitze ließ den Wasserpegel im Reaktor soweit fallen, dass die Brennstäbe nur noch zur Hälfte bedeckt waren. Die Brennstäbe wurden hierdurch beschädigt. Es baute sich hoher Druck im Reaktorbehälter auf, welcher durch das Ablassen von Gas gemindert wurde. Hierbei trat aber auch Wasserstoff aus, der am Montag den 14. März zu einer Explosion führte, welche die Reaktorhalle zerstörte. Möglicherweise ist auch die Schutzhülle des Reaktors selbst beschädigt. Gestern stieg weißer Rauch aus dem Gebäude auf. Es wird Meerwasser in den Reaktor gepumpt, um die Brennstäbe zu stabilisieren.
    Im Abklingbecken dieses Reaktors lagern gebrauchte Brennstäbe, vermutlich ist der Wasserspiegel im Becken stark gesunken, so dass diese überhitzen. Daher versuchen die Japaner mit Hubschraubern, Wasserwerfern und Löschfahrzeugen Wasser in diesen Block zu bringen. Leider ist es nicht mehr möglich, die Temperatur im Abklingbecken des Reaktorgebäudes 3 zu messen.

    * Reaktor 4: INES-Stufe 3 (ernster Störfall)
    Dieser Reaktor war zum Zeitpunkt des Erdbebens außer Betrieb, alle Brennstäbe befinden sich im Abklingbecken. Die Explosion im Reaktorgebäude 3 hatte am Montag auch die äußere Hülle des Reaktorgebäudes 4 schwer beschädigt. In der Folge kam es zu zwei Bränden, von denen einer möglicherweise auch das Abklingbecken betroffen hat. Die Feuer sind erloschen, doch es steigt weiterhin Rauch auf. Die letzte Temperaturmessung vom Abklingbecken des Reaktors 4 stammt vom Dienstag und belief sich auf 84 Grad Celsius, bei normaler Kühlung läge die Temperatur unter 25 Grad Celsius.

    * Reaktor 5: keine INES-Stufe
    Dieser Reaktor war zum Zeitpunkt des Erdbebens außer Betrieb, es befinden sich Brennstäbe im Abklingbecken. Die Temperatur im Abklingbecken ist in den vergangenen Tagen angestiegen und lag gestern bei 65,5 Grad Celsius. Ein Dieselgenerator stellt die Wasserzirkulation sicher. Arbeiter haben das Dach des Reaktorgebäudes teilweise geöffnet, um eine mögliche Ansammlung von Wasserstoffgas bereits im Vorfeld zu verhindern.

    * Reaktor 6: keine INES-Stufe
    Dieser Reaktor war zum Zeitpunkt des Erdbebens außer Betrieb, es befinden sich Brennstäbe im Abklingbecken. Die Temperatur im Abklingbecken ist in den vergangenen Tagen angestiegen und lag gestern bei 62,0 Grad Celsius. Ein Dieselgenerator stellt die Wasserzirkulation sicher. Arbeiter haben das Dach des Reaktorgebäudes teilweise geöffnet, um eine mögliche Ansammlung von Wasserstoffgas bereits im Vorfeld zu verhindern.
Quelle:
http://www.iaea.org/press/

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Japan: Der Kampf am Atomkraftwerk geht weiter

Beitrag von doelf » 20 Mär 2011, 16:07

Die Lage am japanischen Kernkraftwerk Fukushima I (Daiichi) ist nach wie vor sehr kritisch, doch zumindest hat sie sich in den vergangenen Stunden nicht weiter verschlechtert. Die Reaktoren 1, 2 und 3 werden nach wie vor mit Meerwasser gekühlt und auch die Arbeit an der externen Stromversorgung der Anlage schreitet weiter voran.

Am Reaktor 2 reicht die externe Zuleitung bis zu einem Behelfstransformator, welcher nun mit den Systemen des Reaktorgebäudes verbunden werden soll. Es ist jedoch noch völlig unklar, ob die internen Systeme überhaupt noch funktionsfähig sind. Auch an der Stromzufuhr für die Reaktoren 3 und 4 wird gearbeitet. Währenddessen besprühen die Feuerwehr und die japanischen Streitkräfte die Reaktorgebäude 3 und 4, um die darin befindlichen Abklingbecken zu kühlen. Zumindest scheint sich der Druckanstieg im Reaktor 3, welcher am Donnerstag gemessen wurde, soweit stabilisiert zu haben, dass der Kraftwerksbetreiber Tepco (Tokyo Electric Power Company) vorerst keinen radioaktiven Dampf ablassen will.

Erfolge werden von den beiden noch intakten Reaktoren 5 und 6 gemeldet. Hier hatten sich die Abklingbecken über die letzten Tage aufgeheizt, da einer der beiden Dieselgeneratoren ausgefallen war. Zunächst konnte dieser Generator repariert und wieder in Betrieb genommen werden, danach gelang es zudem, die interne Kühlung der Abklingbecken wieder anlaufen zu lassen. Nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) konnte die Wassertemperatur hierdurch deutlich gesenkt werden - im Abklingbecken des Reaktors 5 von 68,8 Grad Celsius auf 35,20 Grad Celsius und im Abklingbecken des Reaktors 6 von 67,0 Grad Celsius auf 30,0 Grad Celsius. Die übliche Temperatur liegt in solchen Becken bei ca. 25 Grad Celsius.

Quelle:
http://www.tepco.co.jp/en/press/corp-co ... 005-e.html

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Re: Japan: Zitterpartie um Reaktor geht weiter

Beitrag von doelf » 20 Mär 2011, 16:18

Neue Temperaturen für die Abklingbecken der Reaktoren 5 und 6 eingefügt, kamen gerade über die IAEA rein.

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Japan: Erfolge und Rückschläge am Kernkraftwerk Fukushima I

Beitrag von doelf » 21 Mär 2011, 11:42

Wie Tepco (Tokyo Electric Power Company), der Betreiber des stark beschädigten Atomkraftwerks Fukushima I (Daiichi) meldet, sind die Reaktoren 5 und 6 kalt heruntergefahren und die interne Kühlung dieser Anlagen ist in Betrieb. In das Abklingbecken des Reaktors 2 wurden 40 Tonnen Meerwasser gepumpt und der Stromanschluss wurde fertiggestellt. Probleme bereitet jedoch auch weiterhin der Reaktor 3.

Am Sonntag stieg der Druck innerhalb der Schutzhülle von Reaktor 3 aus unbekannten Gründen auf 320 kPa, weshalb Tepco das Ablassen von radioaktivem Gas vorbereitet hatte. Doch dann fiel der Druck wieder ab und die Maßnahme musste nicht ausgeführt werden. Heute morgen lag der Druck nur noch bei 160 kPa. Neueste Meldungen vom Kraftwerk besagen jedoch, dass nun grauer Rauch aus dem Block 3 aufsteigt und der Betreiber seine Arbeiter aus diesem Teil des Geländes zurückgezogen hat. Die Quelle des Rauchs scheint im Bereich des Abklingbeckens zu liegen, in dem gebrauchte Brennstäbe lagern. Nach Angaben des Betreibers bestehen diese aus besonders gefährlichen Plutonium-Uran-Mischoxiden (MOX), welche bei Überhitzung nicht nur eine hohe Radioaktivität, sondern auch hoch giftiges Plutonium freisetzen würden. Daher hatte sich die Aufmerksamkeit bereits in den vergangenen Tagen auf diesen Block konzentriert, welcher von Löschfahrzeugen und Hubschraubern mit Wasser beschossen wurde. Diese Maßnahme sollte in erster Linie den Wasserstand im Abklingbecken aufrecht erhalten, während in den Reaktor selbst Meerwasser gepumpt wird. Es gibt keine Daten zum Wasserstand oder zur Temperatur im Abklingbecken und die externe Stromzufuhr zum Reaktor 3 wurde bisher noch nicht wieder hergestellt.

Im Reaktorblock 4 gibt es ebenfalls Probleme mit dem Abklingbecken, dessen letzte Temperaturmessung bereits sechs Tage alt ist und sich auf 84 Grad Celsius belaufen hatte - bei normaler Kühlung läge diese Temperatur unter 25 Grad Celsius. Gestern und heute wurde das Reaktorgebäude mit Wasser besprüht, um den Wasserstand im Abklingbecken zu sichern. Zusätzlich wird an der externen Stromzufuhr gearbeitet, mit der man die interne Kühlung des Abklingbeckens wieder herstellen will. Eigentlich wollte Tepco die Zuleitung heute fertigstellen, doch diese Arbeiten könnten aufgrund der Probleme mit Reaktor 3 beeinträchtigt oder gar gestoppt werden. In der Reaktoreinheit 4 selbst befinden sich keine Brennstäbe.

Wie die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mitteilt, hat das japanische Gesundheitsministerium die radioaktiven Isotope Jod131 und Caesium137 in Lebensmitteln und dem Trinkwasser nachweisen können. In drei Milchproben aus der Stadt Kawamata wurde Jod131 gefunden, wobei die gesetzlichen Grenzwerte überschritten wurden. Caesium137 wurde in einer der Proben entdeckt, hier lag das Messergebnis jedoch unterhalb des Grenzwerts. In der Präfektor Ibaraki wurden Jod131 und Caesium137 in Blattgemüsen wie Frühlingszwiebeln und Spinat bestätigt, auch hier wurden die Grenzwerte überschritten. Weiterhin wurde an 46 Orten das Leitungswasser untersucht, sechs der genommenen Proben enthielten Spuren von radioaktivem Jod131, allerdings wurden die gesetzlichen Grenzen von allen Proben eingehalten.

Quellen:
http://www.iaea.org/press/
http://www.nisa.meti.go.jp/english/
http://www.tepco.co.jp/en/

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Japan: Wieder Rauch und hohe Strahlenbelastung

Beitrag von doelf » 22 Mär 2011, 10:33

Aktualisierte Fassung von 12:52 Uhr:

Aus den Reaktorgebäuden 2 und 3 des Kernkraftwerks Fukushima I (Daiichi) steigt immer wieder Rauch auf, die Ursache hierfür ist weder dem Betreiber Tepco (Tokyo Electric Power Company) noch den Behörden bekannt. Während sich die Strahlung auf dem Kraftwerksgelände nicht weiter erhöht hat, meldet die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) eine hohe Strahlen- und Bodenbelastung im Umfeld der Anlage, welche auch deutlich über die Grenzen der Evakuierungszone reicht.

Reaktor 2 ist seit Sonntag mit einer externen Stromversorgung verbunden, die Anlage konnte jedoch noch nicht auf externen Strom umgeschaltet werden. An der Stromversorgung für den Reaktor 3 wird noch gearbeitet, zum Reaktor 4 wurde zumindest das Stromkabel verlegt und der Anschluss der Anlage wird nun vorbereitet. In den Reaktoren 5 und 6 war bereits am Samstag das interne Kühlsystem angelaufen, dieses wurde beim Reaktor 5 nun vom Dieselgenerator auf die externe Stromversorgung umgestellt. Die selbe Maßnahme wird auch am Reaktor 6 umgesetzt. Da vom Reaktor 1 in den vergangenen Tagen kaum Probleme ausgegangen sind, scheint Tepco dessen Anschluss an das Stromnetz erst zuletzt vornehmen zu wollen. Auch weiterhin pumpt der Betreiber Meerwasser in die Reaktoren 1, 2 und 3, zudem wurde gestern Wasser in das Lagerbecken für die gebrauchten Brennstäbe (Common Spent Fuel Pool) gesprüht.

Da weißer Rauch aus dem Reaktorgebäude 2 und grauer Rauch aus dem Reaktorgebäude 3 aufstieg, mussten die Arbeiter zwischenzeitlich von den Reaktoren 1 bis 4 abgezogen werden. Auch die Löschfahrzeuge, welche die Gebäude 2, 3 und 4 immer wieder mit Wasser besprüht hatten, wurden zurückgezogen. Durch das Besprühen soll insbesondere der Wasserstand in den Abklingbecken mit den gebrauchten Brennstäben erhöht werden. Während für die Abklingbecken der Reaktoren 1, 3 und keine Daten vorliegen, meldet die japanische Atomsicherheitsbehörde NISA für das Abklingbecken im Reaktorgebäude 2 eine Temperatur von 53 Grad Celsius (gemessen um 11:20 Uhr Ortszeit am 22. März 2011). Der weiße Rauch am Reaktorgebäude 2 soll seit heute Morgen kaum noch zu sehen sein, der ehemals graue Rauch aus dem Reaktorgebäude 3 ist nun weiß und wird schwächer.

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hatte am Sonntag und Montag in einem Umkreis von 16 bis 200 km rund um das schwer beschädigte Atomkraftwerk Fukushima I (Daiichi) Messungen vorgenommen und nun erste Ergebnisse veröffentlicht. In einer Entfernung zwischen 16 und 58 km von der Anlage stellte man eine hohe Beta-Gamma-Belastung des Bodens von 0,216 bis 0,855 MBq pro Quadratmeter fest. An den beiden Messpunkten, welche 16 und 20 km vom Kraftwerk entfernt liegen, war die Belastung so hoch, dass keine Ausschläge pro Minute mehr gezählt werden konnten. Der Höchstwert von 0,855 MBq pro Quadratmeter stammt daher bereits aus einer Entfernung von 28 km. Selbst in Abukuma, 60 km von Fukushima I entfernt, wurden noch 0,64 MBq pro Quadratmeter registriert. In Nasukogem, 220 km südlichwestlich von Fukushima I, beläuft sich die Belastung auf 0,39 MBq pro Quadratmeter.

Auch die Gammastrahlung war deutlich erhöht und erreichte Werte von 2 bis 161 Mikrosievert pro Stunde. Der sehr hohe Wert von 161 Mikrosievert pro Stunde (ca. 1610 mal die natürliche Dosis) wurde 20 km vom Kernkraftwerk entfernt gemessen, in 16 km Entfernung waren es hingegen "nur" 83 Mikrosievert pro Stunde. Selbst ein Abstand von 58 km schützt nicht vor einer Strahlungsbelastung, welche die natürliche Hintergrundstrahlung von ca. 0,1 Mikrosievert pro Stunde um das 57-Fache übersteigt. Sogar im 220 km entfernten Nasukogem waren die Messwerte immer noch 29 mal höher als normal. Daten zur Alpha-Strahlung liegen seitens der IAEA nicht vor, die Behörde bezieht sich jedoch auf Messungen der japanischen Kollegen, die in der 20km-Evakuierungszone keine signifikante Erhöhung feststellen konnten.

Wie Tepco berichtet, wurde im Meerwasser nahe des Abflusskanals der Anlage radioaktives Material entdeckt. Angaben zur Art des Materials und zur Höhe der Belastung bleibt der Betreiber jedoch schuldig. Heute und morgen soll die Japan Agency for Marine-Earth Science and Technology (JAMSTEC) daher an acht Orten Proben von Meerwasser nehmen, welche dann von der Japan Atomic Energy Agency (JAEA) auf ihre radioaktive Belastung hin untersucht werden. Die Veröffentlichung der Ergebnisse ist für den 24. März geplant.

In Anbetracht der hohen Strahlung und der kontaminierten Böden darf einmal mehr angezweifelt werden, ob die Evakuierungszone von lediglich 20 km wirklich ausreicht. Die Aussage der japanischen Regierung, dass außerhalb dieses Bereiches keine Gefahr für die Gesundheit bestehe, muss jedenfalls als sehr optimistisch bewertet werden. Hinzu kommt, dass sich die japanische Behörden noch immer nicht zu einem Verkaufsverbot von belastetem Gemüse und Milch durchringen konnte. Bisher wurde lediglich eine Empfehlung ausgesprochen, den Verkauf von Spinat und Frühlingszwiebeln aus den Präfekturen Ibaraki, Totigi, Gunma und Fukushima sowie den Verkauf von Milch aus Fukushima vorerst einzustellen. Angesichts der Messwerte reichen diese Maßnahmen keinesfalls aus. In einer untersuchten Stichprobe Spinat wurde aufgrund des radioaktiven Isotops Jod131 eine Belastung von bis zu 54.100 Bq pro Kilogramm festgestellt, hinzu kommen bis zu 1.931 Bq pro Kilogramm durch Caesium137. Der gesetzliche Grenzwert liegt in Japan bei 2.000 Bq/kg.

Quelle:
http://www.iaea.org/press/

wigor666

Re: Japan: Zitterpartie um Reaktor geht weiter

Beitrag von wigor666 » 22 Mär 2011, 15:44

Hallou,

mein Gott, was eine Sche*iße. Äh... Alphaemision ist zu vernachlässigen,da diese nur sehr kurtzwellig ist (ca. 10cm vom strhlenden Objekt). Beta und Gamma sind wichtig, insbesondere die weiche Gammaemision.

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Re: Japan: Zitterpartie um Reaktor geht weiter

Beitrag von doelf » 22 Mär 2011, 18:11

Danke für den Hinweis!

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Japan: Externe Stromversorgung noch nicht fertig

Beitrag von doelf » 23 Mär 2011, 10:20

Update von 12:59 Uhr:

Entgegen den hierzulande verbreiteten Meldungen wurden bisher nur fünf der sechs Reaktorblöcke des Kernkraftwerks Fukushima I (Daiichi) mit dem externen Stromnetz verbunden. Bisher konnten auch nur die unbeschädigten Blöcke 5 und 6 auf die externe Stromversorgung umgeschaltet werden. Seit gestern wird eine Betonpumpe verwendet, um Wasser in den Block 4 zu pumpen, in dessen Abklingbecken besonders viele Brennstäbe lagern.

Zustand der Reaktoren:
In die geladenen Reaktoren 1 bis 3 wird weiterhin Meerwasser gepumpt. Die Temperatur im Reaktor 1 war heute auf über 400 Grad Celsius gestiegen und liegt damit außerhalb des Messbereichs. Eine zweite Wasserleitung wurde in Betrieb genommen, welche diese Situation entschärfen soll. Sie erweitert die bisherige Kapazität von 2 auf 18 Kubikmeter pro Stunde. In allen drei Reaktoren ist der Wasserstand zu niedrig, so dass die Brennstäbe zur Hälfte frei liegen. Aufgrund der hohen Hitze wurden die Brennstäbe vermutlich schwer beschädigt, weshalb für alle drei Anlagen die INES-Stufe 5 (ernster Unfall) verhängt wurde. Zumindest beim Reaktor 2 wird zudem befürchtet, dass auch die Druckkammer nicht mehr intakt ist. Das Reaktorgebäude 2 wurde durch eine Explosion beschädigt, die Reaktorgebäude 1, 3 und 4 wurden durch weitere Explosionen weitgehend zerstört. Im Reaktor 4 (INES-Stufe 3, ernster Störfall) befinden sich keine Brennstäbe, die Reaktoren 5 und 6 sowie die dazugehörigen Gebäude sind unbeschädigt und unter Kontrolle. Seit kurzer Zeit steigt schwarzer Rauch aus dem Reaktorgebäude 3 auf. Aus diesem Grund hat der Kraftwerksbetreiber Tepco (Tokyo Electric Power Company) seine Arbeiter einmal mehr von der Anlage zurückziehen müssen.

Externe Stromversorgung:
Entgegen anders lautender Meldungen gibt es hier noch keinen Durchbruch. Zum Reaktorblock 1 wurde beispielsweise noch gar kein Stromkabel verlegt und es gibt auch noch keinen Zeitplan für dessen Anschluss an das externe Netz. Das Reaktorgebäude 2 ist seit Sonntag mit einer externen Stromversorgung verbunden, die Anlage konnte jedoch noch nicht auf externen Strom umgeschaltet werden. Die Stromversorgung für Reaktor 3 wurde heute angeschlossen, der Kontrollraum hat Licht. Bereits gestern wurde der Reaktor 4 an die externe Stromversorgung angeschlossen, doch auch hier müssen noch umfangreiche Tests und Arbeiten durchgeführt werden, bevor die internen Systeme wieder anlaufen können. Der unbeschädigte Reaktorblock 5 wurde am Montag vom Dieselgenerator auf die externe Stromzufuhr umgeschaltet, der ebenfalls intakte Reaktorblock 6 folgte heute.

Zustand der Abklingbecken:
Nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) befinden sich Brennelemente in den Abklingbecken aller Reaktorblöcke. Seit dem Erdbeben gibt es keine Messwerte zum Zustand des Abklingbeckens im Reaktorblock 1. Für das Abklingbecken im Reaktorgebäude 2 veröffentlicht die japanische Atomsicherheitsbehörde NISA mehrmals täglich aktualisierte Temperaturwerte, zuletzt wurden 51 Grad Celsius am 23. März 2011 um 04:20 Uhr Ortszeit gemessen. Dieser Wert bleibt seit einigen Tagen stabil. Gestern wurden zudem 18 Tonnen Meerwasser in das Becken gepumpt. Für die Abklingbecken der Reaktoren 3 und 4 fehlen Messwerte, daher besprüht man diese Gebäude seit Tagen mit Wasser. Auf das Reaktorgebäude 3 wurden bisher 3.742 Tonnen Wasser gesprüht, beim Gebäude vier waren es 255 Tonnen. Seit gestern ist am Reaktorblock 4 eine Betonpumpe im Einsatz, mit der das Wasser gezielt in die Anlage gebracht werden kann. Die Betonpumpe kann bis zu 50 Tonnen pro Stunde bewältigen. Der Zustand der Abklingbecken in den Reaktorgebäuden 5 und 6 ist stabil, denn hier konnte bereits am Samstag das interne Kühlsystem reaktiviert werden. Die Temperaturen liegen derzeit bei 36,6 bzw. 21,0 Grad Celsius und somit nicht weit über dem Normalwert von 25 Grad Celsius. Diese beiden Blöcke werden als erste wieder über das externe Stromnetz versorgt. In das allgemeine Lagerbecken für gebrauchte Brennstäbe (Common Spent Fuel Pool), welches sich in einem eigenen Gebäude befindet, wurde am Montag frisches Wasser gesprüht. Die Wassertemperatur lag zu diesem Zeitpunkt bei 61 Grad Celsius.

Belastung von Boden und Nahrung:
Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hatte gestern weitere Messungen in der Umgebung von Fukushima I durchgeführt, welche die Ergebnisse der Vortage leider abermals übertroffen haben. So wurde noch in einer Entfernung von 51 km eine hohe Beta-Gamma-Belastung des Bodens von 0,900 MBq pro Quadratmeter festgestellt. In einem Abstand von 62 km lag die Gammastrahlung bei 9,1 Mikrosievert pro Stunde, das 91-Fache der natürlichen Hintergundstrahlung von ca. 0,1 Mikrosievert pro Stunde. Die Belastung durch Strahlung und radioaktive Verunreinigungen ist von Ort zu Ort sehr unterschiedlich, was sich auch auf die Lebensmittel auswirkt. Die meisten Proben von Blattgemüse, welches aus der Region südlich von Fukushima stammt, überschritten den gesetzlichen Grenzwert von 2000 Bq pro Kilogramm (Jod131 und Caesium137) deutlich. Teilweise war die Belastung 27,5-mal höher als erlaubt. Für Milch gilt in Japan der Grenzwert von 300 Bq pro Liter, dieser wurde von einer Probe um 2000 Prozent (Jod131) überschritten. In Tokyos Trinkwasser wurde ebenfalls eine erhöhte Belastung von 210 Bq pro Kilogramm (Jod131) entdeckt. Diese liegt zwar noch innerhalb der erlaubten Grenz von 300 Bq pro Kilogramm für Erwachsene, überschreitet jedoch die empfohlenen Grenzwerte für Kinder um das Doppelte. Bezüglich der gesetzlichen Grenzwerte ist zu beachten, dass diese auf den lebenslangen Konsum von Nahrungsmitteln ausgelegt wurden. Eine kurzfristige Überschreitung dieser Werte hat daher keine unmittelbaren gesundheitlichen Auswirkungen. Dennoch sind Langzeitschäden - insbesondere für Kinder - nur schwer abzuschätzen.

Kontaminiertes Meerwasser:
Gestern hatte Tepco berichtet, dass nahe des südlichen Abflusskanals der Anlage radioaktives Material entdeckt wurde. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hat diese Angaben nun konkretisiert und nennt die radioaktiven Isotope Jod131, Caesium134 und Caesium137. Nun soll die Japan Agency for Marine-Earth Science and Technology (JAMSTEC) an acht Orten Proben von Meerwasser nehmen, welche dann von der Japan Atomic Energy Agency (JAEA) auf ihre radioaktive Belastung hin untersucht werden. Die Veröffentlichung dieser Ergebnisse ist für morgen geplant.

Betreiber in Geldnot:
Dass die Nuklearenergie nur dann ein lohnendes Geschäft ist, solange man das Restrisiko und die Problematik der Endlagerung über zehntausende von Jahren ausklammert, muss nun auch Tepco (Tokyo Electric Power Company) erfahren. Dem Betreiber von Fukushima I geht das Geld aus, so dass es die japanischen Banken um einen Notkredit in Höhe von 1,5 Billionen Yen (ca. 13,1 Milliarden Euro) ersucht. Das Geld benötigt Tepco bis Ende März. An dieser Stelle sei noch ein aufschlussreicher Hinweis erlaubt: Während seitens vieler Regierungen und Stromkonzerne immer wieder betont wird, wie sicher die Nutzung der Atomenergie doch ist, gibt es weltweit keinen Rückversicherer, der das Restrisiko eines Kernkraftwerks absichert. Nach Angabe der Rückversicherer ist eine solche Versicherung zwar theoretisch denkbar, die Kosten hierfür wären allerdings so hoch, dass dann kein profitabler Betrieb der Kraftwerke mehr möglich sei. Eine umfassende Versicherungspflicht für Atomkraftwerke würde somit ihr Aus bedeuten.

Quelle:
http://www.iaea.org/press/

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