Apples OS-Offensive: watchOS 2, iOS 9, Mac OS X 10.11

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Apples OS-Offensive: watchOS 2, iOS 9, Mac OS X 10.11

Beitrag von doelf » 09 Jun 2015, 10:52

Auf seiner Entwicklerkonferenz WWDC (Worldwide Developers Conference) hatte Apple am gestrigen Abend in San Francisco diverse Neuerungen rund um watchOS, iOS und Mac OS X angekündigt. Das wohl Interessanteste an den ganzen Neuheiten war, dass es sie schon längst von anderen Anbietern gibt. Statt neue Akzente zu setzen, adaptiert Apple lieber bewährte Konzepte.

Sicher, Apple war nie ein echter Vorreiter. Stattdessen wurden in Cupertino die Ideen anderer derart modifiziert, dass sie zu Kassenschlagern taugten. Dies beginnt bei der Computermaus und spannt über den MP3-Player sowie das Smartphone bis hin zum Tablet und der Smartwatch. Keines dieser Produkte wurde von Apple erfunden, doch dank eines attraktiven und wertigen Produktdesigns konnte der Hersteller Nischenprodukte immer wieder in Bestseller verwandeln. Beim Blick auf seine Software wirkte Apple aber selten so ideenlos wie gestern.

watchOS 2
Ob Apple auch die Smartwatch aus ihrem Nischendasein befreien kann, bleibt weiterhin offen, denn trotz langer Lieferzeiten legte der Hersteller bisher noch keine Verkaufszahlen auf den Tisch. Dafür wurde auf der WWDC die zweite Version von Apples watchOS angekündigt. Dieses ermöglicht erstmals das Ausführen nativer Apps und somit den Zugriff auf die digitale Krone, die Sensoren und den Speicher der Uhr. Bisher mussten die App-Entwickler den Umweg über das iPhone gehen, was die Anwendungen massiv ausbremste und ohne Telefon nutzlos machte. Auch sein HealthKit hat Apple jetzt auf der Uhr deponiert. watchOS 2 bringt auch eine Aktivierungssperre über Benutzername und Passwort, Zugriff auf die Heimautomatisierung Homekit sowie Facetime Audio. Während des Ladens kann die Uhr dauerhaft die Zeit anzeigen und mit der einer neuen Funktion namens "TimeTravel" kann man einen Blick auf bevorstehende Termine und das Wetter werfen. Ebenfalls neu ist die Möglichkeit, Zifferblätter mit eigenen Fotos und Alben zu individualisieren (siehe Bildschirmfoto).

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Ohne Zweifel ist watchOS 2 ein großer Fortschritt, doch andererseits reicht Apple lediglich Funktionen nach, die man eigentlich schon zur Markteinführung erwartet hatte. Angesichts des hohen Preises war die fehlende Aktivierungssperre eine grobe Fahrlässigkeit und die Ausführung der Apps über das iPhone ein lästiger Workaround, der Nutzer und Entwickler gleichermaßen nervte. Auch individuelle Zifferblätter und die Möglichkeit zur dauerhaften Anzeige der Uhrzeit bei externer Stromversorgung sollten eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein.

iOS 9
Für iOS steht die Version 9 an und diese bringt zwei Apps zeitgleich auf den Bildschirm. Ja, es ist schon mehr als seltsam: Wir schreiben das Jahr 2015 und das wertvollste Unternehmen der Welt hat endlich einen Weg gefunden, um auf seinen fantastischen Tablets mit einer Display-Auflösung von 2.048 x 1.536 Bildpunkten mehr als ein Programm zeitgleich darstellen zu können. Ab iPad Air und iPad mini 2 kann man wahlweise eine App über eine andere ziehen (siehe Bildschirmfoto), wobei die untere teilweise verdeckt wird, oder eine Videowiedergabe als Bild-in-Bild verkleinert weiterlaufen lassen. Wirklich zwei Apps nebeneinander mit einer Bildschirmaufteilung im Verhältnis 1:1 oder 7:3 wird leider nur das iPad Air 2 bieten. Eventuell hätte sich Apple das Microsoft Surface genauer anschauen sollen, dessen dritte Generation bereits bis zu vier Apps nebeneinander anordnen kann.

Einen besonderen Augenmerk richtet Apple einmal mehr auf seine Sprachassistentin Siri. Diese soll Umgangssprache wesentlich besser verstehen und unseren Lebensrhythmus erlernen, um uns zu jeder Tageszeit kontextbasierte Vorschläge unterbreiten zu können. Und dazu muss uns Siri bzw. Apple noch viel besser kennenlernen, was Datenschützer vermutlich zur Verzweiflung treiben wird. Ein Beispiel: Damit uns Siri morgens nicht mit Yoga und zum Feierabend nicht mit entspannenden Walgesängen belästigt, muss sie wissen, dass wir eine Zigarette mit Kaffee frühstücken und abends auf der Rennbahn unser Geld verwetten. Dann kann uns Siri zu Tagesanbruch zum nächsten Zigarettenautomaten führen und pünktlich zum Büroschluss ein paar schnelle Pferdchen vorschlagen. Laut Apple soll der Datenschutz aber immer an erster Stelle stehen.

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Die Spotlight-Suche berücksichtigt ab iOS 9 auch iCloud Drive sowie diverse Videodienste wie Netflix, YouTube und Vimeo. Seinen Kartendienst erweitert Apple um öffentliche Nahverkehrsmittel, allerdings zunächst nur für bestimmte Großstädte wie New York, London und Berlin. Apple Pay schafft den Schritt über den großen Teich, bleibt dabei aber erst einmal auf Großbritannien beschränkt. Dort soll er Bezahldienst in Kürze starten, ein genaues Datum nennt Apple aber noch nicht. Apples Notizen-App kann jetzt auch Fotos, Skizzen und Listen einbinden, wie man es von Microsofts OneNote gewohnt ist. Apple News ist hingegen mit Google News vergleichbar, allerdings unterliegt das Leseverhalten bei Apple strengen Datenschutzbestimmungen. News wird es erst einmal nur in den USA, Großbritannien und Australien geben.

Die wirklich wichtigen Neuerungen finden unter der Haube statt: Diverse Optimierungen sollen die Akkulaufzeit spürbar verlängern und der Passcode wird von vier auf sechs Stellen erweitert. Das Ausweiten des Datensammelns, um bessere Antworten und Suchergebnisse liefern zu können, sehen wir hingegen mit gemischten Gefühlen: Daten europäischer Nutzer, die bei einer US-Firma liegen, genießen praktisch keinerlei Schutz vor dem Zugriff durch US-Geheimdienste und Ermittlungsbehörden. Selbst wenn Apple die gesammelten Daten nicht für Werbezwecke verkauft, ist die Preisgabe intimer Informationen und Gewohnheiten nie ohne Risiko. Ansonsten reicht Apple hauptsächlich Funktionen nach, die es bei Microsoft und Google schon seit langer Zeit gibt.

Mac OS X 10.11
Mac OS X 10.11 hat mit "El Capitan" (der Kapitän) einen reichlich dämlichen Namen erhalten, doch es geht weder um die Schifffahrt noch um militärische Ränge, sondern um einen rund 1.000 Meter hohen Monolithen im Yosemite-Nationalpark. Wichtigste Neuerung ist die 3D-Grafik-Schnittstelle Metal, welche eine Hardware-nahe Programmierung und damit erhebliche Leistungsgewinne ermöglichen soll. Bei Verwendung von Metal soll "El Capitan" eine um 50 Prozent höhere Rendering-Leistung bieten als Yosemite und zugleich die CPU spürbar entlasten. Metal schlägt somit den selben Weg ein wie der OpenGL-Nachfolger Vulkan, AMDs Mantle und Microsofts DirectX 12. Wie viel Vulkan in Metal steckt, wird die Zukunft zeigen.

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Weiterhin soll die Spotlight-Suche Umgangssprache verstehen und deutlich schneller arbeiten. Der Internetbrowser Safari kennzeichnet zukünftig jene Tabs, auf denen eine Audiowiedergabe stattfindet - das kennt man von Googles Chrome. Weiterhin lassen sich Tabs anheften - das kennt man vom Firefox. Im Splitscreen-Modus (siehe Bildschirmfoto) kann "El Capitan" zwei Fenster nebeneinander anordnen - das kennt man von Windows. Die nicht von allen geliebte Systemschrift "Helvetica Neu" wird durch den Font "San Francisco" abgelöst, zudem verspricht Apple Verbesserungen für asiatische Sprachen. Kurzum: So richtig viel Neues hat auch "El Capitan" nicht zu bieten.

Quelle:
http://www.apple.com/
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