Deutscher Computerspielpreis: Provinzposse statt Blockbuster

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doelf
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Deutscher Computerspielpreis: Provinzposse statt Blockbuster

Beitrag von doelf » 11 Apr 2019, 10:07

"Der bedeutendste Preis für Games in Deutschland" wurde in diesem Jahr zum elften Mal verliehen. Verantwortlich sind die Bundesregierung und game, der Verband der deutschen Games-Branche. Und so gab es statt großer Namen auch 2019 wieder eine provinzielle Politikposse mit YouPorn-Kalauern zum Fremdschämen. Die Preisträger sind dementsprechend keine Blockbuster, aber zumindest ganz nett.

Als "Bestes Deutsches Spiel" wurde das Point-and-Click-Adventure "Trüberbrook" von Bildundtonfabrik ausgezeichnet. Die Macher erhalten 110.000 Euro als Preisgeld plus die selbe Summe von den beiden Medienpartnern "Computec Media Group" und "Webedia Deutschland". Dazu kommen nochmals 40.000 Euro für die "Beste Inszenierung". Zum "Besten Kinderspiel" wurde "Laika" von Mad About Pandas gekürt und "Unforeseen Incidents" von Backwoods Entertainment hat die Auszeichnung "Bestes Jugendspiel" erhalten. Beide bekommen 75.000 Euro Preisgeld plus 50.000 Euro Medienleistungen.

Bekannte Namen finden sich nur in den internationalen Kategorien:
  • Beste Internationale Spielewelt: "Red Dead Redemption 2" von Rockstar Games
  • Bestes Internationales Multiplayer-Spiel: "Super Smash Bros. Ultimate" von Nintendo
  • Bestes Internationales Spiel: "God of War" von Sony Interactive Entertainment
Und das offenbart gleich zwei Probleme: Zum einen sind die millionenschweren Budgets der internationalen Blockbuster in Deutschland nicht aufzutreiben, zum anderen richten sich die meisten dieser Produktionen an ein erwachsenes Publikum - sowohl "Red Dead Redemption 2" als auch "God of War" haben eine Freigabe ab 18 erhalten! Ein Großteil der Spielebranche lebt von blutigen Killer- und Kampfspielen, gleich ob diese nun einen militärischen oder einen phantastischen Hintergrund aufweisen. Es wird gekämpft, es wird getötet und es wird damit viel Geld verdient.

Die obigen Zeilen sind keinesfalls moralisierend zu verstehen. Wie die internationalen Preise zeigen, schließen sich Gewalt und gute Spielkonzepte keinesfalls aus. Zugleich scheinen solche Produktionen nicht ins politisch korrekte Konzept für die nationalen Preise zu passen und müssen daher für flache Witzeleien herhalten. Moderatorin Ina Müller hatte zumindest nicht ihren besten Tag erwischt, als sie Andreas Scheuer (CSU) nach seinem Feierabendritual fragte: Killerspiele oder YouPorn oder beides? Dabei hat ein Verkehrsminister mit Sex so viel zu tun wie die Herstellerangaben mit den realen Abgasen.

Am Ende der Provinzposse bleibt noch der Publikumspreis, der an "Thronebreaker: The Witcher Tales" von CD Projekt Red geht. Wie die zugehörige Produktseite schreibt, handelt es sich um "eine neue Saga, die im brutalen und faszinierendem Universum des Hexers Geralt von Riva spielt". Es wird also die Welt der Erfolgsreihe "The Witcher" wiederbelebt. Das klingt blutiger, als es ist, denn die Kämpfe werden in Form von Kartenspielen ausgetragen, was zur PEGI-Einstufung (Pan European Game Information) ab 12 geführt hat. Stellt sich die Frage, warum in Polen internationale Erfolgstitel entstehen, in Deutschland aber nicht.

Quelle:
https://deutscher-computerspielpreis.de ... preis-2019
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