Huawei bietet US-Firmen seine 5G-Technologie an

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Huawei bietet US-Firmen seine 5G-Technologie an

Beitrag von doelf » 12 Sep 2019, 23:16

Thomas L. Friedman, ein Auslandskolumnist der New York Times, hat die seltene Gelegenheit ergriffen, ein Interview mit Huaweis Gründer und CEO Ren Zhengfei zu führen. In diesem bietet Ren an, die komplette 5G-Technologie seiner Firma an US-amerikanische Unternehmen zu lizenzieren. Inklusive der Möglichkeit, alle Sicherheitsbelange zu untersuchen und Änderungen vorzunehmen.

Man darf dieses außerordentliche Angebot wohl als Olivenzweig in Richtung Donald Trump verstehen, denn dieser hatte US-Amerikanischen Firmen die weitere Zusammenarbeit mit Huawei aufgrund von Sicherheitsbedenken untersagt. Wenn Huawei seine Technologie allerdings offenlegt und damit, wie Ren es formuliert, das Gleichgewicht zwischen den USA, China und Europa wiederherstellt, wären solche Bedenken auf einen Schlag ausgeräumt. Das Wort "Gleichgewicht" bezieht sich darauf, dass Europa (Nokia, Ericsson) und China (Huawei, ZTE) die notwendigen Technologien zum Aufbau von 5G-Netzen besitzen, die USA aber nicht. Ein Sprecher Huaweis hat Rens Angebot zwischenzeitlich als authentisch bestätigt.

Ein Rückblick
Am 15. Mai 2019 hatte US-Präsident Donald J. Trump eine Exekutivverordnung erlassen, welche einen "nationalen Notstand" im Bereich der "Informations- und Kommunikationstechnologien oder -diensten" bewältigen soll. Obwohl nicht namentlich erwähnt, zielt Trump mit dieser Verordnung auf China und insbesondere auf Huawei. Die US-Regierung und US-Geheimdienste werfen Huawei vor, von der chinesischen Regierung kontrolliert zu werden. Das Unternehmen soll im Auftrags China spionieren und hierfür auch Hintertüren in seinen Produkte einbauen. Obwohl bisher kein Beweis für diese Behauptungen vorgelegt wurde, schließt die US-Regierung Huawei vom Netzausbau in den Vereinigten Staaten aus und übt starken Druck auf andere Länder aus, ihrem Beispiel zu folgen.

Im Mai 2019 setzte Trump dann Huawei und 68 seiner Tochterunternehmen auf eine schwarze Liste, welche US-Unternehmen die Zusammenarbeit mit den Chinesen verbietet. Hiervon sind nicht nur Chiphersteller wie Broadcom, Cypress, Intel, Lumentum, Micron, Qualcomm und Xilinx, sondern auch Software-Firmen wie Microsoft (Windows, Office), Google (Android nebst Playstore und Suche) und Facebook (Facebook, Instagram, WhatsApp) betroffen. Auch der britische CPU-Entwickler ARM und andere Firmen, deren Technologie zu großen Teilen auf US-amerikanischen Patenten und Lizenzen basiert, fallen unter diese Handelssperre. Doch ohne diese überlebenswichtigen Hard- und Software-Lizenzen wäre der chinesische Elektronikriese über Nacht K.o. gegangen.

Mit ihrem harten Handelsbann hatte die Trump-Regierung allerdings auch viele US-amerikanische Zulieferer getroffen, die nun auf ihren Chips sitzenzubleiben drohten. Weitere Risiken gingen von ungepatchten Sicherheitslücken in Huawei-Geräten aus, es drohten gar Ausfälle im Bereich von Rechenzentren und mobiler Infrastrukturen. Daher ersann man eine 90-tägige Gnadenfrist, die es den USA ermöglichte, ihre Drohkulisse aufrecht zu erhalten, während man mit den Chinesen über einen Deal schacherte. Ende Juli hatte Trump sogar den Abschluss eines Deals mit dem chinesischen Präsidenten Xi getwittert, doch stattdessen gab es weitere Zölle.

Als die Gnadenfrist für Huawei und 68 Tochterunternehmen am 19. August 2019 endete, wurde sie um weitere 90 Tage verlängert. Und damit man diese Maßnahme nicht als Schwäche missverstehen kann, legte US-Handelsminister Wilbur Ross noch einmal nach und setzte weitere 46 Tochterunternehmen sowie mehr als einhundert Personen mit Verbindungen zu Huawei auf die schwarze Liste. Die ersten Folgen des Boykotts werden dennoch sichtbar, denn Huaweis neues Flaggschiff Mate 30 muss ohne Google-Dienste (Play Store, Gmail, Maps, Google Suche) auf den Markt kommen, da die Gnadenfrist nicht für neue Geräte gilt.

Quelle:
https://www.nytimes.com/2019/09/10/opin ... trade.html
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