Energiewende Vorreiter Deutschland kastriert sich selbst und andere zukunftsweisende Umweltthemen:

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doelf
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Re: Energiewende Vorreiter Deutschland kastriert sich selbst:

Beitrag von doelf »

Glühbirnen lassen sich leichter wechseln. Wenn du Solarzellen installierst, wirst du Unternehmer (wegen der Einspeisung) und hast unendlich viel Papierkram zu erledigen, der in Rentabilitätsberechnungen nie berücksichtigt wird. Dämmen ist sinnvoll, aber nicht immer möglich. Innendämmung ist immer problematisch, da Raumhöhe und -fläche verloren gehen und Mauerwerk und Decken kalt bleiben. Verlagert sich der Taupunkt ungünstig, schimmelt es hinter der Isolierung. Außendämmung ist aber nicht immer möglich - die Dachüberstände müssen angepasst werden, es muss ausreichend Platz vorhanden sein (der Klassiker: Gehweg vor der Fassade) und das Ganze ist sehr teuer. Ein Mittelweg wäre eine neue Heizanlage. Und wenn man Solarenergie nicht zur Strom- sondern zur Warmwassergewinnung verwendet, spart man sich auch den Stress mit dem Finanzamt.

Bei Solarmodulen ist übrigens noch die höhere Dachlast zu beachten - auch die kann hohe Kosten verursachen. Und bei Altbauten ohne Ringanker würde ich generell von solchen Experimenten abraten. Und im Falle eines Brandes ist ein löschen des Dachstuhls fast unmöglich. Eventuell steigen daher die Versicherungskosten.

Gruß

Michael
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The Grinch
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Re: Energiewende Vorreiter Deutschland kastriert sich selbst:

Beitrag von The Grinch »

Und bei der Aussendämmung bitte immer eine Kosten-/Nutzenanalyse machen!

Eine gute Außendämmung, also eine die KEIN Styropor/Styrodur/o.ä. verwendet, liegt bei einer mittleren Liegenschaft
schnell zwischen 15 und 25.000€ - inkl. der dann nötigen Fassadengestaltung.
Besteht das Haus quasie aus Japan-Wände, hauch Dünn und NULL Dämmeigenschaften, dann rentiert sich das ganze sicherlich,
wohl aber nicht beim klassisch gemauerten (z.B. 30er Bims-Hohlblock) EFH.
Und beim soliden Mauerwerk liegt der effektive Nutzen höchstens bei 3%, ohne weitere Maßnahmen (Fenster Rolländen Kellerdecke Dachdämmung),
und u.U. macht sich so eine Dämmung negativ bemerkbar, da man jetzt alle vorherigen Luftaustausch-Öffnungen verschließen muss.
Ohne ein Door-Blower-Test und einem guten Sachverständigen, der auf mögliche Fehlerquellen achtet, wird das nix - und
für Umme arbeitet der auch nicht.

Bei einer soliden Liegenschaft würde ich als erstes mal die Fenster auf aktuellen Stand bringen, wenn die Alten
> 20 Jahre auf dem Buckel haben - bringen hier die meisten Einsparungen.
Als nächstes die Rollandenkästen Isolieren, und wenn ein Keller vorhanden ist (der nicht beheizt ist) die Kellerdecke dämmen.
Großes Augenmerk auf die Dachisolierung legen, das hier investierte Geld amortisiert sich rasend schnell,
und um so besser wenn es im Zuge einer Dachsanierung als Aufdachisolierung (min. 10-16cm mineralische Isolierung) passiert.
Beim klassichen 45° Satteldach liegt die Investition für eine Aufdachisolierung zwischen 5 und 10.000€, zzgl. der Bedachung,
welche dann auch zwischen 20 und 30.000€ liegt.
Rollandekästen isolieren bringt auch sehr viel, vor allem das man hier die Kältebrücken und Luftzüge eliminiert.
Dachdämmung, ob Untersparren oder Aufdach, sind sehr effektiv - effektiver als eine blöde Außendämmung - und eine
Kellerdeckendämmung sorgt für warme Füße.

Ist dann die Heizungsanlage > 20 Jahre jung, dann wird es höchste Zeit sich mal fachlichen Rat zu holen!
Aktuelle Anlagen sind super effektiv und sparsam.

Innendämmung ist nur was für den absoluten Fachmann!
Hier selbst rum murksen geht garantiert in die besagte Hose.

Und dann ein Tipp für den der einen Kamin(-Ofen) betreibt:
Nach entsprechender Isolierung einen Fensterwächter oder eine Zwnagsbelüftung einbauen - bei
Dunstabzugshauben dann eh Pflicht, oder den örtlichen Schornsteinfeger zu rate ziehen!
Hier besteht ggf. Lebensgefahr wenn das Rauchgas nicht mehr durch den Kamin entweichen kann,
weil der Ofen kein Luft mehr ziehen kann.
Oder prüfen ob der Kamin(-Ofen) umgerüstet werden kann auf externe Luftzufuhr!
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doelf
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Re: Energiewende Vorreiter Deutschland kastriert sich selbst:

Beitrag von doelf »

Gute Ausführung mit vielen Details - Respekt! Ein kleiner Nachtrag: Heizungsnischen zumauern und flache Heizkörper davor hängen!

Gruß

Michael
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neO
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Re: Energiewende Vorreiter Deutschland kastriert sich selbst:

Beitrag von neO »

Ihr seid Klasse mit euren posts zur Dämmung +, danke für schöne, gute Beiträge :)

edit:
Solarzelle+Akku rentabel zum Eigenverbrauch scheint am Horizont bereits aufzuleuchten.
Wenn der Staat das fördert statt die unnötigen Mehrkosten für die Atom- und Braunkohlestromleitungen auf Eigenversorger zu bürden, sondern an die Schuldigen und Nutzer weitergibt, gibts es bald mehr freie Inselstromnetze ohne Verbindung zu Strommasten als freies Wlan ;)
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The Grinch
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Re: Energiewende Vorreiter Deutschland kastriert sich selbst:

Beitrag von The Grinch »

Aktuell ist es ein teures Unterfangen Solar-Strom in Akkus zu speichern!
Zumal alle Blei-Akkus eine miese Ladekapazität haben (gerade mal 50% der angegebenen Kapazität ist nutzbar).

Besser wören LiPo-Akkus, aber in der Größenordnung müsste man 10.000€ hinblättern, und diverse Hersteller
bieten Speicher mit Blei ab 5.000€ an.
Wenn man das mal Kalkuliert, also Solar-Module und Speicher, wie viel Strom kann ich aktuell Verbrauchen bis sich
das Gerödel amortisiert!?!

Die beste Akku-Technik wäre LiFePO4
http://www.green-power-led.de/index.php ... -batterien
ABER die kosten knapp das 10-fache normaler Blei-Säure/-Gel Akkus!

Und danke für das Lob, beruht auf Erfahrungswerte und elendig lange Rechnerei für unser kleines Eigenheim.
Viel Lesen und filtern was nur Bla-Bla-Werbung ist, und wo man die Wahrheit gesagt bekommt.
Und bei Artikel die Produkte anbiedern wie saures Bier, am besten gleich wieder aus dem Gehirn löschen.

Nachtrag zu WDVS (Wärme-Dämm-Verbund-System) auf Basis von Styropor/Hartschaum:
Feuerwehren hassen dieses Zeug, ist es bei Schwelbränden kaum zu kontrollieren, da man u.U. nicht an die Zwischenschicht kommt
ohne die Fassade abreißen zu müssen.
Das kann mit Dämm-Material auf Basis von Mineralfasern NICHT passieren, sind diese auch verwendbar bis zu einer Brandschutzklasse F90 - wenn
der Aufbau richtig gemacht wurde, z.B. mit Stahständerwerk anstatt Holzständer und Kreuzverschachtelung (was übrigens auch der
Wärme-/Kältebrücke vorsorgt).
Das erzählen die Hersteller von dem Dreck aber nicht, und proklamieren das Ihr Produkt ja mit Brandhemmer versehen ist.
Unzählige Tests und das Wahre Leben zeichnet aber ein ANDERES Bild!
Übrigens, Photovoltaik ist auch nicht ganz ungefährlich für die Feuerwehr, kann man den Solarzellen bei Sonnenschein kaum
verbieten Strom zu produzieren, und Wasser in Verbindung mit Strom ist keine gute Idee.
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neO
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Re: Energiewende Vorreiter Deutschland kastriert sich selbst:

Beitrag von neO »

Solarzellen und Löscharbeiten:

Anscheinend liegt die Gefahr an den von Solarzellen eingebrachten Spannungen die oft nicht abschaltbar mit dem Inneren von Gebäuden verbunden ist.
Die Prävention liegt im Nachbau eines Trennschalters zwischen Solarfeld und Innerem des Gebäudes..
http://www.photovoltaik.eu/Archiv/Meldu ... 0U9MQ.html



Hier in der dguv Richtline ab Seite 17, vor allem auf im Diagramm Seite 24 wird gezeigt, daß die Feuerwehr immer löschen darf, aber besondere Vorsichtmaßnhamen zu berücksichtigen hat. Überflutete Bereiche mit PV-Anlagen betreten sie nicht.
http://publikationen.dguv.de/dguv/pdf/10002/i-8657.pdf



Eigentlich sind Solarzellen aufgrund ihrer U-I Kennlinie einfach zu deaktivieren.
Man muss sie nur Kurzschliessen und es fliesst Strom bei fast keiner Spannung -> Keine Gefahr für Feuerwehr -> Keine Leistung (P=U*I) -> kleiner elektronischer Schalter der jedes Modul einzeln bei nichtgebrauch bis zu einer sehr geringen Spannung kurzschließt genügt.

Was die Technik kosten würde und ob sie vielleicht schon angewendet wird, weiß ich nicht.

Gruß
One
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The Grinch
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Re: Energiewende Vorreiter Deutschland kastriert sich selbst:

Beitrag von The Grinch »

Es kam leider schon zu Unfällen, nicht nur bei den Rettungskräften auch bei den Wartungsarbeiten - und das bei Fachleuten!
Egal, rein rechnerisch sind Photovoltaik aktuell Luftnummern.
Ich würde da bei Haushalten >3 Personen eher auf Thermosolar setzen (Vakuumröhren-Kollektoren), das macht zur Heizungsunterstützung
richtig viel sinn und spart am effektivsten.
Optimal wenn man das Geld hat und eh eine neue Heizung benötigt.
Bei Haushalten < 3 Personen machts keinen Sinn, die Investition rechnet sich dann erst nach 15 Jahren.

Wer aber einen Kaminofen hat, und der wegen der kommenden Abgasverordnung eh bald gewechselt werden muss,
der sollte sich um einen Wasserführenden umsehen, gerade im Winter (wenn der Ofen eh brennt) machts am meisten sinn.
Thermosolar ist nur dann effektiv wenn die Sonnenscheindauer ausreichend ist (nur im späten Frühjahr bis im Frühherbst gegeben),
UND die Ausrichtung optimal ist (ach wenn Vakuum-Röhren sich sehr gut ausrichten lassen und sogar eine vertikale Montage möglich ist).

Dann brauchts natürlich auch einen ausreichend dimensionierten Puffertank, ist er zu klein läuft man schnell in die Sättigung rein,
ist er zu Groß muss die parallele normale Heizung zu viel Energie auf bringen um die Schichtladung zu erhalten.
Das ist auch nur was für einen Fachmann (ein wirklich guter Heizungsbauer kann das).
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neO
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Re: Energiewende Vorreiter Deutschland kastriert sich selbst:

Beitrag von neO »

Angeblich ist mit Solarstrom zu heizen (Tauchsiedertechnik) bereits günstiger als einen VakkumSonnenkollektor in Verbindung mit einem Warmwasserspeicher zu betreiben.

Und wenns Sommer ist kann man die Überschüssige Energie als Strom benutzen.
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Re: Energiewende Vorreiter Deutschland kastriert sich selbst:

Beitrag von The Grinch »

Macht irgend wie keinen Sinn, erst Strom produzieren um dann daraus Wärme zu erzeugen!?!
Der Wirkungsgrad ist doch Hunds mieserabel!

Dann doch gleich die solare Energie für die Wärmeproduktion nutzen und "Einkellern",
oder beides Parallel erzeugen und in einem Pufferspeicher und komplett selbst nutzen.
Denn selbst wenn man den ganzen Tag zu Hause ist, Strom wird immer gebraucht - z.B. für den Kühlschrank/Gefriertruhe.
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neO
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Re: Energiewende Vorreiter Deutschland kastriert sich selbst:

Beitrag von neO »

Es ist ein Energiespeicher, der die Sonne Mittag als Heißwasser (Brauchwasser) puffert bis zum nächsten Tag.

In Zeiten in denen PV den Strom günstiger produzieren kann als er zu kaufen ist und mit Überproduktion argumentiert wird ein realistisches Szenario imo.

Wie genau momentan die Zahlen sind weiß ich nicht.
Ein PV-Anlage ist afair einem reinen Sonnenwärmekollektor Preislich und von der Flexibilität überlegen.
Der Installationsaufwand ist wahrscheinlich beim zweiten sehr viel höher.

Ich werde aber versuchen mich nochmal Schlau zu machen wie die Momentanen Zahlen aussehen.



Edit:
Es war wohl in Verbindung mit einer Wärmepumpe.
Abends guck ich mal nach Zahlen.
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