OpenELEC in der Krise

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OpenELEC in der Krise

Beitrag von doelf » 15 Jul 2016, 13:50

Wer einen PC oder Raspberry Pi als Media-Center aufsetzen will, stolpert früher oder später über OpenELEC, das "Open Embedded Linux Entertainment Center". Dabei handelt es sich um eine minimalistische aber äußerst komfortable Linux-Distribution, die um die Media-Center-Software Kodi herum gebaut wurde. Doch seit einigen Wochen steckt das Projekt in einer tiefen Krise.

Zugegeben, die Veröffentlichung neuer Version hatte bei OpenELEC schon immer etwas länger gedauert, doch dafür lief die Software dann auch zuverlässig. Bei OpenELEC 7.0, welches auf Kodi 16.1 (Jarvis) basiert, ist allerdings gar nichts normal. Kodi hatte den Versionssprung auf 16.0 am 21. Februar 2016 vollzogen, einen Monat später erschien dann die erste Beta-Ausgabe von OpenELEC 7.0. Am 7. April folgte die zweite Beta-Version, am 24. April dann Kodi 16.1 und am 1. Mai dann OpenELEC 7.0 Beta 3 mit dem finalen Kodi 16.1 an Bord. Seither herrscht Funkstille und eine finale Ausgabe ist immer noch nicht in Sicht. Der Blick auf Github zeigt: Die letzte Code-Änderung wurde am 8. Mai 2016 vorgenommen!

Inzwischen ist es kein Geheimnis mehr, dass sich das OpenELEC-Team mit dem Projektleiter Stephan Raue überworfen hat. Ein Fork namens LibreELEC war die Folge, dem Raue im März noch keine große Bedeutung zugestehen wollte. Doch immer mehr Entwickler wechselten die Seite, so dass die Arbeit an OpenELEC inzwischen zum Stillstand gekommen ist. Ganz anders sieht es bei LibreELEC aus: Am 26. Juni 2016 wurde die stabile Version 7.0.2 auf Basis von Kodi 16.1 (Jarvis) veröffentlicht und auch eine Alpha-Version von LibreELEC 8.0 mit Kodi 17 (Krypton) als Unterbau ist bereits erhältlich.

Stephan Raue schweigt seit Anfang Mai und auch seine ehemaligen Mitstreiter geben sich wortkarg:
"It's complicated to explain why LibreELEC exists, and attempting to do so in public would be a negative exercise and likely cause offense, so we won't."
Übersetzung: "Zu erklären, warum LibreELEC existiert, ist kompliziert und jeder Versuch, dies öffentlich zu tun, hätte einen negativen Beigeschmack und würde Anstoß erregen, also lassen wir das."

Der wichtigste Unterschied zwischen den beiden Projekten besteht offenbar darin, dass die Entwickler von LibreELEC eine Projektleitung wählen, die dann Richtungsentscheidungen trifft, Prioritäten benennt und Aufgaben verteilt. Diesem Konzept konnte Stephan Raue nicht allzu viel abgewinnen:
"As you can see in their about page its all focused on the internal team structure, while we care about the produkt and buildsystem byself like we have done always."
Übersetzung: "Wie du sehen kannst, geht es auf ihrer Über-uns-Seite nur um die interne Struktur des Teams, während wir uns um das Produkt und das Build-System kümmern, so wie wir es immer getan haben."

Es ist sehr schade, dass OpenELEC vor dem Aus steht, denn es war ein großartiges Projekt, welches Stephan Raue einst aus dem Boden gestampft hatte. LibreELEC muss sich erst noch als würdiger Nachfolger erweisen, doch die Anfänge sind vielversprechend. Für die Benutzer ändert sich kaum etwas: Der Umstieg auf LibreELEC funktioniert genauso schmerzlos wie ein Versionssprung innerhalb von OpenELEC und man findet sich sofort zurecht. Aus unserer Sicht ist die Zeit für den Wechsel gekommen, wir setzen ab sofort auf LibreELEC.
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