Google: EU verhängt 4,34 Milliarden Euro Strafe

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doelf
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Google: EU verhängt 4,34 Milliarden Euro Strafe

Beitrag von doelf » 18 Jul 2018, 14:43

Die Europäische Kommission hat Google LLC bzw. die verantwortliche Dachgesellschaft Alphabet Inc. zu einer Kartellstrafe in Höhe von 4.342.865.000 Euro verdonnert. Diesmal ging es um das mobile Betriebssystem Android sowie die daran gekoppelten Dienste von Google. Zuletzt musste Google 2,42 Milliarden Euro wegen missbräuchlicher Werbeplatzierungen in seiner Suchmaschine zahlen.

Im Juni 2017 markierten die 2,42 Milliarden Euro noch einen neuen Rekord, der nun eindrucksvoll eingestellt wurde. 4,34 Milliarden Euro bedeuten eine Steigerung um den Faktor 1,79 und so langsam dringt die EU in jene Bereiche vor, die selbst Internetgiganten und deren Investoren so richtig weh tun. Es könnte allerdings noch viel teurer werden: Sollte Google seine Geschäftspraxis bei Android nicht binnen 90 Tagen ändern, fordert die EU zusätzlich fünf Prozent des weltweiten Tagesumsatzes der Dachgesellschaft Alphabet - und zwar bis Google die Vorgaben der EU umgesetzt hat.

Doch worum geht es eigentlich? Heutzutage sind Smartphones das bevorzugte Gerät für Internetzugriffe und hier hat Googles Android einen Marktanteil von 85,9 Prozent (Quelle: de.statista.com). Um die weitere Dominanz seiner eigenen Suche sicherzustellen, hat Google mehrere Maßnahmen ergriffen, welche nach Ansicht der Europäischen Kommission illegal sind:
  • Telefonhersteller, die auf ihren Geräten Android installieren, bekommen Googles Apps ausschließlich als Komplettpaket.
  • Die Installation alternativer Such-Apps hatte Google bis ins Jahr 2014 durch Zahlungen an marktführende Hersteller und Mobilfunkbetreiber unterbunden.
  • Herstellern, die Geräte mit alternativen Android-Varianten anbieten wollten, drohte Google mit einem generellen Lizenzentzug für seine Apps.
Während der Android-Code von Google veröffentlicht wird und für andere Projekte genutzt werden kann, hält Google seine zentralen Apps unter Verschluss. Doch ein Betriebssystem ohne Apps taugt nichts und an neue Apps gelangt man üblicherweise über Googles "Play Store". Diesen nutzt Google folglich als Druckmittel, um den Herstellern auch seine anderen Apps aufzuzwingen. Googles Lizenzbestimmungen verlangen, dass zusammen mit dem "Play Store" auch die Google Suche sowie Googles Webbrowser Chrome zu installieren sind. Damit wird dem Kunden die Wahlfreiheit genommen und Wettbewerbsrecht verletzt.

Die Europäische Kommission sieht bei Google eine marktbeherrschende Stellung bei der Internetsuche, im Segment der lizenzierbaren Betriebssysteme für mobile Geräte sowie bei den App-Stores für Android. Als einziger Mitbewerber ist Apple übrig geblieben, doch ein Wechsel zu iPhone und iPad stellt einen hohen Kostenfaktor sowie einen hohen Aufwand dar, denn Apps und Dienste lassen sich oftmals nicht auf eine andere Plattform umziehen. Googles Kerngeschäft würde ein Wechsel indes gar nicht schaden, denn auch Apple nutzt Google als Standardsuche.

Und nun bekommt Google die Rechnung serviert, wobei die Europäische Kommission die 4.342.865.000 Euro nicht gewürfelt sondern fein säuberlich berechnet hat. Die Strafe wurde auf Basis des Werbeumsatzes, welchen Googles Suche zwischen 2011 und 2018 auf Android-Geräten innerhalb des Europäische Wirtschaftsraums (Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Island, Italien, Kroatien, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn, Vereinigtes Königreich und Zypern) generiert hat, bestimmt. Und so führen Rekordgewinne einmal mehr zu Rekordstrafen.

Quelle:
http://europa.eu/newsroom/rapid-failove ... 581_en.pdf
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Re: Google: EU verhängt 4,34 Milliarden Euro Strafe

Beitrag von neO » 18 Jul 2018, 22:06

doelf hat geschrieben:
18 Jul 2018, 14:43
  • Herstellern, die Geräte mit alternativen Android-Varianten anbieten wollten, drohte Google mit einem generellen Lizenzentzug für seine Apps.
Grr... deswegen gibt es keine alternativen, besseren und sicheren os auf neuen android smartphones...

Der gleiche Mist den M$ gemacht, keine Wahl des OS.
M$ im Packet, oder mehr zahlen für ein anderes OS und selber installieren.....
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Re: Google: EU verhängt 4,34 Milliarden Euro Strafe

Beitrag von doelf » 19 Jul 2018, 07:54

Google/Alphabet haben wie zu erwarten Widerspruch eingelegt. Der dürfte Ihnen aber nur etwas Zeit kaufen, denn die Sachlage ist schon ziemlich eindeutig und der Vergleich mit Microsofts früherer Windows-Strategie völlig angebracht!
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Android: Reaktionen auf Rekordstrafe

Beitrag von doelf » 19 Jul 2018, 19:32

Gestern hatte die Europäische Kommission eine Rekordstrafe in Höhe von 4,34 Milliarden Euro gegen Google verhängt. Als Grund führte die Kommission die Integration der Google-Suche auf Android-Geräten an, mit der Google seine marktbeherrschende Stellung missbraucht haben soll. Googles CEO Sundar Pichai und US-Präsident Donald Trump reagierten hierauf verständnislos.

Aus Pichais Sicht der Dinge, hat Android die Wahlmöglichkeiten der Kunden vergrößert. Tatsächlich stehen heutzutage unzählige Smartphones aller Preisklassen zur Auswahl (laut Pichai mehr als 24.000 Geräte von über 1.300 Marken), doch auf fast allen läuft Android. Während es eine breite Palette an Hardware gibt, beschränkt sich die Wahl beim Betriebssystem auf Android oder iOS. Selbst Amazon konnte seine Android-Abspaltung FireOS nicht auf Smartphones etablieren und beschränkt sich inzwischen auf den Tablet-Markt. Andere Versuche, Android-Forks im kommerziellen Bereich zu etablieren, sind derweil kläglich gescheitert - siehe Cyanogen OS.

Pichai hebt hervor, dass auf all diesen Geräten die selben Apps laufen, da Google mit Hilfe einfacher Regeln die Kompatibilität sicherstelle. Es sei sogar möglich, diese Regeln zu missachten und eine eigene Android-Variante zu kreieren, wie Amazon es bei seinem FireOS tue. Allerdings wurde dies seitens der EU auch nicht kritisiert, sondern lediglich die lizenzrechtliche Bindung des Google Play Store an die Installation der Google Suche und des Webbrowsers Chrome. Diese Auflage hat nämlich nichts mit der Kompatibilität oder Fragmentierung einer Plattform zu tun, sondern ausschließlich mit der Vermarktung von Googles eigenen Diensten - auch wenn Pichai dies anders darstellt.

Wenn Pichai Android als "attraktives langfristiges Angebot" anpreist, sollten all jene Nutzer, deren Geräte nie oder schon nach wenigen Monaten keine Updates mehr erhalten haben, auf die Barrikaden gehen. Es ist auch kein Vorteil, wenn die Hersteller typischerweise "40 Apps" vorinstalliert haben, denn auch mit diesen Apps, die sich oftmals gar nicht entfernen sondern nur deaktivieren lassen, verdienen die Hersteller Geld. Die Freiheit, jede App deinstallieren zu können, bietet Android nicht. Dafür genießen die Hersteller die Freiheit, Android mit eigener Frickel-Software zu verschlechtern und kritische Updates einfach zu ignorieren.

Schließlich erklärt Pichai das mit Android verfolgte Geschäftsmodell: Statt die Hersteller für das Betriebssystem zahlen zu lassen, dessen Entwicklung Google Milliarden gekostet habe, setzte man einzig auf den Umsatz, den die vorinstallierten Google-Apps generieren. Dies ist schlüssig, doch während Android im Jahr 2007 eine neue Plattform war, beherrscht diese inzwischen 85,9 Prozent (Quelle: de.statista.com) des Marktes. Zudem hatte die Europäische Kommission nachgewiesen, dass Google die Vorinstallation von Mitanbieter-Apps zumindest zeitweise erschwert hatte.

Falls Google zukünftig zu einem eng kontrollierten Distributions-Modell wechseln und für Android Lizenz-Gebühren verlangen würde, wären steigende Smartphone-Preise die Folge. Doch was Pichai als Problem darstellt, birgt auch Chancen. So könnte Google endlich Verantwortung für die Updates und Upgrades übernehmen und zugleich echte Kompatibilitätstests einführen. Denn auch wenn sich einiges schon gebessert hat, ist Android noch immer eine Plattform, die unter einer starken Versions- und Modifikationsfragmentierung leidet. Wenn höhere Kosten zu einer besseren Qualität und fünf Jahren Updates führen würden, wäre das unserer Ansicht nach begrüßenswert.

Und was twittert Trump? Der US-Präsident verweist darauf, dass er wieder einmal Recht hatte, womit er wohl auf die Einstufung der EU als Feind bzw. Gegner anspielt. Er bezeichnet Google als "eine unserer großartigen Firmen", wirft der EU vor, die USA wieder einmal "ausgenutzt" zu haben und deutet Vergeltung an. Auf die eigentlichen Gründe für die Kartellstrafe geht Trump - wie zu erwarten - nicht ein. Man darf gespannt sein, ob Trump die "großen" europäischen Suchmaschinen für US-Nutzer sperren wird und ob das irgendwann mal irgendjemand bemerken würde.

Quelle:
https://www.blog.google/around-the-glob ... -not-less/
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Re: Google: EU verhängt 4,34 Milliarden Euro Strafe

Beitrag von The Grinch » 20 Jul 2018, 05:44

Bitte, BITTE sperrt Google in der EU!
Es gibt Alternativen - aber davon hat ja der "Führer" der freien Welt so richtig viel Ahnung.

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neO
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Re: Google: EU verhängt 4,34 Milliarden Euro Strafe

Beitrag von neO » 20 Jul 2018, 07:35

Make my "balls" big again!

Jedem ist sein eigener Markt am nächsten.
Siehe D. in EU.


Eine Alternative (mehrere) zu googles monopol-imperium wäre wünschenswert.
Jedenfalls wenn die dann nicht einfach die Daten untereinander tauschen, die sie den Kunden / Usern klauen, was wohl momentan so üblich ist...
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