Erstaunlich: AMD hält dicht

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doelf
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Erstaunlich: AMD hält dicht

Beitrag von doelf » 08 Feb 2017, 14:51

Intels Prozessoren der Kaby-Lake-Generation waren Wochen vor ihrer Markteinführung im Handel erhältlich und die technischen Details schon Monate im Voraus bekannt. Die Erwartungen waren nicht hoch und wurden auch erfüllt. Das ist in etwa so spannend, wie Bayern München als Tabellenführer in der Fußballbundesliga. Bei AMD sieht es diesmal anders aus.

Über die vergangenen Monaten hatte AMD immer wieder Brotkrumen zu den kommenden Ryzen-CPUs gestreut. Dass die neue Architektur DDR4-Speicher und AMDs Interpretation des HyperThreading (= Simultaneous Multithreading, SMT) verwenden wird, stand früh fest. Ebenso ist bekannt, dass Ryzen zunächst als reiner Prozessor ohne Grafikkern auf den Markt kommen wird und neue Hauptplatinen mit dem Sockel AM4, der 1.331 Kontakte besitzt, benötigt. Gefertigt werden die Ryzen-CPUs von GlobalFoundries im 14-nm-FinFET-Verfahren.

Davon abgesehen bleibt Ryzen eine Wundertüte. Die offizielle Vorstellung ist für Ende Februar 2017 geplant, doch es ist ungewiss, ob zu diesem Zeitpunkt auch die Markteinführung stattfinden wird. Normalerweise finden sich schon Monate vorher Listen mit CPU-Namen und Eckdaten im Internet, doch diesmal hält AMD dicht. Obwohl die Vorstellung immer näher rückt, liefern Preisvergleiche rein gar nichts. Auch die Mainboard-Hersteller, sonst eine zuverlässige Quelle über Kompatibilitätslisten und BIOS/UEFI-Beschreibungen, schweigen sich aus.

Selbst die schon vor Monaten vorgestellten APUs der Bristol-Ridge-Familie, die ebenfalls den Sockel AM4 nutzen, haben es noch nicht in den Einzelhandel geschafft. Sie sind Abkömmlinge der alten Bulldozer-Architektur, bieten aber DDR4-Unterstützung und sind somit eine preiswerte Alternative für große OEM-Hersteller. Und da es keine APUs oder CPUs zu kaufen gibt, sind auch noch keine AM4-Mainboards erhältlich. Lediglich CSL-Computer verkauft derzeit Bundles aus dem ASUS A320M-C und AMDs A12-9800 oder A10-9700.

Damit ist das ASUS A320M-C derzeit das einzige AM4-Motherboard, das man kaufen kann. Eine Produktseite gibt es nicht, aber ein Blick in das Handbuch des ASUS A320M-C offenbart eine typische OEM-Platine: Basisfunktionen treffen schlichtes Design. Informationen über kompatible APUs oder gar Ryzen-CPUs enthält das Handbuch natürlich nicht. Anfang 2017 gab es Gerüchte über Probleme mit den AM4-Mainboards, doch weder AMD noch seine Partner haben diese bestätigt. Stattdessen heißt es aus Texas nur: Ryzen liegt im Zeitplan. Doch als AMD die ersten AM4-Mainboards namentlich nannte, war von ASUS nur das spartanische A320M-C dabei.

Eines steht jedoch fest: Ryzen ist AMDs großer Hoffnungsträger. Seit der Markteinführung von Intels Core 2 im Jahr 2006 hechelt AMD dem Marktführer hinterher. Im Jahr 2007 konterte AMD erfolglos mit dem Phenom auf Basis der K10-Architektur, 2011 folgte dann die glücklose Bulldozer-Architektur mit Core-Multithreading (CMT). Auch die Bulldozer-Abkömmlinge Piledriver (2012), Steamroller (2014) und Excavator (2015) setzten mit CMT aufs falsche Pferd. Mit Hilfe von Simultaneous Multithreading (SMT), welches Intel als HyperThreading bezeichnet, soll Ryzen das Ruder nun herumreißen.

Erste Benchmarks, die AMD Ende 2016 präsentiert hatte, zeigen Ryzen auf dem Leistungsniveau von Intels Enthusiasten-CPU Core i7-6900K (Broadwell-E). Die Demo-CPU verfügte über acht Kerne und sechzehn Threads. Jeder Kern besaß 32 KiB L1-Cache für Daten, 64 KiB L1-Cache für Instruktionen sowie 512 KiB L2-Cache. Dazu kam ein gemeinsamer L3-Cache mit einer Größe von 16 MiB. AMD nannte einen Basistakt von 3,4 GHz, ging aber nicht auf die Turbostufen des Prozessors ein. Die Taktanpassung geschieht in 25-MHz-Stufen.

AMDs Rückkehr ins Enthusiasten-Segment wird Jahre des Stillstands beenden. Zuletzt hatte der Sockel AM3+ im Jahr 2012 frische Technik in Form der Vishera-CPUs bekommen, denn die im Sommer 2013 nachgereichten Centurions konnten mit ihrer TDP von 220 Watt nur noch als Verzweiflungstat gewertet werden. Seit Jahren diktiert Intel die Preise nach Belieben und es ist allerhöchste Zeit, dass frische Konkurrenz das Geschäft wieder belebt, die Preise drückt und Innovationen beflügelt. Hoffen wir also, dass AMDs Verschwiegenheit am Ende Gold bringen wird.
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