Frage zu Elektronik, Elektrizität (Stromschlag, Kurzschluss, Erde)

Wenn etwas nicht so funktioniert, wie es eigentlich soll, findet ihr hier Hilfe
[if something goes wrong, look here for helpful answers]
Peter38
Overclocker
Overclocker
Beiträge: 164
Registriert: 27 Mär 2005, 09:21
Wohnort: bei Rottweil

Re: Frage zu Elektronik, Elektrizität (Stromschlag, Kurzschluss, Erde)

Beitrag von Peter38 » 24 Jul 2017, 15:28

Hallo Forum,

darf ich meinen Senf auch noch dazu geben?
Folgendes habe ich gelernt.

Wie oben richtig dargelegt, wird bei der gemeinen Hausverdrahtung seit einigen Jahren folgendermaßen vorgegangen:

Der schwarze Leiter, er führt die Phase, wird mit "L" bezeichnet.
Der blaue Leiter, wird mit "N" bezeichnet. Wenn die Verkabelung ohne Fehler ist, so ist an diesem Leiter KEINE Spannung.
Der grün / gelbe Leiter ist die Schutzerde oder Schutzleiter, er führt natürlich auch keine Spannung.

Seit eineigen Jahren ist bei Neuinstallationen zwingend ein Schutzschalter vorgeschrieben. Er sitz meist in dem Kasten wo Zähler und Sicherungen sind.
Die Funktion des Schutzschalters beruht im Prinzip darauf, dass gemessen wird ob der über dem "L" Leiter der gleiche Strom wie über den "N" Leiter fließt. Unterscheiden sich beide Ströme unterbricht er, da offenbar irgendwo ein Fehlstrom fließt. (Meist über den Schutzleiter).

Zu Doelf Anmerkung: ein brauner Leiter ist üblicherweise die geschaltete Leitung, also jene die vom z.B. Lichtschalter zur Deckenleuchte führt.
Allerdings trifft man bei z.B. mehrflammigen Deckenleuchten auch auf 2 x Schwarz, 1 Braun, 1x blau und Schutzleiter.
Ich habe gelernt, dass der "L" Leiter an den (von vorn gesehen) linken Anschluss der Schuko Steckdose führt.

Wenn man also wissen möchte wo der "L" Leiter in der Steckdose ist, mit einem AC Voltmeter vom Schutzleiter, es sind die zwei Metallschienen in der Steckdose, an eine der Steckerbuchsen messen. Bei einer der beiden zeigt es dann 230 Volt.

Im übrigen sind "N" und der Schutzleiter in der Verteilertafel nach dem Zähler über die gemeinsame Erdungsschiene miteinander verbunden.
Ist also die Hausverdrahtung ohne Fehler darf "N" keine Spannung gegen Erde führen. im Hausanschluss, also dort wo die erste Haussicherungen
auch sind (der Kasten ist groß und verplombt) sind "N" und Schutzleiter noch einmal mit einer "Fundament-Erdungschiene" verbunden.

Somit erklärt sich warum ich an "L" eine "gewischt" bekomme. Der Strom fließt über meinen Körper nach Erde

Mit Grüßen ans Forum,
Peter38

Benutzeravatar
doelf
Moderator
Moderator
Beiträge: 33448
Registriert: 12 Feb 2004, 23:29
Wohnort: Alsdorf
Kontaktdaten:

Re: Frage zu Elektronik, Elektrizität (Stromschlag, Kurzschluss, Erde)

Beitrag von doelf » 24 Jul 2017, 15:56

Der Schutzschalter ist der Fehlerstrom-Schutzschalter (kurz: FI). Den kann und sollte man Nachrüsten, denn dabei findet man schnell problematische Unterverteilungen - z.B. zweipolige Verlängerungen vom Lichtschalter zu einer zusätzlichen Steckdose, marode Durchleitungen für die Außenbeleuchtung usw... Macht natürlich keinen Sinn, wenn man noch mit zwei Leitern unterwegs ist.

Gruß

Michael
. Tails . Linux . USB . CD . Secure Desktop . IRC . Truecrypt . Tor .

Benutzeravatar
doelf
Moderator
Moderator
Beiträge: 33448
Registriert: 12 Feb 2004, 23:29
Wohnort: Alsdorf
Kontaktdaten:

Re: Frage zu Elektronik, Elektrizität (Stromschlag, Kurzschluss, Erde)

Beitrag von doelf » 24 Jul 2017, 15:59

L für links habe ich auch mal gelernt, das ist aber nur eine Eselsbrücke. Was machst du, mit um 90° gedrehten Dosen? Dosen im Boden, wie es sie in immer mehr Büros gibt? Und selbst wenn der Leiter blau sein sollte, messe ich lieber nach, denn es wird nirgends so viel geschlampt wie auf dem Bau ;-)
. Tails . Linux . USB . CD . Secure Desktop . IRC . Truecrypt . Tor .

Benutzeravatar
Mausolos
Special-Forces
Special-Forces
Beiträge: 882
Registriert: 09 Mär 2015, 20:50
Wohnort: Vierländerregion

Re: Frage zu Elektronik, Elektrizität (Stromschlag, Kurzschluss, Erde)

Beitrag von Mausolos » 24 Jul 2017, 16:32

doelf hat geschrieben:
24 Jul 2017, 15:56
Der Schutzschalter ist der Fehlerstrom-Schutzschalter (kurz: FI).(…) Macht natürlich keinen Sinn, wenn man noch mit zwei Leitern unterwegs ist.
Doch, er ergibt immer noch dann Sinn, wenn eine Person mit einen defekten Haushaltsgerät in Berührung kommt, dass nun an seinem metallenen Gehäuse Hochspannung führt. :!:
Der Fehlerstromschutzschalter rettet dieser Person in diesem Augenblick möglicherweise das Leben.
Er hätte auch ziemlich sicher Barbara Weldens plötzlichen Herzstillstand auf der Konzertbühne verhindert.
ladepeche.fr/article/2017/07/21/2615911 chanteuse pieds nus est morte scene festival gourdon

Bei Zimmer- oder Hausrenovierungen ist selbstredend dringend anzuraten, eine 2-Leiter-Verdrahtung gegen eine 3-Leiter-Verdrahtung (mit Schutzleiter) zu allen Steckdosen hin auszutauschen.

@Peter38
  A little learning is a dangerous thing.
Alexander Pope, An Essay on Criticism
Linux :)

Benutzeravatar
doelf
Moderator
Moderator
Beiträge: 33448
Registriert: 12 Feb 2004, 23:29
Wohnort: Alsdorf
Kontaktdaten:

Re: Frage zu Elektronik, Elektrizität (Stromschlag, Kurzschluss, Erde)

Beitrag von doelf » 25 Jul 2017, 09:57

Soweit mir bekannt, musst Du für den FI-Schalter ein 3-Leiter-Netz oder ein 3-Leiter-Unternetz haben.

Beispiel:
Das Haus ist mit klassischer Nullung verkabelt, doch zumindest für das Bad soll ein FI-Schalter für mehr Sicherheit sorgen. Dann kann man wahlweise im Bad Steckdosen mit integriertem FI einbauen oder das Bad auf drei Leiter umrüsten. Diese drei Leiter gehen dann in einen Unterverteiler mit FI und davon gehen dann zwei Leiter weiter in den Hauptsicherungskasten.

Technisch gesehen müsste es mit zwei Leitern zwar funktionieren, so dass der FI bei 30 mA und somit deutlich vor der Sicherung auslöst, aber praktisch fliegt der FI dann andauernd raus. Typische Auslöser sind zusätzliche Massen wie Netzwerkkabel, Antennenanlagen usw.

Gruß

Michael
. Tails . Linux . USB . CD . Secure Desktop . IRC . Truecrypt . Tor .

Benutzeravatar
Mausolos
Special-Forces
Special-Forces
Beiträge: 882
Registriert: 09 Mär 2015, 20:50
Wohnort: Vierländerregion

Re: Frage zu Elektronik, Elektrizität (Stromschlag, Kurzschluss, Erde)

Beitrag von Mausolos » 25 Jul 2017, 11:13

doelf hat geschrieben:
25 Jul 2017, 09:57
Soweit mir bekannt, musst Du für den FI-Schalter ein 3-Leiter-Netz oder ein 3-Leiter-Unternetz haben.
Richtig. Der Fehlerstromschutzschalter trennt Phase und Neutralleiter. Bei klassischer Nullung hinter einem FI ist das Haushaltsgerät augenblicklich nicht mehr schutzgeerdet, sobald dieser auslöst.
Das Haus ist mit klassischer Nullung verkabelt, doch zumindest für das Bad soll ein FI-Schalter für mehr Sicherheit sorgen. Dann kann man wahlweise im Bad Steckdosen mit integriertem FI einbauen oder das Bad auf drei Leiter umrüsten. Diese drei Leiter gehen dann in einen Unterverteiler mit FI und davon gehen dann zwei Leiter weiter in den Hauptsicherungskasten.
Korrekt. Sobald ein Zimmer renoviert wird, tauscht man alle alten Leitungen gegen solche mit grün-gelbem Schutzleiter aus.
Bis dahin hilft eine Steckdose mit integriertem Fehlerstromschutzschalter.
Technisch gesehen müsste es mit zwei Leitern zwar funktionFehlerstromschutzschalterieren, so dass der FI bei 30 mA und somit deutlich vor der Sicherung auslöst, aber praktisch fliegt der FI dann andauernd raus. Typische Auslöser sind zusätzliche Massen wie Netzwerkkabel, Antennenanlagen usw.
Als Notbehelf „kann“ man für die Antennenleitung einen Mantelstromfilter (mit Trenntrafo) verwenden und fürs PC-Netzwerk auf optische Übertragung ausweichen. Aber es ist und bleibt ein kritische Angelegenheit mit einer klassischen Nullung hinter einem Fehlerstromschutzschalter.
Linux :)

Benutzeravatar
doelf
Moderator
Moderator
Beiträge: 33448
Registriert: 12 Feb 2004, 23:29
Wohnort: Alsdorf
Kontaktdaten:

Re: Frage zu Elektronik, Elektrizität (Stromschlag, Kurzschluss, Erde)

Beitrag von doelf » 25 Jul 2017, 11:16

Dieser Thread ist echt ein Quell des Wissens geworden :-)
. Tails . Linux . USB . CD . Secure Desktop . IRC . Truecrypt . Tor .

Antworten