Chrome 69: Googles Bevormundung wird immer schlimmer

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Chrome 69: Googles Bevormundung wird immer schlimmer

Beitrag von doelf » 24 Sep 2018, 16:12

Mit der Version 69 brachte Google eine nicht dokumentierte und dennoch sehr wichtige Neuerung für die Computer-Version seines Webbrowsers Chrome: Sobald man sich bei einem Google-Dienst anmeldet, logt sich auch Chrome automatisch und ohne weiter nachzufragen im Google-Benutzerkonto ein. Abermals zeigt sich, dass Googles Datenhunger unersättlich ist und gleichzeitig werden wir Nutzer immer stärker bevormundet - Stichwort URLs.

Die automatische Anmeldung
Der bekannte Verschlüsselungsexperte Matthew Green behandelt in seinem Blog fast ausschließlich Fragen der Verschlüsselung und IT-Sicherheit. Dass sich Green zu anderen Themen äußert, ist ausgesprochen selten. Auch Fehlentwicklungen im Internet oder Softwareprodukten übergeht Green normalerweise, denn dieses Themengebiet würde gleich mehrere Blogs füllen. Mit der Veröffentlichung von Chrome 69 hat Google bei Green allerdings eine rote Linie überschritten, denn die Desktop-Version des Browsers umfasst eine neue Funktion, deren Erwähnung Google offenbar als überflüssig oder für die Benutzer verwirrend erachtet und daher lieber verschweigt: Chrome logt sich automatisch ohne Hinweis oder Nachfrage im Google-Benutzerkonto ein.

Der automatische Login geschieht, sobald sich der Nutzer bei einem Google-Dienst wie Gmail anmeldet. Bisher fragte Chrome, ob man sich mit dem Browser bei seinem Google-Konto anmelden möchte. Diese Entscheidung wurde dem Benutzer nun abgenommen, er wird einfach ohne seine Zustimmung angemeldet. Und damit steht das Sync-Menü zur Verfügung, über das man Passwörter, Zahlungsmittel und Kontakte in die Cloud laden kann, um sie geräteübergreifend abzugleichen. Das geschieht bereits, wenn man nur einmal falsch klickt. Zudem stellt Green die berechtigte Frage, wann Google entscheiden wird, dass dieser Upload und Datenabgleich "im Interesse" der Benutzer ebenfalls automatisiert geschehen sollte. Statt selbst entscheiden zu können, werden Chrome-Nutzer immer stärker entmündigt.

Das URL-Problem
Tatsächlich entscheidet Chrome immer mehr über unsere Köpfe hinweg, insbesondere seit der Version 69. Ein besonders bizarres Beispiel ist die Anzeige der Internetadresse (URL), welche Googles Webbrowser mutwillig manipuliert. Laut Google sind URLs viel zu kompliziert und verwirren die Nutzer. Daher werden bekannte Subdomains wie "www" (World Wide Web) oder "m" (Mobil-Version) seit der Version 69 einfach weggelassen. Das Dumme dabei: Unter jeder Subdomain können andere Inhalte liegen! Ein typisches Beispiel hierfür wäre die Vollversion einer Webseite unter www.nur-ein.beispiel sowie eine abgespeckte Mobil-Variante unter m.nur-ein.beispiel, doch selbst die URLs nur-ein.beispiel und www.nur-ein.beispiel können auf völlig unterschiedliche Inhalte oder gar Server verweisen.

Kurz nach der Veröffentlichung von Chrome 69 hatte ich einen Arbeitstag darauf verschwendet, einen Fehler auf einer Webseite bzw. in einer Serverkonfiguration zu suchen, der am Ende gar keiner war. Mein Kunde hatte einfach nur ein Lesezeichen auf die Mobilversion seiner Webseite gesetzt, welche ihm in der Adresszeile als URL ohne www angezeigt wurde. Ich hatte Screenshots vom Browser-Fenster, die belegten, dass die URL und das Angezeigte nicht zusammenpassen, konnte dieses Verhalten aber weder mit Firefox, Edge oder Opera nachstellen. Auch Chrome, der sich bei mir noch nicht aktualisiert hatte, verhielt sich völlig normal. Einige Arbeitsstunden später startete ich Chrome neu und die Subdomains verschwanden. Es dauerte fast ebenso lange, dem Kunden das "Problem" zu erklären.

Krasse Fehlentwicklung
Googles Entscheidungen zur automatischen Anmeldung und zur Manipulation der URL-Anzeige sind nur die Spitze des Eisbergs. Seit Jahren zeigt sich die Software-Branche bemüht, die Bedienoberflächen von Applikationen und Webseiten simpler und aufgeräumter zu gestalten sowie uns Nutzern Entscheidungen abzunehmen. Funktionen, die nach Ansicht der Entwickler nur für wenige Benutzer von Bedeutung sind, werden dermaßen versteckt, dass man zuweilen Tage benötigt, um sie wiederzufinden. Parallel hierzu wurden Dokumentationen quasi abgeschafft, da die Bedienung ja so einfach und selbsterklärend geworden ist. Doch eine gekürzte URL ist nicht verständlicher, sondern schlicht und einfach falsch. Das ist nichts anderes, als würde man bei der Adressierung eines Briefes die Begriffe Straße, Gasse, Ring oder Platz weglassen.

Noch unverschämter ist allerdings die automatische Anmeldung, mit der Google nur seinen Ruf als unersättliche Datenkrake untermauert. Während die Betreiber von Webseiten ihre Besucher über die Verarbeitung jeder IP-Adresse und das Speichern jedes Cookies informieren sollen, unterlässt Google jeglichen Hinweis und verzichtet auf jegliche Nachfrage. Alles ganz einfach, alles ganz bequem. Perfekt für die IT-Zombies des Smartphone-Zeitalters, die offenbar nur noch Emoji verstehen und bereitwillig alle ihre Daten mit Google teilen. Wenn man als informierter Benutzer nach einer Unterrichtung über mögliche Nebenwirkungen die Entscheidung trifft, dass sich Chrome automatisch im Google-Konto anmelden soll, ist das schön und gut. Aber diese Wahl über unsere Köpfe hin zu treffen, ist einfach nur unverschämt. Matthew Green rät zu einem Browser-Wechsel und wir stimmen ihm zu!

Quelle:
https://blog.cryptographyengineering.co ... ng-chrome/
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Re: Chrome logt sich automatisch bei Google ein

Beitrag von neO » 24 Sep 2018, 20:34

Etwas überspitzt (aber leider nur etwas):



Google liebt dich!

Und deine Daten.

Und wird mit jedem Teil das du ihm anbietest versuchen in deine Privatsphäre einzudringen.
Sehr Tief.
Tiefer als alle die dich kennen.
Das ist sein Geschäft.

Kein Grund zur Beunruhigung, es handelt sich im Endeffekt nur um "Marketingdaten".

Also wer du bist,
Deine Handynummer ;)
Wo du wohnst,
Wie alt,
Was für Apps auf deinen Androidhandys sind
Was du mit deiner Kreditkarte gekauft hast
Welchen Kulturellen, Politischen, Bildungstechnischen Background du angeblich hast
Was du magst,
Was du nicht magst
Was du alles so in die Suchmaschine schreibst,
Was du alles so auf youtube guckst und wie lange
Was du alles so im Chromebrowser bookmarkst
Wo du alles so mit deinem Android-Smartphone hingehst
Wie lang dein Handy aktiv ist..
Welche Netzwerke dein Handy zum einloggen benutzen darf
Wie lange du in irgendwelchen Netzwerken eingeloggt bist
...
...
......

Aber sei beruhigt, das ist alles nur zu deinem und Googles besten.

Google liebt dich!
Logg dich ein !!!
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Re: Chrome loggt sich automatisch bei Google ein

Beitrag von neO » 25 Sep 2018, 10:36

Dein Playstore läuft bereits immer mit.

Und damit Gmail und Youtube und Chrome und, und, und ....,
Denn dein Konto bei Google ist damit aktiv.

(Außer du hast es deaktiviert)
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Re: Chrome logt sich automatisch bei Google ein

Beitrag von doelf » 25 Sep 2018, 11:02

Oder gelöscht. Was für Android-Nutzer natürlich nicht möglich ist. Hier geht es aber um den Desktop-Browser, denn wer ein Android-Gerät verwedet, ist bei Google eh schon Hoflieferant seiner Daten...
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Re: Chrome logt sich automatisch bei Google ein

Beitrag von neO » 25 Sep 2018, 11:35

Vielleicht kein gmail mehr, dann klappts noch mit dem Desktop Browser.



Bei Android:
Deaktivieren geht, löschen auch.
Dann brauch man natürlich einen Alternativen zuverlässigen App-Markt.



Was Android sonst noch von Google im Hintergrund geupdatet bekommt oder nach Google schickt, sorgt immer für Überraschungen

Nur mit alternativen OS (Lineage OS) kann man sich entscheiden ob man die direkte Googleabhängigkeit braucht oder auch mit alternativsoftware auskommt.


Deaktivieren des Kontos geht am einfachsten.
Und man kann erstmal sehen wie abhängig man sich gemacht hat und was alles googlekonten haben will.

Es ist auch einfach reaktivierbar.
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Re: Chrome logt sich automatisch bei Google ein

Beitrag von doelf » 25 Sep 2018, 11:52

Die Hürden beim Deaktivieren oder Nicht-Anmelden sind für die Masse zu hoch. Der Umstieg auf Lineage OS ist meist kompliziert: Du brauchst das richtige Gerät, das richtige Image (unterschiedliche Gerätevarianten für unterschiedliche Märkte und Provider), musst es rooten, vertrauenswürdige Alternativen zu den Google-Diensten suchen. Das ist was für Bastler. Eine Fix-und-Fertig-Lösung gibt es leider nicht (mehr).
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Re: Chrome 69: Googles Bevormundung wird immer schlimmer

Beitrag von doelf » 25 Sep 2018, 15:00

Die Meldung ist jetzt komplett und geht auf die Portalseite...
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Re: Chrome 69: Googles Bevormundung wird immer schlimmer

Beitrag von neO » 26 Sep 2018, 08:59

Firefox ohne Google Playstore herunterladen kann man hier.
Man muß allerdings regelmäßig selber nach möglichen neuen Versionen gucken.
https://download.mozilla.org/?product=f ... lang=multi
https://support.mozilla.org/de/kb/firef ... stallieren


Im Alternativen App-Markt "F-Droid",
gibt es "Fennec F-Droid", das die aktuellste Firefoxgrundlage benutzt und neue Updates durch den Markt automatisch anzeigt, wenn dieser installiert ist.
https://f-droid.org/packages/org.mozilla.fennec_fdroid/
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Chrome 70 macht den automatischen Login abschaltbar

Beitrag von doelf » 27 Sep 2018, 10:13

Mit der Version 69 brachte Google eine nicht dokumentierte und dennoch sehr wichtige Neuerung für die Computer-Version seines Webbrowsers Chrome: Sobald man sich bei einem Google-Dienst anmeldet, logt sich auch Chrome automatisch und ohne weiter nachzufragen im Google-Benutzerkonto ein. Das soll sich bei der Version 70 wieder ändern. Also zumindest ein klitzekleines bisschen.

Die Causa Auto-Login
Googles Bevormundung seiner Benutzer wird immer unverfrorener, doch mit dem automatischen Login hatte der Internetriese bei vielen Nutzern eine rote Linie überschritten. Darunter befand sich auch der bekannte Verschlüsselungsexperte Matthew Green, der diese Änderung öffentlich in seinem Blog kritisierte und den Wechsel des Browsers empfahl. Offenbar war der Druck groß genug, dass Google nun offiziell Stellung bezogen hat. Tatsächlich will das Unternehmen auch Konsequenzen ziehen.

Nur zum Vorteil der Nutzer?
Zunächst verteidigt Google allerdings seinen Entschluss und erklärt, ein automatischer Login sei zum Vorteil seiner Nutzer und durch die Anzeige des Profilbildes neben der Adressleiste sei dieser auch erkennbar. Auch stehe die Sync-Funktion, über die man Passwörter, Zahlungsmittel und Kontakte zur Verwendung auf anderen Geräten in die Cloud laden kann, nicht sofort zur Verfügung, sondern müsse weiterhin einzeln ausgelöst werden. Wenn der Browser beim Google-Konto angemeldet ist, kann dies allerdings mit einem falschen Klick geschehen. Zudem hatte sich schon Matthew Green - völlig zurecht - gefragt, wann Google mit einer weiteren Entscheidung über die Köpfe seiner Nutzer hinweg die Sync-Funktion zum Standard erklären wird.

Zwei Zugeständnisse
Obwohl ja eigentlich alles total okey-dokey bzw. hunky dory ist, macht Google für Chrome 70, dessen Veröffentlichung für Mitte Oktober geplant ist, zwei Zugeständnisse: Zum einen wird ein neuer Schalter in die Einstellungen integriert, über den die Nutzer den automatischen Login abschalten können. Zum anderen wird die Benutzeroberfläche überarbeitet, so dass der Status von Sync leichter zu erkennen sein wird. Während die zweite Änderung Sinn macht, ist ein Opt-out für den automatischen Login einfach zu wenig: Nur wenige Nutzer verirren sich in die Einstellungen ihrer Webbrowser und die allerwenigsten werden dort nach einem Schalter für den Auto-Login suchen. Einzig ein Opt-in wäre eine saubere und transparente Lösung.

Quelle:
https://www-blog-google.cdn.ampproject. ... dback/amp/
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