Seite 1 von 2

Kolumne: Niemand hat vor, Windows 7 abzuschalten

Verfasst: 13 Jan 2020, 20:54
von doelf
Zu früh gekommen: "Am heutigen Dienstag endet der Support von Microsoft für das Betriebssystem Windows 7" meldet Spiegel Online am heutigen Montag und trägt mit zur Verwirrung bei, welche seit Wochen durch die Medien geistert. Selbst in Werbeprospekten wird davor gewarnt, dass mit Windows 7 Schluss sei und Microsoft das Programm jetzt beende. Doch halt: Es gibt keinen Grund, den heimischen PC mit Benzin zu übergießen und anzuzünden!

Support nur noch gegen Geld und nur noch für Geschäftskunden
Fakt ist, dass Microsoft seinen zehnjährigen Support-Zeitraum für Windows 7 am morgigen Dienstag mit einer letzten Runde Updates beenden wird. Selbst kritische Fehler werden dann nicht mehr behoben, es sei denn man ist ein Unternehmen und schließt einen kostenpflichtigen Support-Vertrag bei Microsoft ab. Nur dann gibt es für maximal drei weitere Jahre Notfallflicken, wobei dieser teure Spaß privaten Nutzern erst gar nicht angeboten wird. Microsoft hatte diese Option eigentlich nur für große Unternehmen und Behörden geplant, musste sie dann aber kurzfristig auch für kleinere Geschäfte öffnen, weil Windows 7 nach wie vor auf einem Drittel aller PCs läuft und viele Geschäftskunden mit dem Wechsel auf Windows 10 und Office 365 hadern - auch weil spezielle Anwendungen und Geräte nicht kompatibel sind.

Die unmittelbaren Folgen des Support-Endes
Was morgen anders sein wird, lässt sich mit zwei Worten zusammenfassen: "Gar nichts". Es ist der zweite Dienstag im Monat, also wird Windows 7 im Laufe des Abends Updates finden und diese installieren. Tatsächlich wird sich die Veränderung erst am 11. Februar 2020 zeigen, denn dann wird es erstmals keine neuen Updates für Windows 7 geben. Sollte am Mittwoch eine neue Malware auf den Plan treten, die Windows-7-PCs in Geiselhaft nimmt, wird Microsoft theoretisch keinen Finger mehr rühren. Die Erfahrung mit Windows XP hat allerdings gezeigt, dass kostenpflichtige Sicherheits-Updates in Ausnahmesituationen auch mal an alle verbliebenen Nutzer verteilt werden. Schließlich will Microsoft zum Upgrade auf Windows 10 drängen, aber keine frustrierten Nutzer an macOS oder Linux verlieren.

Es wird mit zweierlei Maß gemessen
In den vergangenen Wochen hatten On- und Offline-Händler vor dem Support-Ende gewarnt, um geneigte Kunden zum Kauf neuer Computer zu animieren. Dies halten wir aus drei Gründen für verlogen: Erstens vergessen die Händler darauf hinzuweisen, dass Windows 10 auf fast jedem PC, der bisher Windows 7 ausführt, mit einer vergleichbaren Geschwindigkeit läuft. Zweitens kann jeder Windows 10 bei Microsoft kostenlos herunterladen und mit dem vorhandenen Produktschlüsseln von Windows 7, 8 oder 8.1 aktivieren. Und drittens verkaufen diese Händler ohne mit der Wimper zu zucken Smartphones mit veralteten Android-Versionen bzw. irgendwelche smarte Geräte, die nie irgendwelche Updates sehen werden.

Also muss man gar nicht wechseln?
Eine alte Weisheit lautet: Man muss nur sterben. Alles andere ist optional, so auch der Wechsel zu Windows 10 oder - wenn wir schon einmal dabei sind - zu Linux oder BSD. Da die meisten Nutzer den Abschied von der vertrauten Windows-Umgebung und Microsoft Office scheuen und sich Windows 10 derzeit noch kostenlos installieren lässt, bietet sich dieser Pfad an. Und ja, man sollte jetzt zeitnah auf Windows 10 umsteigen. Einen Grund für Panik oder Kurzschlusskäufe sehen wir hingegen nicht. Wer seinen Rechner geschäftlich nutzt, steht natürlich stärker unter Zugzwang als ein privater Anwender, der zur Not mal ein paar Tage auf den PC verzichten kann. Übrigens: Wer noch eine herkömmliche Festplatte verwendet, kann seinen alten Windows-7-PC mit einem SSD spürbar beschleunigen!

Kein Grund zum Jammern!
Was wir indes nicht mehr hören können, ist diese elende Jammerei. Microsoft hatte die Spielregeln für Windows 7 vor zehn Jahren verkündet und diese auch eingehalten. Windows 7 ist ein kommerzielles Produkt, somit ist die Frage der Wirtschaftlichkeit für eine Firma wie Microsoft von höchster Bedeutung. Und da die Quellen geschlossen sind, kann auch niemand die weitere Pflege der Software übernehmen. Wer das nicht will, kann jederzeit zu Linux und LibreOffice wechseln. Und ja, wir freuen uns über jeden, der diesen Schritt wagt. Wer sich hingegen in eine Abhängigkeit von Microsoft begibt, tut dies bewusst und muss mit den Nachteilen einer solchen Geschäftsbeziehung leben. Das tun wir auch, zumindest auf einigen Rechnern. Der älteste davon ist zehn Jahre alt und alle haben das Upgrade auf Windows 10 kostenlos erhalten!

Re: Kolumne: Niemand hat vor, Windows 7 abzuschalten

Verfasst: 13 Jan 2020, 22:08
von neO
Ich habe einem älteren Herren auf sein bitten hin
Win 10 und Linux Mint im Dualboot installiert.

Auf einem 5 Jahre alten Laptop der noch eine neue 1TB SSD Festplatte für rund 100 Eu bekam.

Aufgrund meines Supportunwillens für Probleme mit dem Datenkraken-Werbungsmonster Win 10 wurde das Linux getestet und meinerseits Icons und Schrift groß eingestellt.

Die Festplatte bekam eine Win 10-, eine Linux- und eine Datenpartition (ntfs) damit auf sie von beiden Betriebssystemen aus zugegriffen werden konnte.

Ein Problem war, dass in Windows das Fastboot ausgeschaltet werden mußte damit auch Linux auf die Datenpartition zugreifen konnte (anleitung im internet leicht findbar).

Nun rennt die Kiste wieder und das schnellere Linux konnte gleich die Funkmaus richtig einstellen lassen und PDFs anzeigen und Tabellenkalkulation in libreoffice öffnen wo Windows Probleme hatte und der adobe pdf reader oder windows office private daten von einem wollten.

Sogar einen linux drucker treiber von der Herstellerseite funktionierte auf Anhieb.

In diesem Fall 1:0 für Linux.

Re: Kolumne: Niemand hat vor, Windows 7 abzuschalten

Verfasst: 14 Jan 2020, 23:58
von doelf
Wer nicht spielt oder besondere Software (CAD) benötigt, sollte mit Linux, LibreOffice, Gimp, Firefox und Thunderbird bestens zurecht kommen. Nur fehlt den meisten der Mut und heh, dieses Windows ist doch schon installiert :?

Re: Kolumne: Niemand hat vor, Windows 7 abzuschalten

Verfasst: 16 Jan 2020, 10:02
von Mausolos
Für all diejenigen, die MS-Windows 7 weiterhin nutzen wollen oder müssen, aber nicht Online gehen zu brauchen, wäre vielleicht eine Neuinstallation von Win7 interessant, die bereits alle Updates bis zum 14. Jan. 2020 enthält.
So kann einmal gründlich ausgemistet und sogar Win7 parallel zu WinX installiert werden — oder Win7 parallel zu Linux — oder Win7 in einer Virtuellen Maschine unter Mac OS X, Linux oder MS-Windows.

Hast du Lust und Zeit, mal diesen Artikel Guide - Ein aktuelles Installationsmedium für Windows 7 erstellen upzudaten, doelf?

Re: Kolumne: Niemand hat vor, Windows 7 abzuschalten

Verfasst: 16 Jan 2020, 10:28
von doelf
Lust: Ja.
Zeit: Nein.

Habs auf die 2do-Liste gestellt!

Re: Kolumne: Niemand hat vor, Windows 7 abzuschalten

Verfasst: 17 Jan 2020, 15:10
von Inovator
Es ist schon sehr weit hergeholt, wenn im Artikel gesprochen wird: "... sollte zeitnah upgedatet werden", wo es Win10 nun schon beinahe 10 Jahre gibt. Und natürlich, mit diesem Zeithorizont vor Augen, wäre es dann halt auch überlegenswert die Hardware zu überarbeiten oder vielleicht gar zu ersetzen.

Re: Kolumne: Niemand hat vor, Windows 7 abzuschalten

Verfasst: 17 Jan 2020, 21:21
von neO
Golem zu Windows 7 zu Linux Umstieg:


2020-01-14
https://www.golem.de/news/support-ende- ... 46027.html

Re: Kolumne: Niemand hat vor, Windows 7 abzuschalten

Verfasst: 19 Jan 2020, 10:42
von doelf
Inovator hat geschrieben: 17 Jan 2020, 15:10 Es ist schon sehr weit hergeholt, wenn im Artikel gesprochen wird: "... sollte zeitnah upgedatet werden", wo es Win10 nun schon beinahe 10 Jahre gibt. Und natürlich, mit diesem Zeithorizont vor Augen, wäre es dann halt auch überlegenswert die Hardware zu überarbeiten oder vielleicht gar zu ersetzen.
Windows 10 wurde am 29. Juli 2015 veröffentlicht, für mich sind das 4,5 Jahre und keineswegs 10. Zudem gab es, solange Windows 7 mit Updates versorgt wurde, für viele Nutzer keinen Grund zum Umstieg. Ausnahme: Gamer.

Während sich Windows 10 auf privaten Systemen recht schnell und unkompliziert einspielen lässt - hier fehlen mal Treiber für Drucker, WLAN-Adapter oder Grafikkarten, steht man beim Einsatz von Spezialgeräten (z.B. in Arztpraxen) oder spezieller Software (z.B. CAD) schnell vor dem Problem, mehrere Tausend oder zehntausend Euro stemmen zu müssen. SOLIDWORKS 3D-CAD Premium liegt bei 10.000 Euro, die entsprechende Simulationsvariante bei 15.000 Euro. Im Normalfall kauft man gleich die neue Workstation beim SOLIDWORKS-Verkäufer mit und schließt für ein paar Tausender im Jahr einen Support-Vertrag ab. Kleinere Büros können das nicht einfach mal so stemmen und aufgrund von Lizenzprüfungen kann man manche Rechner nicht mal vom Internet trennen.

Was die Anschaffung neuer Hardware betrifft: Warum? Gut, der Gamer ist dazu gezwungen - Leistung und aktuelle Treiber gibt es nur für aktuelle Hardware. Aber ein acht Jahre alter Core i3 reicht locker für Internet und Office und ein Core i5 für Multimedia. RAM ist billig, SSDs sinds auch. Also auf 8+ GiB Arbeitsspeicher aufrüsten und Festplatten durch SSDs ersetzen - das spürt man. Den Unterschied zwischen einem acht Jahre alten Core i5 und einem aktuellen Modell der gleichen Klasse spüre ich im Alltag kaum (Ausnahmen: Spiele, Videobearbeitung). Da ich beruflich mit meinen PCs arbeite und diese täglich brauche, habe ich sie nach 8 bzw. 9 Jahren durch neue ersetzt. Und ja, die alten liefen noch einwandfrei. Gestern hatte ich für Kunden drei Notebooks aufgerüstet und auf Windows 10 aktualisiert. 8 GiB RAM und eine SSD (zusammen 70 Euro) und die Teile fliegen wieder. Ach ja: Es hat auch geholfen, die vier bis sechs Virenscanner pro Gerät zu entfernen ;-)

Was mich derweil fuchsig macht, sind Verkäufer und Online-Shops, die den Kunden Angst machen. "Sobald Microsoft ihren PC nicht mehr schützt, kann den jeder übernehmen und beispielsweise ihr Bankkonto leerräumen". Klar, diese Gefahr besteht. Aber auch bei Windows 10, wie der aktuelle Signaturprüfungs-Bug zeigt. Oder wenn bedenkenlos alle mögliche Software heruntergeladen und installiert wird. Wenn beim vermeintlich benötigten PDF-Tool die Installation eines modernen Crypto-Trojaners empfohlen wird, werden viele Nutzer auch den mitnehmen, wird ja empfohlen. Und sowieso scheint jeder selbsternannte Computerexperte als erstes die UAC (User Account Control) zu deaktivieren. Wie konnten nur die ganzen Viren auf den PC kommen? Genau so! Machen wir uns nichts vor: Auch Windows 10 ist nicht sicher, solange die Probleme vor der Tastatur sitzen.

Aber es stimmt natürlich auch, dass Windows 10 sicherer ist als ein Windows 7 ohne Support. Und daher sollte man zeitnah umsteigen.

Gruß

Michael

Re: Kolumne: Niemand hat vor, Windows 7 abzuschalten

Verfasst: 20 Jan 2020, 20:23
von wigor666
Hallou,

und in 5 Jahren geht der Spuk von vorn los.

Re: Kolumne: Niemand hat vor, Windows 7 abzuschalten

Verfasst: 22 Jan 2020, 16:08
von doelf
Zum Glück wird ein Großteil der verbliebenen Möhren bis dahin ins Gras gebissen haben :twisted: