Facebook: Bundeskartellamt schränkt Verarbeitung von Nutzerdaten ein

Hier werden aktuelle Meldungen diskutiert
[this is the place to discus news topics]
Antworten
Benutzeravatar
doelf
Moderator
Moderator
Beiträge: 34521
Registriert: 12 Feb 2004, 23:29
Wohnort: Alsdorf
Kontaktdaten:

Facebook: Bundeskartellamt schränkt Verarbeitung von Nutzerdaten ein

Beitrag von doelf » 07 Feb 2019, 17:12

Das Bundeskartellamt geht gegen den Facebook-Konzern, zu dem neben dem weltgrößten sozialen Netzwerk (2,32 Milliarden aktive Nutzer im Dezember 2018) auch der größte Instant-Messaging-Dienst WhatsApp (mehr als 1,50 Milliarden aktive Nutzer) und der Foto-/Video-Blog Instagram (mehr als 1,00 Milliarden aktive Nutzer) gehören, vor und verbietet diesem die Zusammenführung der gesammelten Daten deutscher Benutzer.

Wer sich bei Facebook anmeldet, muss gemäß der Nutzungsbedingungen zustimmen, dass Facebook seine Nutzerdaten auch über die konzerneigenen Dienste WhatsApp und Instagram, über Apps sowie über Drittanbieter-Seiten sammelt. Alle gesammelten Daten werden von Facebook zu einem Benutzerkonto zusammengeführt, welches tiefe Rückschlüsse auf das Leben, die gesellschaftlichen, politischen und religiösen Überzeugungen sowie auf die beruflichen und privaten Aktivitäten des Nutzers ermöglicht. Facebook nutzt diese Informationen, um dem Nutzer thematische Vorschläge sowie gezielte Werbung zu unterbreiten. Für den Benutzer besteht keine Möglichkeit, diese Datenverarbeitung zu beschränken oder zu unterbinden.

Diese Datenallmacht will das Bundeskartellamt nun brechen, da es Facebook angesichts der extrem hohen Benutzerzahlen in einer marktbeherrschenden Position sieht, welche der US-Konzern nach Ansicht der Wettbewerbshüter für seine Zwecke missbraucht. Dies gilt umso mehr, da mit Google+ ein wichtiger Mitbewerber zum April 2019 eingestellt wird. Bei Diensten wie LinkedIn, Snapchat, Twitter, Xing oder YouTube sieht das Bundeskartellamt eine andere Ausrichtung, da sie sich auf bestimmte Teilbereiche spezialisiert haben. Facebook treibe mit seiner "faktisch grenzenlosen Sammlung und Zuordnung von Nicht-Facebook-Daten" derweil einen Monopolisierungsprozess voran, aus dem sich besondere kartellrechtliche Pflichten ergeben.

Wenn Interessenten vor die Wahl gestellt werden, entweder einer generellen Datenerfassung und Verarbeitung zuzustimmen oder komplett auf die Dienste des Unternehmens verzichten zu müssen, ergebe sich eine Zwangssituation, aufgrund der man nicht mehr von einer freiwilligen Einwilligung sprechen könne. Das Bundeskartellamt fordert daher eine Auftrennung der Daten auf die einzelnen Dienste, also Facebook, WhatsApp und Instagram, welche der Benutzer optional aufheben kann. Auch eine Zuordnung von auf Drittseiten gesammelten Daten soll nur noch dann erlaubt sein, wenn der Benutzer dieser Praxis zuvor ausdrücklich zugestimmt hat. Die Wettbewerbshüter erwarten, dass Facebook entsprechende Lösungsvorschläge erarbeitet und vorlegt.

Das Bundeskartellamt hatte im Vorfeld intensiv mit führenden Datenschutzbehörden zusammengearbeitet und sieht bei Facebook einen klaren Verstoß gegen europäische Datenschutzvorschriften. Insofern ist die deutsche Vorlage auch für andere EU-Länder interessant, die mit einer vergleichbaren Datenkonzentration zu kämpfen haben. Bisher ist die Entscheidung des Bundeskartellamtes noch nicht rechtskräftig. Facebook kann innerhalb eines Monats Beschwerde einlegen, womit der Fall an das Oberlandesgericht Düsseldorf ginge. In einer ersten Stellungnahme fühlt sich Facebook missverstanden: Man halte sich sehr wohl an die europäischen Datenschutzvorschriften, stehe in einem harten Wettbewerb und sieht sich nicht einmal als Marktführer.

Quelle:
https://www.bundeskartellamt.de/SharedD ... nn=3591568
. Tails . Linux . USB . CD . Secure Desktop . IRC . Truecrypt . Tor .

Antworten