Apple: iPhone 11 ohne 5G, iPad ohne Ideen, Apple TV+ ohne Inhalte

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Apple: iPhone 11 ohne 5G, iPad ohne Ideen, Apple TV+ ohne Inhalte

Beitrag von doelf » 11 Sep 2019, 15:46

Am gestrigen Abend hatte Apple mit reichlich viel Tamtam ein wenig Produktpflege betrieben. Die iPhones der 11er-Serie besitzen eine Doppel- bzw. Triple-Kamera, eine schnellere CPU und bieten eine längere Akku-Laufzeit. Beim iPad wurde nur der Bildschirm vergrößert, das Display der 5. Watch-Generation leuchtet immer und der Streaming-Dienst Apple TV+ startet zu Kampfpreisen mit sehr überschaubarem Inhalt. iOS 13 soll am 19. September 2019 zum Download freigegeben werden.

Betrachten wir nun Apples Produktpflege im Detail:

Das iPad wächst ein wenig
Das iPad ist schnell abgehandelt, denn beim Einstiegsmodell dieser Geräteklasse hat sich Apple keine Mühe gegeben: Der Nachfolger der 6. Generation von März 2018 bekommt lediglich eine von 9,7 auf 10,2 Zoll (2.160 x 1.620 Pixel bei 264 ppi) angewachsene Bilddiagonale und kann jetzt das Smart Keyboard nutzen. Wie bisher wird nur die ersten Generation des Apple Pencil unterstützt. Auch unter der Haube bleibt es beim alten A10 Fusion und auch die Kamera mit 8 Megapixel Auflösung hat Apple nicht angetastet. Mit unveränderten Preisen von 379 Euro für 32 GB und 479 Euro für 128 GB zielt Apples Produktpräsentation konsequent auf Schüler. Für die Mobilfunk-Varianten werden 519 bzw. 619 Euro fällig, dafür gibt es dann aber auch Gigabit-LTE. Die Vorbestellung für das neue iPad läuft am 30. September 2019 an, ausgeliefert werden die Tablets ab dem 14. Oktober 2019.

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Apple Watch 5 bringt Always-On-Display
Apples Smartwatch bleibt auch in der fünften Generation optisch unverändert, doch nun zeigt die Uhr die Zeit immer an. Dieser sensationelle Retro-Charme wurde durch eine Drosselung der Bildwiederholrate des OLED-Displays möglich, die sich nun bis auf 1 Hz absenken lässt. Da das aber immer noch nicht ganz reicht, wird das Display abgedunkelt, wenn der Benutzer nicht hinsieht - aber eben nicht komplett schwarz geschaltet. Die Akkulaufzeit verharrt bei ca. 18 Stunden, so dass tägliches Aufladen notwendig bleibt. Die weiteren Neuerungen sind eine Kompass-App, eine neue Notruffunktion für die Cellular-Varianten sowie Titan als Gehäusematerial. Die Preise beginnen bei 449 Euro, die Vorbestellungen laufen bereits und erhältlich wird die Apple Watch 5 ab dem 20. September 2019 sein.

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Apple TV+
Am 1. November 2019 wird der neue Streaming-Dienst Apple TV+ starten und nur 4,99 Euro pro Monat kosten. Darin enthalten ist allerdings schon ein Zugang für bis zu sechs Personen, weshalb wir von einem sensationellen Kampfpreis sprechen möchten. Wer ein neues iPhone, iPad, einen neuen iPod touch, Mac oder ein neues Apple TV kauft, bekommt Apple TV+ sogar für ein ganzen Jahr geschenkt. Alle anderen können den Dienst für sieben Tagen kostenlos ausprobieren. Der Haken: Apple hat bislang nur wenige Inhalte vorgestellt. Offenbar soll die geringe Abogebühr die Kunden anderer Streaming-Dienste animieren, Apple TV+ zusätzlich zu bestellen. Damit hätte Apple sozusagen den Fuß in der Tür und kann bei einer späteren Ausweitung seines Angebots auf Wechselwillige hoffen.

iPhone 11
Beim iPhone setzt Apple weiterhin auf ein Triumvirat und behält auch die Bildschirmgrößen bei, ändert dafür aber wieder mal sein Namensschema: Der Nachfolger des iPhone XR heißt iPhone 11, das iPhone Pro beerbt das iPhone XS und letzteres gibt es auch wieder als größere Max-Variante. Das IPS-Display des iPhone 11 hat weiterhin eine Diagonale von 15,5 cm (6,1 Zoll), eine Auflösung von 1.792 x 828 Pixel (326 ppi), ein typisches Kontrastverhältnis von 1.400 zu 1 und eine maximale Helligkeit von 625 Nits. Zusätzlich zu 64 und 128 GB gibt es nun auch eine Variante mit 256 GB Flash-Speicher und bei den Farben wurden Blau und Koralle durch Grün und Violett ersetzt. Die Preise starten bei 799 Euro (Eintauschprämie: maximal 210 Euro), das iPhone XR gibt es aktuell ab 699 Euro (Eintauschprämie: maximal 150 Euro).

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Die Hauptkamera hat weiterhin 12 Megapixel, eine Blende von f/1,8 und ein Weitwinkelobjektiv. Doch dazu gesellt sich beim iPhone 11 eine zweite Kamera mit ebenfalls 12 Megapixel, einer Blende von f/2,4 und einem Ultraweitwinkelobjektiv. Hieraus resultiert ein zweifacher optischer Zoom, digital bleibt es bei 5-facher Vergrößerung. Die TrueDepth-Kamera (Blende f2,2), welche für Selfies und die Gesichtserkennung Face ID genutzt wird, wurde von 7 auf 12 Megapixel aufgewertet. Apple verspricht sich hiervon eine zuverlässigere Gesichtserkennung, zudem lassen sich nun, wie bei der Hauptkamera, 4K-Videos mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde aufzeichnen. Neu sind auch Gigabit-fähiges LTE, schnelleres WLAN gemäß IEEE 802.11ax bzw. Wi-Fi 6 sowie ein "Ultrabreitband-Chip für räumliches Bewusstsein".

Eine wesentliche Verbesserung ist auch der neue Prozessor. Obwohl der A13 Bionic weiterhin mit 7-nm-Strukturen gefertigt wird, bietet er laut Apple rund zwanzig Prozent mehr Leistung bei längerer Akku-Laufzeit (17 statt 16 Stunden lokale Videowiedergabe). Es ist möglich, den Akku in einer halben Stunde zu 50 Prozent zu laden, doch das dafür benötigte 18-W-Netzteil legt Apple nicht bei. Stattdessen gibt es wieder nur das bekannte 5-W-Ladegerät. Abmessungen (75,7 x 150,9 x 8,3 mm) und Gewicht (194 g) entsprechen exakt denen des iPhone XR, allerdings darf man das iPhone 11 aufgrund seiner IP68-Klassifizierung einen Meter tiefer unter Wasser tauchen als seinen Vorgänger (IP67). Die Vorbestellungen werden am 13. September 2019 um 14 Uhr freigeschaltet und die Auslieferung beginnt eine Woche später.

iPhone 11 Pro
Eine Preisstufe höher, ab 1.149 Euro (Eintauschprämie: maximal 310 Euro), finden wir das iPhone 11 Pro mit seinem 14,7 cm (5,8 Zoll) großen OLED-Display. Während sich die Auflösung (2.436 x 1.125 Pixel bei 458 ppi) im Vergleich zum iPhone XS unverändert zeigt, konnte Apple den Kontrast auf 2 Millionen zu 1 verdoppeln. Der integrierte Flash-Speicher fast weiterhin 64, 256 oder 512 GB, doch als weitere Farbe wurde Nachtgrün ergänzt. Das iPhone 11 Pro ist ein wenig auf 71,4 x 144,0 x 8,1 mm gewachsen und hat um 11 g auf 188 g zugelegt. Alles Gesagte gilt auch für das iPhone 11 Pro Max, dort ist lediglich das Display mit 16,5 cm (6,5 Zoll) und 2.688 x 1.242 Pixel (458 ppi) größer und die Preise beginnen erst bei 1.249 Euro. Das neue Max misst nun 77,8 x 158,0 x 8,1 mm, mit 226 g ist es 18 g schwerer als sein Vorgänger.

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Auch bei den Pro-Modellen stellen der A13 Bionic, Gigabit-LTE und die neuen Kameras den echten Mehrwert dar, wobei sich die höhere Effizienz des Prozessors im Zusammenspiel mit dem OLED-Display stärker bemerkbar macht. Bei der Videowiedergabe hält das iPhone Pro mit 18 Stunden gleich vier Stunden länger durch und die Max-Variante schafft mit 20 Stunden sogar ein Plus von fünf Stunden. Im Gegensatz zum einfachen iPhone 11 besitzen die Pro-Modelle eine 3-fach Kamera: Zu Weitwinkel (f/1,8) und Ultraweitwinkel (f/2,2) gesellt sich ein Teleobjektiv mit der Blende f/2,0. Auch diese Kamera bietet eine Auflösung von 12 Megapixel und erweitert die zweifache Vergrößerung um ein zweifaches Auszoomen. Die TrueDepth-Kamera (12 Megapixel, Blende f2,2) für Selfies und Face ID entspricht indes der Variante des iPhone 11.

Hinsichtlich des WLAN scheint sich ein Fehler eingeschlichen zu haben, da Apple IEEE 802.11ac statt 802.11ax nennt, aber dennoch von "WLAN 6" spricht. Einen "Ultrabreitband-Chip für räumliches Bewusstsein" besitzen natürlich auch die Pro-Modelle. Deren IP68-Klassifizierung erlaubt es, die Telefone für 30 Minuten bis zu 4 Meter unter Wasser zu tauchen, während das einfache iPhone 11 auf zwei Meter limitiert ist. Die Vorbestellungen für die Pro-Modelle werden ebenfalls am 13. September 2019 um 14 Uhr freigeschaltet. Ab dem 20 September 2019 kann man das neue Telefon in seinen Händen halten. Mit im Karton befindet sich dann auch das 18-W-Netzteil, das Apple beim iPhone 11 einspart, so dass der Akku von iPhone 11 Pro und iPhone 11 Pro Max binnen 30 Minuten zur Hälfte geladen ist.

Quo Vadis, Apple?
Die Zeiten, als Apple mit seinen Produkten neue Trends setzte oder gar neuen Geräteklassen zum Durchbruch verhalf, scheinen lange vorbei. Evolution statt Revolution, lautet das Firmenmotto unter Tim Cook offenbar. Das funktionierte zwar lange gut, doch inzwischen hechelt Apple dem Markt hinterher. Den Trend zu größeren Displays hatte man in Cupertino lange verschlafen, ebenso die Integration mehrerer Kameras. In diesen Bereichen hat Apple zwar nachgelegt, dabei aber die Probleme seiner Mitbewerber übernommen, denn nun wirkt auch das iPhone klobig - insbesondere die Pro-Varianten mit ihrer Triple-Kamera. Die Eintauschprämien werden helfen, Apples Marktanteile zu festigen, doch ein Ausbau scheint sehr unwahrscheinlich.

Dass den iPhones der 11. Generation 5G fehlt, das meist gehypte Feature dieses Jahres, scheint da symptomatisch. Sicher, in Deutschland ist die 5G-Abdeckung lächerlich dünn und spielt aktuell noch keine Rolle, doch das wird sich ändern - und in anderen Ländern vermutlich noch viel schneller. Warum sollte man im Jahr 2019 für ein Gerät der absoluten Spitzenklasse über 1.000 Euro auf den Tisch legen, wenn es kein 5G hat? Viele Kunden werden sich genau diese Frage stellen und auf 2020 und das iPhone 12 warten. Oder, schlimmer noch, sie werden ins Android-Lager wechseln. Wir hegen jedenfalls große Zweifel, dass Apple seine Marktanteile mit dem iPhone 11 wieder steigern wird.

Quelle:
https://www.apple.com/de/apple-events/september-2019/
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