Japan: Zitterpartie um Reaktor geht weiter

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doelf
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Japan: Leck geschlossen, Maßnahmen gegen Explosionen

Beitrag von doelf » 06 Apr 2011, 13:26

Das Leck, durch das stark radioaktiv belastetes Wasser aus dem schwer beschädigten Kernkraftwerk Fukushima I (Daiichi) in Meer gelangte, ist offenbar geschlossen. Zugleich pumpt die Betreiberfirma Tepco (Tokyo Electric Power Company) schwach belastetes Wasser in den Ozean. Stickstoff soll weitere Explosionen verhindern.

Am Wochenende hatte Tepco von einem ca. 20 cm großen Leck berichtet, durch das stark radioaktiv belastetes Wasser ins Meer fließt. Dieses Leck ist eigentlich ein Riss, welcher vermutlich durch das Erdbeben entstanden war. Er befindet sich in einem Betonschacht in der Nähe des Ansaugkanals für Reaktor 2. An der Oberfläche des Wassers wurden mehr als 1.000 Millisievert pro Stunde gemessen, diesen sehr hohen Wert hatte auch das Wasser aufgewiesen, welches man zuvor in der Turbinenhalle des Reaktors 2 gefunden hatte. Mehrere Versuche den Riss mit Beton und anderen Werkstoffen zu schließen, waren am Wochenende gescheitert. Gestern brachten dann Flockungsmittel (Koagulant) den gewünschten Erfolg und verschlossen das Leck. Bereits zuvor hatte Tepco Kameras montiert, welche den Wasserstand überwachen.

Während das Auslaufen von hochgradig radioaktivem Wasser erfolgreich unterbunden wurde, wird seit Montag leicht radioaktives Wasser bewusst ins Meer geleitet. Es handelt sich um 11.500 Tonnen Wasser, welche aus den Schächten um die Reaktoren 5 und 6 sowie aus dem Gebäudekomplex, welcher zur Lagerung und Verarbeitung der radioaktiven Abfälle dient, stammen. Tepco will hierdurch Stauraum für das stark belastete Wasser gewinnen, welches in den Turbinenhallen steht und dort die dringend notwendigen Reparaturen verhindert.

Da sich vermutlich Wasserstoff unter der Schutzhülle von Reaktor 1 angesammelt hat, denkt Tepco über die Zufuhr von Stickstoff nach. Hierdurch sollen weitere Explosionen verhindert werden. Die schweren Schäden an den Reaktorgebäuden 1 bis 4 hatten nämlich Wasserstoffexplosionen verursacht. Wenn die Brennelemente aufgrund fehlender Kühlung überhitzen, reagieren die zumeist aus Zirkonium bestehenden Brennstabhüllen mit dem extrem heißen Wasserdampf und es bildet sich Wasserstoff. Kommt dieser mit dem Sauerstoff der Außenluft in Berührung, kann es zu einer heftigen Knallgasexplosion kommen.

Quelle:
http://www.tepco.co.jp/en/

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Japan: Neues Beben sorgt für Probleme in weiteren Atomanlage

Beitrag von doelf » 08 Apr 2011, 12:34

Ein weiteres Erdbeben der Magnitude 7,1 hat Japan erschüttert. Das Epizentrum des Bebens lag zwar 120 km vom schwer beschädigten Kernkraftwerk Fukushima I (Daiichi) entfernt, doch der Abstand zum Atomkraftwerk Onagawa belief sich auf lediglich 20 km. Während sich die Situation in Fukushima nicht weiter verschlechtert hat, melden nun andere Anlagen Probleme.

In Fukushima I (Daiichi) konnte die provisorische Kühlung der Reaktoren 1 bis 3 ohne Unterbrechung fortgesetzt werden und externer Strom ist weiterhin verfügbar. Der vierte Reaktor des Kraftwerks ist entladen, Nummer 5 und 6 sind kalt heruntergefahren. Gleiches gilt für das benachbarte Kraftwerk Fukushima II (Daini) sowie für das Atomkraftwerk Tokai Daini, deren Reaktoren ebenfalls gesichert sind und mit externem Strom versorgt werden. Im Kraftwerk Kashiwazaki Kariwa sind vier Reaktoren im Betrieb und drei weitere abgeschaltet, das neuerliche Erdbeben hat hier keine Schäden verursacht. Ebenfalls aktiv sind die beiden Meiler im Atomkraftwerk Tomari, auch hier gibt es offenbar keine Probleme, sicherheitshalber hat man die Leistung jedoch auf 90 Prozent der möglichen Kapazität reduziert.

Anders sieht es beim Kernkraftwerk Onagawa aus, dessen Reaktoren seit dem großen Beben vom 11. März 2011 kalt heruntergefahren sind. Zwei der drei Leitungen zur externen Stromversorgung sind hier zusammengebrochen, nur die dritte funktioniert noch einwandfrei. Auch die Kühlung der Abklingbecken war kurzzeitig ausgefallen, konnte aber bereits wiederhergestellt werden. Wie der Betreiber Tohoku Electric Power mitteilt, ist Wasser aus den Abklingbecken geschwappt. In diesen Becken lagern benutze Brennstäbe, die Becken sind hoch gefüllt und nach oben offen. Nur wenige Liter des leicht radioaktiv belasteten Wassers seien während der Erdstöße über die Beckenränder gelaufen. Nationale und internationale Medien hatten zuvor von mehreren Lecks in den Becken berichtet, dies scheint aber falsch zu sein.

Die Meiler in Higashidori waren bereits heruntergefahren und entladen, als das Erdbeben kam und die externe Stromversorgung lahmlegte. Die Notstromversorgung ist angelaufen und die Kühlung des Abklingbeckens funktioniert normal. Auch die Wiederaufbereitungsanlage Rokkasho hat die externe Stromversorgung verloren und musste auf Notstrom umgeschaltet werden. Wann die externe Stromversorgung dieser beiden Anlagen wieder verfügbar sein wird, ist zur Stunde noch nicht bekannt.

Quelle:
http://www.iaea.org/press/

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The Grinch
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Re: Japan: Zitterpartie um Reaktor geht weiter

Beitrag von The Grinch » 08 Apr 2011, 13:13

Die Nachrichtenspanne geht von 7,4 bis 7,0 ... :roll:

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doelf
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Re: Japan: Zitterpartie um Reaktor geht weiter

Beitrag von doelf » 08 Apr 2011, 15:05

Letzte Nacht hatten sie zunächst 7,4 gemeldet, das wurde dann später auf 7,1 korrigiert. Ist nicht unüblich, denn die Seismografen in unmittelbarer Nähe messen nicht so genau. Man muss immer mehrere Messwerte abgleichen, um eine valide Einschätzung zu bekommen.

Gruß

Michael

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Japan: Toshiba veranschlagt 10 Jahre für die Demontage

Beitrag von doelf » 10 Apr 2011, 20:18

Während sich die Nachrichten anderen Themen zuwenden, sind die Reaktorruinen des schwer beschädigten Kernkraftwerks Fukushima I (Daiichi) noch immer nicht gesichert. Doch zumindest geben Japans übrige Atomanlagen Entwarnung: Sie haben das neuerliche Erdbeben vom 7. April glimpflich überstanden.

Nachdem die Betreiberfirma Tepco (Tokyo Electric Power Company) 11.500 Tonnen schwach belastetes Wasser in den Ozean geleitet hatte, sind die Arbeiter vor Ort nun weiterhin bemüht, das hoch radioaktive Wasser aus den Turbinengebäuden und den daran angrenzenden Schächten zu entfernen. Ein Arbeiter, welcher heute einen Schlauch im Reaktor 2 verlegte, beklagte Übelkeit und wurde vorsorglich ins Krankenhaus gebracht. Erst wenn das Wasser weg ist, kann man mit den Reparaturen an den Reaktorsystemen fortfahren und - möglicherweise - die internen Kühlsysteme wieder in Gang bringen. Und erst wenn die dauerhafte Kühlung der beschädigten Brennelemente sichergestellt ist, kann man für Fukushima I Entwarnung geben und mit den Aufräumarbeiten beginnen. Toshiba, der Hersteller der Reaktoren, geht davon aus, diese binnen zehn Jahren demontieren zu können.

Da sich vermutlich Wasserstoff unter der Schutzhülle von Reaktor 1 angesammelt hat, hat Tepco nun Stickstoff zugeführt. Hierdurch sollen Knallgasexplosionen verhindert werden, welche die schweren Schäden an den Reaktorgebäuden 1 bis 4 verursacht hatten. Durch die Zugabe des Gases ist der Druck im Reaktor 1 weiter angestiegen, dies hatte man jedoch erwartet. In die Reaktoren 1 bis 3 wird weiterhin Frischwasser gepumpt, mit Hilfe einer Betonpumpe gießt man zudem Wasser in die Abklingbecken der Reaktorgebäude. Ein unbemannter Helikopter wurde heute gestartet, um Aufnahmen der schwer beschädigten Reaktorgebäude 1 und 4 zu machen. Noch immer tappen die Experten in vielerlei Hinsicht im Dunkeln und wissen nicht genau, wie der Zustand der Reaktoren und der Abklingbecken tatsächlich ist.

Die Störungen, welche das Beben vom 7. April 2011 verursacht hatte, ließen sich zum Glück schnell beheben. Am Kernkraftwerk in Higashidori, dessen Reaktoren zum Zeitpunkt des Bebens bereits heruntergefahren und entladen waren, konnte die externe Stromversorgung ebenso schnell wiederhergestellt werden wie bei der Wiederaufbereitungsanlage Rokkasho. Auch das Kernkraftwerk Onagawa, bei dem die externe Stromversorgung nur teilweise ausgefallen war, konnte Entwarnung geben. Zum einen funktionieren nun wieder alle Zuleitungen, zum anderen gibt es keine Lecks in den Abklingbecken. Während der Erdstöße waren wenige Liter von leicht radioaktiv belastetem Wasser aus den Becken geschwappt und wurden später beseitigt. Nationale und internationale Medien hatten zunächst von mehreren Lecks in den Becken berichtet, doch diese Hiobsbotschaft hat sich zum Glück nicht bewahrheitet.

Quelle:
http://www.iaea.org/press/

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Japan: Erneutes Erdbeben lässt Kühlung ausfallen

Beitrag von doelf » 11 Apr 2011, 13:00

Ein erneutes Erdbeben der Stärke 7,1 hat die Umgebung des schwer beschädigten Kernkraftwerks Fukushima I (Daiichi) erschüttert. Das Epizentrum des Bebens lag 68 Kilometer von Fukushima I (Daiichi) sowie 60 Kilometer von Fukushima II (Daini) entfernt in einer Tiefe von 13,1 Kilometer. Der Abstand zum Kernkraftwerk Tokai belief sich auf 61 Kilometer.

Wie die Betreiberfirma Tepco (Tokyo Electric Power Company) berichtet, brach die externe Stromversorgung von Fukushima I (Daiichi) zusammen und die Pumpen, welche die Reaktoren 1, 2 und 3 notdürftig kühlen, fielen aus. Für rund 50 Minuten blieben die Reaktoren ungekühlt, dann konnte die externe Stromversorgung wiederhergestellt werden. Die Kühlung mit Frischwasser wird nun fortgesetzt, während und nach dem neuerlichen Beben wurde keine weitere Erhöhung der Strahlung gemessen. Dennoch zeigt dieser erneute Zwischenfall, wie fragil und gefährlich die Lage in dem Kernkraftwerk auch weiterhin ist.

Die Atomkraftwerke Fukushima I (Daiichi) und Tokai, welche noch ein wenig näher am Epizentrum lagen, haben das Erdbeben nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) ohne Schäden oder Zwischenfälle überstanden.

Quelle:
http://www.iaea.org/press/

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Japan: Atomunfall hochgestuft, wieder Feuer in Fukushima I

Beitrag von doelf » 12 Apr 2011, 10:21

Die japanische Sicherheitsbehörde NISA hat die Lage im schwer beschädigten Kernkraftwerk Fukushima I (Daiichi) neu bewertet und nun auf eine Stufe mit dem Super-GAU von Tschernobyl (1986) gestellt. Auf der internationalen Bewertungsskala für nukleare Ereignisse (INES) entspricht dies der Stufe 7, also einem "katastrophalen Unfall".

Sieben ist dabei die höchstmögliche Einstufung. Es handelt sich um einen Unfall, bei dem große Mengen radioaktiven Materials nach außen gelangen und weitreichende Folgen für die Gesundheit der Menschen und die Umwelt entstehen. Im Vergleich zu Tschernobyl ist in Fukushima I bisher etwa ein Zehntel der Menge an radioaktivem Material in die Atmosphäre gelangt. Die NISA hat die Zwischenfälle in den Reaktorblöcken 1, 2 und 3 für ihre neuerliche Bewertung zusammengefasst, bisher hatte man diese Ereignisse einzeln betrachtet und als "ernste Unfälle" (Stufe 5) betrachtet. Im Fall des entladenen Reaktorblocks 4, bei dem das Abklingbecken das Problem darstellt, spricht man weiterhin von einem "ernsten Störfall" (Stufe 3). Da die Lage auch weiterhin nicht unter Kontrolle ist und die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) die Einschätzung der Japaner noch absegnen muss, handelt es sich um eine vorläufige Einstufung.

Wie die Betreiberfirma Tepco (Tokyo Electric Power Company) berichtet, hatte es am heutigen Morgen ein weiteres Feuer auf dem Gelände von Fukushima I (Daiichi) gegeben. Ein Verteilerkasten, in dem sich Batterien befanden, war in Brand geraten und musste von der Feuerwehr gelöscht werden. Der Kasten steht nahe des Wasserauslasses der Reaktoren 1 bis 4. Nach Angaben von Tepco hatte das Feuer keinen Einfluss auf die Kühlung der Reaktoren, zudem habe man keinen weiteren Anstieg der Radioaktivität gemessen.

Quelle:
http://www.nisa.meti.go.jp/english/

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Japan: Fukushima I in 6 bis 9 Monaten unter Kontrolle?

Beitrag von doelf » 21 Apr 2011, 14:27

In der vergangenen Woche hatten wir die Situation im schwer beschädigten Kernkraftwerk Fukushima I (Daiichi) nicht weiter verfolgt, denn viel Neues gab es nicht zu vermelden. Die Situation ist nach wie vor kritisch und die beschädigten Reaktoren sind noch lange nicht unter Kontrolle. Zudem gelangt auch weiterhin Radioaktivität aus der Anlage in die Umgebung.

Die Betreiberfirma Tepco (Tokyo Electric Power Company) hatte am Wochenende einen 63-Punkte-Plan vorgelegt, in dem sie beschreibt, wie das Atomkraftwerk gesichert werden soll. Die Umsetzung des Plans soll sechs bis neun Monate dauern, das Thema Fukushima wird uns also noch für lange Zeit erhalten bleiben. Dies gilt umso mehr für die Anwohner, die vermutlich nie wieder in ihre Häuser zurückkehren dürfen. Die japanische Regierung will die 20 Kilometer große Evakuierungszone, in die immer wieder Anwohner zurückgekehrt waren, nun konsequent und dauerhaft absperren.

Am Wochenende schickte Tepco einen ferngesteuerten Roboter in die Reaktorgebäude 1 bis 3, um die dortige Situation zu untersuchen und die Strahlung zu messen. Da verseuchtes Wasser die Arbeiten nach wie vor behindert, wird seit Dienstag hochgradig radioaktives Wasser in die Anlage zur Verarbeitung des radioaktiven Abfalls gepumpt. Zugleich hat der Betreiber mehrere Maßnahmen ergriffen, um den Ausfluss des stark belasteten Wassers in die Umgebung zu verhindern. Gestern besprühte Tepco eine Fläche von 1.900 Quadratmetern mit Bindemitteln, womit man das Verwehen von radioaktivem Staub unterbinden will. Zeitgleich haben die Arbeiter Schutt und Trümmer mit Hilfe ferngesteuerter Maschinen entfernt. Heute wurde wieder ein ferngesteuerter Helikopter eingesetzt, um die Reaktorgebäude 1 bis 4 zu untersuchen.

Obwohl die japanische Regierung davon ausgeht, dass die Gefahr eines Super-GAUs gebannt ist, erweist sich die provisorische Kühlung der Reaktoren als sehr fehleranfällig. Immer wieder müssen Schläuche getauscht und Pumpen gewartet werden. Zudem bedrohen starke Nachbeben die Stromversorgung der Anlange - erst vor zehn Tagen war die Kühlung der Reaktoren für eine knappe Stunde ausgefallen.

Quelle:
http://www.nisa.meti.go.jp/english/

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Japan: Arbeiter dringen in das Reaktorgebäude 1 vor

Beitrag von doelf » 05 Mai 2011, 09:03

In Japan haben Arbeiter heute erstmals seit der Erbeben und Tsunami-Katastrophe vom 11. März 2011 das Reaktorgebäude 1 des Atomkraftwerks Fukushima I (Daiichi) betreten. Sie sollen dort Kabel verlegen, um ein Luftfiltersystem zu installieren, mit dem sich die radioaktiven Substanzen aus der Luft filtern lassen.

Dass an der japanischen Küste ein Kernkraftwerk steht, bei dem vier Reaktorblöcke seit nunmehr knapp zwei Monaten außer Kontrolle sind, gerät langsam in Vergessenheit. Ein Grund hierfür ist sicherlich, dass es in den vergangenen beiden Wochen kaum Neues zu berichten gab. Die angestrebte Reparatur der Kühlsysteme ist in weite Ferne gerückt, da Strahlung, Trümmer und verseuchtes Wasser die Arbeiten massiv behindern. Zudem belasten die schlechten Arbeits- und Lebensbedingungen auf dem Gelände die Arbeiter.

Heute vermeldet die Betreiberfirma Tepco (Tokyo Electric Power Company) zumindest einen kleinen Fortschritt: Erstmals seit der Katastrophe haben sich Arbeiter in das Reaktorgebäude 1 vorgewagt, um Luftfilter zu installieren. Diese sollen radioaktive Partikel einfangen und die Strahlung in der Anlage soweit reduzieren, dass mit der Instandsetzung der Kühlsysteme des Reaktors und des Abklingbeckens begonnen werden kann. Gestern hatte man zunächst Roboter in das Gebäude geschickt, um die Stahlenbelastung zu messen. Diese ist nach wie vor sehr hoch, so dass sich die Arbeiter lediglich zehn Minuten lang darin aufhalten dürfen. Sobald Reaktor Nummer 1 gesichert ist, warten noch die Reaktoren 2 und 3 sowie das Abklingbecken des Reaktors 4. Insbesondere Reaktor 2 dürfte hierbei noch ein großes Problem darstellen, da man dort eine Beschädigung der Druckhülle vermutet.

Um die Motivation und Leistungsfähigkeit seiner Arbeiter zu erhöhen, will Tepco nun die Lebensbedingungen auf dem Kraftwerksgelände verbessern. Aufgrund der hohen Strahlung beschränkten sich die drei täglichen Mahlzeiten bisher auf Konserven, die in der Sporthalle eingenommen werden. Dies soll sich in den nächsten Tagen ändern und die Kantine des benachbarten Kraftwerks Fukushima II (Daini) täglich zwei Mahlzeiten nach Fukushima I (Daiichi) liefern. Weiterhin soll die Sporthalle mit doppelstöckigen Betten ausgestattet und Möglichkeiten zum Duschen eingerichtet werden. Ende Juni will man zudem vorgefertigte Schlafstätten auf dem Gelände installieren. Vor zwei Wochen hatte Tepco einen 63-Punkte-Plan vorgestellt, mit dem die Anlage innerhalb der kommenden sechs bis neun Monate gesichert werden soll.

Quelle:
http://www.tepco.co.jp/en/

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Japan: Fukushima I (Daiichi), das dreifach Tschernobyl

Beitrag von doelf » 24 Mai 2011, 15:28

Im Kernkraftwerk von Tschernobyl hatte sich 1986 "lediglich" in einem Reaktor eine Kernschmelze ereignet, doch im japanischen Katastrophenkraftwerk Fukushima I (Daiichi) ist es gleich in drei Reaktoren zum GAU gekommen. Dies musste der Betreiber Tepco (Tokyo Electric Power Company) heute nach Wochen der Informationsbröckchen eingestehen.

Seit dem schweren Erdbeben vom 11. März 2011 versucht Tepco quasi im Blindflug das Schlimmste zu verhindern. Das Erdbeben und der nachfolgende Tsunami hatten die Kühlung der Reaktoren lahmgelegt. Aufgrund der Notabschaltung des Kraftwerks gab es keinen Strom und die Flutwelle hatte die Dieselgeneratoren unbrauchbar gemacht. Die Brennstäbe der Siedewasserreaktoren überhitzten und der Wasserstand sank, bis die Brennstäbe selbst frei standen und zu schmelzen begannen. Wegen des hohen Drucks musste man Gas ablassen, doch die aus Zirkonium bestehenden Brennstabhüllen hatten bereits mit dem extrem heißen Wasserdampf reagiert, so dass sich im Druckbehälter Wasserstoff gesammelt hatte. Als dieser mit dem Sauerstoff der Luft in Berührung kam, zerstörten Knallgasexplosionen die Reaktorhallen. Hitze, Druck und Explosionen hatten einen Großteil der Kontrollinstrumente unbrauchbar gemacht und in den Gebäuden türmten sich die Trümmer. Da die interne Kühlung nicht wiederhergestellt werden konnte, pumpte Tepco Meerwasser und Borsäure in die Anlagen. Ab diesem Zeitpunkt stand bereits fest, dass in Fukushima I nichts mehr zu retten war. Es blieb nur noch das Ziel, die Katastrophe so weit wie möglich einzudämmen.

Aufgrund der hohen Radioaktivität und der schweren Schäden war es wochenlang nicht möglich, einen genauen Einblick zu bekommen. Die ersten Luftaufnahmen zeigten lediglich den Zerstörungsgrad der Halle, erst mit Hilfe von ferngesteuerten Robotern konnte man sich auch ein Bild vom Inneren der Gebäude machen. Am 5. Mai 2011 drangen Arbeiter dann erstmals in das Reaktorgebäude 1 vor, durften aufgrund der hohen Strahlung aber nur zehn Minuten in der Anlage verweilen. Entsprechend schleppend gehen die Sicherungsarbeiten - von Reparaturen sollte man in diesem Zusammenhang nicht mehr reden - voran.

Tepco hielt eine Kernschmelze zunächst für unwahrscheinlich und sprach später nur von einer teilweisen Kernschmelze. Diese Angaben basierten ausnahmslos auf Vermutungen, denn wie es im Inneren der Reaktoren aussah, wusste zu diesem Zeitpunkt niemand. Wie Tepcos Sprecher Aya Omura heute in Japan bestätigte, muss man davon ausgehen, dass die Brennstäbe der Reaktoren 1, 2 und 3 vollständig oder zumindest größtenteils geschmolzen sind und sich diese Masse am Boden der Druckbehälter gesammelt hat. Die Kernschmelze habe vermutlich bereits 60 bis 100 Stunden nach dem Beben stattgefunden. Der Sprecher betonte jedoch, dass diese Masse gekühlt werde und somit stabil sei. Angesichts der Feuerwehrschläuche, die noch immer für die Kühlung der Reaktoren 2 und 3 genutzt werden, und der Betonpumpen, welche nach wie vor Wasser in die Abklingbecken befördern, kann wohl kaum von einer stabilen Situation gesprochen werden. Im aktuellen Zustand ist die Kraftwerksruine Fukushima I ein unkalkulierbares Risiko - insbesondere in Hinblick auf zukünftige Naturkatastrophen.

Quelle:
http://www.tepco.co.jp/

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