Japan: Zitterpartie um Reaktor geht weiter

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Japan: Kaum Fortschritte am Kernkraftwerk

Beitrag von doelf » 28 Mär 2011, 14:19

Tepco (Tokyo Electric Power Company), der Betreiber des schwer beschädigten Kernkraftwerks Fukushima I (Daiichi), kämpft nach wie vor mit vier Reaktoren bzw. deren Abklingbecken. Bereits vor Tagen wurden Anschlüsse für die externe Stromzufuhr fertiggestellt, doch die Kühl- und Kontrollsysteme konnten noch immer nicht repariert werden.

Ein Grund für die Verzögerung ist radioaktiv belastetes Wasser, welches sich unterhalb der Turbinenräume angesammelt hat. Auf der Oberfläche dieses Wassers wurde im Reaktorgebäude 1 eine Strahlung von 0,4 Millisievert pro Stunde gemessen, im Reaktorgebäude 2 lag dieser Wert über 1.000 Millisievert pro Stunde. Für den Reaktor 3 liegen noch keine Daten vor, da hier Schutt eine Messung verhindert. Insbesondere die extrem hohe Strahlung im Reaktorblock 2 gibt Anlass zur Sorge.

Im Block 1 haben Arbeiter nach Angaben der zuständigen Sicherheitsbehörde NISA damit begonnen, das belastete Wasser in das Kondensationsbecken zu pumpen. Dies ist notwendig, um die weiteren Reparaturarbeiten durchführen zu können. Auch im Reaktorblock 3, in dem vergangene Woche drei Arbeiter einer hohen Strahlendosis durch kontaminiertes Wasser ausgesetzt waren, will man dieses Wasser abpumpen. Wie mit dem zweiten Reaktor verfahren werden soll, ist indes noch völlig unklar. Hier steigt auch die Temperatur im Abklingbecken wieder an und hat mittlerweile 67 Grad Celsius erreicht.

Der Tanz auf Messers Schneide wird auch in dieser Woche weitergehen und ist noch weit von einem Durchbruch - im positiven Sinne - entfernt.

Quelle:
http://www.nisa.meti.go.jp/english/index.html

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Japan: Plutonium in Bodenproben

Beitrag von doelf » 29 Mär 2011, 08:50

Tepco (Tokyo Electric Power Company), der Betreiber des schwer beschädigten Kernkraftwerks Fukushima I (Daiichi), hat in zwei von fünf Bodenproben, welche auf dem Kraftwerksgelände genommen wurden, Spuren von hoch giftigem Plutonium entdeckt. Die Zusammensetzung der Isotope deutet darauf hin, dass das Schwermetall aus dem Kernkraftwerk stammt.

Plutonium kommt in der Natur selten vor, kleinste Spuren des radioaktiven Metalls finden sich ausschließlich in einigen sehr alten Gesteinen. Im Zuge der oberirdischen Atombombentests gelange Plutonium insbesondere in den 50er und 60er Jahren in die Atmosphäre und verteilte sich über große Flächen unseres Planeten, so dass geringe Spuren keine Seltenheit mehr sind. Auch die Atombombe, welche am 9. August 1945 auf die japanische Stadt Nagasaki abgeworfen wurde, enthielt Plutonium als Spaltmaterial. Somit ist es an sich keine große Überraschung, wenn sich in Bodenproben aus Fukushima Plutonium nachweisen lässt.

Allerdings stellen sich im Falle des Kernkraftwerks Fukushima I zwei Fragen:
  • Wie hoch ist die Konzentration des Schwermetalls?
    Stammt das Plutonium aus einem der beschädigten Reaktoren?
Sowohl Tepco als auch die japanischen Behörden betonen, dass die Konzentration sehr gering ist und Werte, welche man in den vergangenen 30 Jahren in Japan messen konnte, nicht übersteigt. Hierbei ist zu beachten, dass in diesem Zeitraum keine oberirdischen Atomwaffentests mehr stattgefunden haben, sich am 26. April 1986 allerdings der Super-GAU von Tschernobyl ereignet hatte. Die Menge des gefundenen Plutoniums stellt somit keine akute Gefahr für die Gesundheit dar - schon gar nicht in der aktuellen Gesamtlage am Kraftwerk.

Laut Tepco konnten die Plutonium-Isotope 238, 239 und 240 nachgewiesen werden. Plutonium238 hat eine Halbwertzeit von 87,7 Jahren, Plutonium239 bringt es auf 24.110 Jahre und Plutonium240 auf 6.564 Jahre. Somit müssen diese Isotope zwar keinesfalls vom aktuellen Unfall herrühren, ihre Aktivität deutet jedoch darauf hin. Plutonium239 ist übrigens ein Bestandteil der MOX-Brennelemente, welche im Reaktorblock 3 von Fukushima I verwendet werden. Dort finden sich solche Brennstäbe im Reaktor sowie im Abklingbecken.

Zusammenfassend muss man zum jetzigen Zeitpunkt feststellen, dass der Nachweis der drei Plutonium-Isotope zwar nachdenklich stimmt, aber keinesfalls dramatisiert werden darf. Die Situation des Atomkraftwerks ist noch immer derart kritisch, dass geringfügige Spuren von Plutonium lediglich eine Randnotiz darstellen.

Quelle:
http://www.nisa.meti.go.jp/english/

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Re: Japan: Zitterpartie um Reaktor geht weiter

Beitrag von snop » 29 Mär 2011, 17:54

Trotzdem verharmlost Japan ständig die Lage, so dass es einige Anwohner aus dem evakuierten Umkreis des AKW gibt, die sogar wieder zurück wollen.
Sicherlich gibt es auch dort einige Uneinsichtige, aber wenn man denen erlauben würde, in diese Umgebung zurückzukehren, dann kann man sie auch gleich in den Reaktor schicken.

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Re: Japan: Zitterpartie um Reaktor geht weiter

Beitrag von doelf » 29 Mär 2011, 18:14

Also das japanische Fernsehen hatte Aufnahmen aus der Umgebung des Reaktors gezeigt und da brannte Licht in Häusern innerhalb der 20km-Zone. Es kehren immer wieder Leute zurück, meinte der Sprecher. Daher hatte die japanische Regierung vor ein paar Tagen ja mit Zwangsevakuierung gedroht. Die Leute wissen einfach nicht wohin und bisher ist ja noch keiner krank geworden.

Was die Leute über kurz oder lang krank machen wird, sind das Jod-131 und das Cäsium-137. Das bisschen Plutonium auf dem Kraftwerksgelände ist in Verhältnis hierzu kaum der Rede wert. Wenn ich mal Dieter Hallervorden bemühen darf, ist das Plutonium die Kuh Elsa => http://www.youtube.com/watch?v=-jRuhwRhRf4

Gruß

Michael

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Re: Japan: Zitterpartie um Reaktor geht weiter

Beitrag von snop » 30 Mär 2011, 22:03

Scheck ich :lol:
Also der Vergleich hinkt noch nicht mal...

Aber trotzdem ist es fürchterlich, im wahrsten Sinne des Wortes, wie sehr das Land leiden muß und noch leiden wird.
Und Japan ist schließlich nicht irgendein Entwicklungsstaat, den unverhofft eine Naturkatastrophe trifft. Und wie hilflos sie doch sind.
Traurig auch, dass die 10 tausenden von Opfern und Vermissten, die allein der Tsunami verursacht hat, völlig in den Hintergrund treten.
Und hier bringen heute-journal, tagesthemen und sonstige etablierte scheiß-Medien nur noch, wie hoch belastet der nach Deutschland importierte Fisch sein könnte!
Dabei ist das noch ein einziger, positiver Nebeneffekt, dass man den japanischen Hai- und Walpimmelfischern endlich mal den Absatzmarkt unfreiwillg entzieht.

Und der bekackten Merkel fällt nur wieder das alte Rezept ein, zu versuchen, einen allgemeinen Konsens zur Atompolitik zu finden. Da sie regiert, sollte sie auch
allein mit ihrer Koalition entscheiden. Zu versuchen, alle ins Boot zu bringen, um danach zu sagen, es ist kein Konsens zu finden, um dann zu entschließen,
dass es so weitergeht, wie bisher, ist viel zu durchsichtig und schon x-mal passiert. Merkel agiert nicht, sondern ist ein Reaktor :!:

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Re: Japan: Zitterpartie um Reaktor geht weiter

Beitrag von doelf » 31 Mär 2011, 07:54

Mit dem Unterschied, dass Merkel nie hochgeht und nur selten strahlt.

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Japan: Viele Baustellen und kaum Fortschritte am Kernkraftwe

Beitrag von doelf » 31 Mär 2011, 10:09

In den aktuellen Nachrichten rückt das schwer beschädigte Kernkraftwerk Fukushima I (Daiichi) immer weiter nach hinten, doch dies bedeutet keinesfalls, dass die von den dortigen Reaktoren ausgehende Gefahr gebannt wäre. Es bedeutet vielmehr, dass zu wenige Fortschritte gemacht werden, um darüber zu berichten.

Aktuelle Arbeiten und Aussichten
Nach wie vor sind die Reaktoren 1 bis 3 außer Kontrolle und niemand weiß genau, was sich in ihrem Inneren ereignet hat bzw. zur Stunde vor sich geht. Nachdem sich die japanische Regierung zwischenzeitlich dazu durchringen konnte, zumindest die Möglichkeit einer teilweisen Kernschmelze für den Reaktor 2 einzuräumen, herrscht nun wieder betroffenes Schweigen. Tepco (Tokyo Electric Power Company), der Betreiber von Fukushima I, hat es auch knapp drei Wochen nach dem Erdbeben noch nicht geschafft, die interne Kühlung der Reaktoren 1 bis 3 zu reparieren. Sobald diese Kühlung wiederhergestellt ist, wird es noch mehrere Jahre dauern, bis die beschädigten Brennelemente so weit abgekühlt sind, dass man sie in Castoren packen kann. Zuvor müssen allerdings die Reaktorhallen repariert werden, denn die gesamte Infrastruktur zum Transport der Brennstäbe ist völlig zerstört.

Zum jetzigen Zeitpunkt hat man keine Alternative, als die Reaktoren irgendwie zu kühlen. Zunächst hatten Feuerwehrpumpen und Meerwasser für eine provisorische Notkühlung gesorgt, doch da Experten Salzablagerungen und Korrosion befürchten, wechselte man in den vergangenen Tagen zu Frischwasser. Zudem tauschte Tepco die Feuerwehrpumpen zwischen Sonntag und Dienstag gegen elektrische Pumpen aus, welche von Dieselgeneratoren mit Strom versorgt werden. Neben den Reaktoren müssen aber auch die Abklingbecken, in denen zahlreiche Brennstäbe lagern, mit Wasser versorgt werden. Am Dienstag ersetzte der Betreiber die Feuerwehrpumpe, welche das Abklingbecken des Reaktors 2 speist, durch eine Elektropumpe, welche schon kurze Zeit später ausfiel. Der Zustand der Pumpe war so schlecht, dass wieder ein Feuerwehrwagen übernehmen sollte, doch dann musste die Kühlung abermals unterbrochen werden: Die Schläuche hatten Risse bekommen.

Seit Dienstag gibt es auch im Kontrollraum des Reaktors 4 wieder Licht. Dies hat leider nicht allzu viel zu bedeuten, denn auch in den Kontrollräumen der anderen Meiler gibt es seit Tagen wieder Licht (im Reaktorblock 3 seit dem 22. März), ohne dass es große Fortschritte bei der Reparatur der internen Systeme zu vermelden gäbe. Zunächst muss das radioaktiv belastete Wasser abgepumpt werden, welches in den Anlagen steht. Im Reaktor 1 hat man dieses Wasser in den Kondensator gepumpt, doch der ist nun voll. Dieses Problem besteht ebenfalls in den Reaktoren 2 und 3, hier war der Kondensator jedoch von Anfang an gefüllt. Nun soll das Wasser aus den Kondensatoren in Ausgleichsbehälter befördert werden, damit die Kondensatoren wieder neues Wasser aufnehmen können. Erst wenn das radioaktive Wasser entfernt wurde, kann die Reparatur der internen Systeme fortgesetzt werden.

Belastung und Evakuierungszone
Während an der Ruine Fukushima I fleißig improvisiert wird, gelangt auch weiterhin radioaktives Material in die Umgebung. Auf dem Festland und im Meer werden regelmäßig Proben genommen und analysiert, die mal mehr und mal weniger Strahlung aufweisen, doch immer liegen die Werte weit über den zulässigen Grenzwerten. Zuletzt hatte Greenpeace unabhängige Messungen vorgenommen, welche die zuvor von der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) und den japanischen Behörden veröffentlichten Daten weitgehend bestätigt haben. Man kann den Japanern also nicht vorwerfen, mit falschen Zahlen zu agieren, doch immer mehr Experten sind der Ansicht, dass aus den vorliegenden Ergebnissen die falschen Schlüsse gezogen werden. So fordern die USA, Greenpeace und auch die IAEA eine Ausweitung der Evakuierungszone.

Nach wie vor wurde lediglich ein Umkreis von 20 Kilometer rund um das Gelände von Fukushima I evakuiert und selbst in diese Zone waren in den vergangenen Tagen immer wieder Anwohner zurückgekehrt. Im erweiterten Umkreis zwischen 20 und 30 Kilometer stellen die Behörden den Bewohnern die Evakuierung frei und stehlen sich damit aus ihrer Verantwortung. Dass sich die radioaktiven Partikel nicht an irgendwelche Radien halten, zeigt sich am Beispiel des Dorfes Iitate. Iitate liegt 39 Kilometer nordwestlich von Fukushima I und somit außerhalb beider Zonen. Dennoch ist die Belastung dort so hoch, dass die IAEA die sofortige Evakuierung empfohlen hat.

Quelle:
http://www.iaea.org/press/

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Japan: Neue Zwischenfälle und noch mehr Verwirrung

Beitrag von doelf » 01 Apr 2011, 16:16

Es gibt wieder Neuigkeiten von den Atomkraftwerken des japanischen Betreibers Tepco - allerdings keine guten. Ein Mann ist mit seinem Auto auf des Gelände von Fukushima II (Daini) gelang, dort schmorte zudem ein Stromverteiler durch und Messdaten zur Belastung des Grundwasser wurden erst veröffentlicht, dann zurückgezogen und schließlich bestätigt.

Tepco hatte gestern die Radioaktivität im Grundwasser unter dem schwer beschädigten Kernkraftwerk Fukushima I (Daiichi) gemessen und einen Wert gemeldet, der um den Faktor 10.000 erhöht war. Daraufhin sprachen die japanischen Behörden von einem Messfehler und Tepco zog seine Ergebnisse zurück. Heute hat das Unternehmen seine erste Messung dann wieder als korrekt bestätigt. Die radioaktive Belastung rührt in erster Linie von Jod131 her, welches sich bereits nach wenigen Tagen abbaut. Daher sieht Tepco auch keine Gefahr für das Trinkwasser. Allerdings stellt sich die Frage, wie der Betreiber sicherstellen will, dass in Zukunft keine radioaktiven Isotope mehr ins Grundwasser gelangen werden.

Weiterhin gab es zwei Zwischenfälle am ca. zwölf Kilometer entfernten Atomkraftwerk Fukushima II (Daini), dessen Zustand wenige Tage nach dem Erdbeben gesichert werden konnte. Zunächst gab es eine Rauchentwicklung an einem Stromverteiler im Turbinengebäude des Reaktors 1, glücklicherweise kam es aber zu keinem Feuer. Dann durchbrach ein Mann mit seinem Auto die Absperrung und fuhr zwölf Minuten lang über das Gelände, bevor er sich wieder entfernte. Die Polizei hat den 25-Jährigen, der zuvor schon versucht hatte, auf das Betriebsgelände von Fukushima I (Daiichi) zu gelangen, verhaftet. Bisher sind die Beweggründe des Mannes noch völlig unklar.

In den Reaktoren 1 bis 3 des Kernkraftwerks Fukushima I (Daiichi) versuchen die Arbeiter derweil, die Kondensatoren zu leeren. Hierzu wird das darin befindliche Wasser in die Ausgleichsbehälter überführt. Sobald diese Arbeiten abgeschlossen sind, will man das radioaktive Wasser, welches sich in den Kellern der Turbinenhallen angesammelt hat, in die Kondensatoren pumpen. Erst danach können die Reparaturen fortgesetzt werden. Weiterhin meldet Tepco, dass ein Lastkahn der U.S.-Marine heute neues Frischwasser zum Auffüllen der Tanks gebracht hat.

Quelle:
http://www.tepco.co.jp/en/

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Japan: Leck entdeckt und noch ein Unfall

Beitrag von doelf » 02 Apr 2011, 18:03

Tepco (Tokyo Electric Power Company), der Betreiber des schwer beschädigten Kernkraftwerks Fukushima I (Daiichi), hat stark radioaktiv belastetes Wasser in einem weiteren Schacht entdeckt. Dieser Schacht hat einen Riss, durch den das Wasser heraus fließt. Beim Entladen eines Lastkahns kam es gestern zu einem Unfall, bei dem ein Arbeiter ins Meer stürzte.

Bereits in den vergangenen Tagen hatte man stark radioaktiv belastetes Wasser in den Turbinenhallen der Reaktoren 1 bis 3 sowie in daran angrenzenden, vertikalen Schächten entdeckt. Im Falle des zweiten Reaktorgebäudes wurden an der Oberfläche des Wassers mehr als 1.000 Millisievert pro Stunde gemessen. Der neue Fund betrifft einen Betonschacht, in dem Kabel gelagert werden. Er befindet sich in der Nähe des Ansaugkanals für Reaktor 2 und weist einen zwanzig Zentimeter langen Riss auf, aus dem Wasser heraus fließt. Auch dieses Wasser ist mit 1.000 Millisievert pro Stunde hoch radioaktiv. Tepco will den Riss nun mit Beton verschließen. Damit ist allerdings noch nicht die Frage geklärt, wie das Wasser überhaupt erst in die Schächte kommen konnte.

Gestern hatte ein Lastkahn der U.S.-Marine Frischwasser zum Kühlen der Reaktoren geliefert und heute folgte ein zweiter. Das Entladen des ersten Kahns musste abgebrochen werden, weil der Schlauch beschädigt war. Als ein Arbeiter das Problem beheben wollte, fiel er ins Meer und musste gerettet werden. Laut Tepco wurde der Mann weder verletzt noch kontaminiert. Das Entladen konnte später fortgesetzt und abgeschlossen werden. Bisher wurden 21 Arbeiter einer Dosis von mehr als 100 Millisievert ausgesetzt. Nach Angaben des Betreibers wurde die speziell für diese Katastrophe heraufgesetzte Höchstgrenze von 250 Millisievert noch von keinem der Arbeiter überschritten.

Quelle:
http://www.nisa.meti.go.jp/english/index.html

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Japan: Leck noch nicht geschlossen

Beitrag von doelf » 04 Apr 2011, 09:56

Seit mehr als drei Wochen befindet sich Japans Hauptinsel im Ausnahmezustand. Nicht nur die schweren Schäden durch das Erdbeben und den Tsunami müssen beseitigt werden, auch der Kampf gegen den Super-GAU im schwer beschädigten Kernkraftwerks Fukushima I (Daiichi) ist noch längst nicht gewonnen. Und über die Notwendigkeit von Stromabschaltungen wird von Tag zu Tag neu entschieden.

Von der Normalität ist Japan noch weit entfernt. Zumindest für die Familien zweier Techniker, welche seit dem Erdbeben auf dem Gelände des Kraftwerks Fukushima I vermisst wurden, herrscht nun Gewissheit: Die beiden Männer wurden tot im Untergeschoss der Turbinenhalle des vierten Reaktors gefunden. Nach Angaben der Betreiberfirma Tepco (Tokyo Electric Power Company) wurden sie unmittelbar durch das Erdbeben getötet und starben nicht aufgrund einer zu hohen Strahlendosis.

Am Wochenende hatte Tepco von einem ca. 20 cm großen Leck berichtet, durch das stark radioaktiv belastetes Wasser ins Meer fließt. Dieses Leck ist eigentlich ein Riss, welcher vermutlich durch das Erdbeben entstanden ist. Er befindet sich in einem Betonschacht in der Nähe des Ansaugkanals für Reaktor 2, welcher Kabel enthält und normalerweise trocken sein sollte. An der Oberfläche des Wassers wurden mehr als 1.000 Millisievert pro Stunde gemessen, diesen sehr hohen Wert hatte auch das Wasser aufgewiesen, welches man zuvor in der Turbinenhalle des Reaktors 2 gefunden hatte. Drei Versuche den Riss mit Beton bzw. Kunstharz zu schließen, sind am Wochenende gescheitert. Tepco hat nun Kameras montiert, welche den Wasserstand überwachen. Zudem wurden Farbstoffe in das Wasser geleitet, um dessen Quelle ermitteln zu können.

In die beschädigten Reaktoren 1 bis 3 wird weiterhin Frischwasser gepumpt, welches mit Lastkähnen der U.S.-Marine zum Kernkraftwerk transportiert wird. Die Pumpen, welche hierbei verwendet werden, wurden gestern an das externe Stromnetz angeschlossen und sind nun nicht mehr auf Dieselgeneratoren angewiesen. Seit gestern gibt es nun auch Licht in Teilen der vier Turbinenhallen, zuvor hatte man lediglich die Beleuchtung in den Kontrollräumen reaktivieren können. Das radioaktiv belastete Wasser, welches sich in den Untergeschossen der Turbinenhallen gesammelt hat, soll in die Kondensatoren gepumpt werden. Diese Arbeit bzw. deren Vorbereitung ist nach wie vor im Gange, da das bereits in den Kondensatoren befindliche Wasser zunächst in Ausgleichsbehälter befördert werden muss. Erst wenn das radioaktive Wasser aus den Turbinenhallen entfernt wurde, kann die Reparatur der internen Systeme fortgesetzt werden.

Wie die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) mitteilt, sind die Konzentrationen von radioaktivem Jod131 im Trinkwasser weiter zurückgegangen und liegen nun wieder unter den gesetzliche Vorgaben für Kleinkinder und Erwachsene. In einem Umkreis zwischen 32 und 62 km um das Kernkraftwerk haben Experten der IAEA Strahlendosen zwischen 0,6 und 4,5 Microsievert pro Stunde gemessen, die Beta-Gamma-Belastung des Bodens belief sich auf 0,09 bis 0,46 Megabecquerel pro Quadradmeter. Weiterhin sind Jod131 und Cäsium137 die vorherrschenden Isotope.

Quelle:
http://www.iaea.org/press/

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