Verbraucherschützer weisen Apple in die Schranken

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doelf
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Verbraucherschützer weisen Apple in die Schranken

Beitrag von doelf » 08 Mai 2013, 09:03

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hatte bei Apple 15 Vertragsklauseln moniert, die nach Ansicht der Verbraucherschützer nicht mit dem deutschen Datenschutzrecht vereinbar sind. Für sieben Klauseln gab Apple strafbewehrte Unterlassungserklärungen ab, die restlichen acht kassierte jetzt das Landgericht Berlin.

Wie der vzbv berichtet, wurde das noch nicht rechtskräftige Urteil bereits am 30. April 2013 gefällt. Nach Ansicht des Gerichts "benachteiligten die Regelungen Verbraucher unangemessen, da sie wesentliche Grundgedanken des deutschen Datenschutzrechts verletzten". Beanstandet wurden beispielsweise "globale Einwilligungen", mit denen der Kunde die Nutzung seiner Daten pauschal erlaubt, ohne dass ein konkreter Verwendungszweck benannt wird. Apple hatte sich zudem vorbehalten, die Adressbücher seiner Kunden zu verwenden. Dort sind die Namen, Anschriften, E-Mail-Adressen und Telefonnummern von Dritten gespeichert, deren Einverständnis zur Datenerhebung nie vorlag und die möglicherweise nicht einmal Kunden der Firma sind. Darüber hinaus hatte Apple für sich und "verbundene Unternehmen" das Recht eingeräumt, die erfassten Daten mit weiteren Informationsquellen zusammenzuführen. Weiterhin sollten "strategische Partner" Kundendaten für Werbezwecke nutzen dürfen und der Verwendung ihrer Standortdaten mussten die Kunden ebenfalls zustimmen. All diese Klauseln waren nach Meinung des Gerichts zu allgemeingültig formuliert und daher unwirksam.

Dieser Fall zeigt exemplarisch, wie weitreichend und komplex das Thema Datenschutz ist. Unzählige Smartphone-Nutzer wollen ortsbezogene Dienste nutzen, seien es Informationen über Gastronomiebetriebe oder Kinos in der näheren Umgebung oder der Weg zur nächsten Bushaltestelle. Um dies zu ermöglichen, müssen unsere Standortdaten verarbeitet werden. Wird deren Weitergabe an eine konkrete Anfrage gekoppelt, ist dies vielen Benutzer zu lästig. Werden unsere Bewegungen jedoch dauerhaft erfasst, wissen Apple und seine Partner wo wir einkaufen und essen, wann wir ins Krankenhaus müssen und wo wir schlafen. Zudem bleibt intransparent, wer diese Bewegungsprofile mit einer konkreten Person in Verbindung bringen kann. In diesem Zusammenhang spielt auch die Zusammenführung unterschiedlicher Informationsquellen eine wichtige Rolle. Wenn Firmen wie Apple, Google oder Microsoft erfassen, was wir lesen, welche Webseiten wir abrufen, wo wir einkaufen und wie wir unsere Freizeit verbringen, ermöglicht dies sehr gezielte Werbung, zugleich aber auch eine unkompliziertere Nutzung mobiler Geräte. Fragen wir unser Smartphone beispielsweise nach dem Spielergebnis der Borussia, entscheidet unser gläsernes Abbild darüber, ob wir über Dortmund, Mönchengladbach oder Freialdenhoven informiert werden.

Datenschutz ist wichtig und die technischen Möglichkeiten des Internets sind unbegrenzt. Daher liegt es in der Verantwortung der einzelnen Benutzer, wo sie ihre persönlichen Grenzen ziehen. Allerdings müssen uns Firmen wie Apple auch die entsprechenden Möglichkeiten einräumen.

Quelle:
http://www.vzbv.de/11558.htm

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