Intel stellt Whiskey Lake und Amber Lake vor

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Intel stellt Whiskey Lake und Amber Lake vor

Beitrag von doelf » 30 Aug 2018, 13:00

"Gehen sie bitte weiter, es gibt nichts zu seen", könnte man an dieser Stelle kalauern, denn abgesehen von immer neuen Code-Namen, die nach Seen benannt sind, liefert Intel seit 2015 kaum Neuerungen. Auf Broadwell (2015), Skylake (2015), Kaby Lake (2016) und Coffee Lake (2017) folgen mit Whiskey Lake und Amber Lake nur zwei weitere 14-nm-Baureihen, welche als SoCs mit einem integrierten Chipsatz (PCH) auf den Einsatz in Notebooks und Tablets zielen.

Architektonisch wenig Neues...
Intels CPU-Kerne zeigen sich seit Skylake (2015) beinahe unverändert. Kaby Lake (2016) brachte lediglich Optimierungen beim 14-nm-Fertigungsprozess sowie einen verbesserten Turbo-Modus. Die Prozessoren der Generation Coffee Lake (2017) erhielten maximal sechs statt vier Kerne und benötigten dafür einen überarbeiteten Sockel. Ähnlich verfuhr Intel bei seinen stromsparenden Mobil-Prozessoren und rüstete die 15-Watt-Varianten von zwei auf vier Kerne auf. Doch obwohl diese Chips ebenfalls der achten Core-Generation zugeordnet werden, spricht Intel hier nicht von Coffee Lake sondern von Kaby Lake Refresh.

...bis auf immer neue Code-Namen
Im Jahr 2018 bleibt es bei Strukturgrößen von 14 nm und der achten Core-Generation, dennoch verwendet Intel weder die Bezeichnung Coffee Lake noch Kaby Lake Refresh. Die U-Klasse bis 15 Watt hört nun auf den Familiennamen "Whiskey Lake", während die Modele mit 5 Watt Abwärme als "Amber Lake" präsentiert wurden. Amber Lake (i7-8500Y, i5-8200Y, m3-8100Y) ist dabei besonders schnell abgehandelt, denn es handelt sich schlicht und einfach um die Y-Serie des Kaby Lake von 2016 mit leicht angehobenen Taktraten. Bei "Whiskey Lake" (i7-8565U, i5-8265U, i3-8145U) gibt es zumindest Neuerungen beim integrierten Chipsatz (PCH).

Whiskey Lake mit neuem PCH
Richtig miteinander verschmolzen sind die beiden Chips der U-Serie-SoCs noch nicht, stattdessen montiert Intel CPU und PCH auf einer gemeinsamen Trägerplatine. Beim Kaby Lake weist die CPU eine Strukturgröße von 14 nm auf, die PCH wird hingegen noch im 22-nm-Prozess gefertigt. Bei Whiskey Lake handelt es sich in beiden Fällen um 14-nm-Chips, weshalb der Stromverbrauch der PCH sinken und der CPU etwas mehr Spielraum ermöglichen sollte. Der Ausbau des Audio-DSPs von zwei auf vier Kerne verspricht Vorteile beim Einsatz von Sprachassistenten, die integrierte Kamera-Unterstützung hat Intel indes gestrichen.

Von außen lassen sich "Whiskey Lake"-Notebooks am Zusatz "Optimized for Connectivity" unterhalb des Intel-Logos erkennen. Darunter versteht Intel USB 3.1 Gen 2, also das echte SuperSpeedPlus mit 10 GBit/s und nicht das in USB 3.1 Gen 1 umbenannte USB 3.0 mit 5 GBit/s. Darüber hinaus werden Wireless-LAN gemäß IEEE 802.11ac, Bluetooth 5.0 und Thunderbolt 3 unterstützt. Um ihren Nutzern diese Schnittstellen tatsächlich bieten zu können, müssen die Hersteller allerdings zusätzliche Chips verbauen. Im Speicherbereich gibt es nun eMMC 5.14 statt 5.0, beim RAM stehen wie zuvor DDR4-2400 und LPDDR3-2133 zur Auswahl.

Quelle:
https://www.intel.com/content/www/us/en ... brief.html
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Whiskey Lake, Amber Lake: Intel erklärt Maßnahmen gegen Spectre und Meltdown

Beitrag von doelf » 31 Aug 2018, 10:06

Sicherheit zuerst - aber nicht bei Produktvorstellungen. Als Intel seine neuen Mobil-Familien Whiskey Lake und Amber Lake präsentierte, wurde das breite Feld der Prozessorschwachstellen komplett ausgespart. Gegenüber AnandTech hat der Chipriese nun Stellung bezogen und seine bereits getroffenen Maßnahmen erläutert.

Amber Lake: Es bleibt beim Firmware-Gefrickel
Bei den 5-Watt-SoCs der Baureihe Amber Lake gibt es demnach keinen Unterschied zu Kaby Lake (2016) oder Kaby Lake Refresh (2017). Wie ihre Vorgänger werden auch die neuen Prozessoren im Fertigungsprozess 14+ produziert und umfassen keinerlei Hardware-Änderungen, welche Spectre- oder Meltdown-Angriffe unterbinden. Um Spectre Variante 2 (Branch Target Injection) und Meltdown Variant 4 (Speculative Store Bypass) kümmern sich eine Kombination aus Firmware-Updates und Änderungen am Betriebssystem, während die Meltdown-Varianten 3 (Rogue Data Cache Load), 3a (Rogue System Register Read) und 5 (L1 Terminal Fault) über Firmware-Änderungen entschärft wurden. Spectre Variante 1 (Bounds Check Bypass) muss weiterhin vom Betriebssystem oder dem Hypervisor abgefangen werden.

Whiskey Lake: Erste Hardware-Maßnahmen
Etwas anders sieht die Lage bei Whiskey Lake aus: Diese 15-Watt-SoCs werden wie Coffee Lake (2017) im Fertigungsprozess 14++ hergestellt und umfassen Hardware-Korrekturen, welche die Meltdown-Varianten 3 (Rogue Data Cache Load) und 5 (L1 Terminal Fault) ausschalten. Dies ist nicht unwichtig, denn Firmware-Korrekturen für Meltdown Variante 3 kosten ziemlich viel Leistung. Solche Firmware-Korrekturen nutzt Whiskey Lake weiterhin gegen Meltdown Variante 3a (Rogue System Register Read) sowie in Kombination mit Betriebssystemanpassungen gegen Spectre Variante 2 (Branch Target Injection) und Meltdown Variant 4 (Speculative Store Bypass). Wie bei Amber Lake muss Spectre Variante 1 (Bounds Check Bypass) vom Betriebssystem oder dem Hypervisor abgewehrt werden.

Ausblick: Cascade Lake
Darüber hinaus gab Intel einen Ausblick auf die kommenden "Cascade Lake"-CPUs, welche sich an Server (Cascade Lake-SP) und Enthusiasten (Cascade Lake-X) richten. Bisher wurde seitens Intel kommuniziert, dass Cascade Lake als erste Generation mit Hardware-Maßnahmen gegen Spectre- oder Meltdown-Angriffe auf den Markt kommen würde. Da dieser Schritt nun schon mit Whiskey Lake vollzogen wurde, stellte sich für AnandTech die Frage, inwieweit Cascade Lake die dort getroffenen Maßnahmen übertreffen werde. Laut Intel wird Cascade Lake auch Spectre Variante 2 (Branch Target Injection) in der Hardware abwehren, dennoch sollen Anpassungen am Betriebssystem erforderlich bleiben. Firmware-Korrekturen für Variante 2 kosten laut Intel bis zu zehn Prozent Leistung, hier soll die Hardware-Lösung deutlich besser abschneiden.

Quelle:
https://www.anandtech.com/show/13301/sp ... amber-lake
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Re: Whiskey Lake, Amber Lake: Intel erklärt Maßnahmen gegen Spectre und Meltdown

Beitrag von Mausolos » 01 Sep 2018, 10:41

doelf hat geschrieben:
31 Aug 2018, 10:06
Bisher wurde seitens Intel kommuniziert, dass Cascade Lake als erste Generation mit Hardware-Maßnahmen gegen Spectre- oder Meltdown-Angriffe auf den Markt kommen würde. Da dieser Schritt nun schon mit Whiskey Lake vollzogen wurde, stellte sich für AnandTech die Frage, inwieweit Cascade Lake die dort getroffenen Maßnahmen übertreffen werde. Laut Intel wird Cascade Lake auch Spectre Variante 2 (Branch Target Injection) in der Hardware abwehren, dennoch sollen Anpassungen am Betriebssystem erforderlich bleiben.
Im Prinzip kann man Intels „erste Generation mit Hardware-Maßnahmen gegen Spectre- oder Meltdown-Angriffe“ nur als Werbegag belächeln. :wink:
AnandTech hat schon die richtige Frage gestellt, denn solange weiterhin am Betriebssystem Anpassungen erforderlich sind, bleibt alles beim Alten. Es sei denn, Intels Cascade Lake CPU würde einen neuen, effizienteren Patch-Code für die jeweiligen Gegenmaßnahmen ermöglichen, den die Betriebssysteme dann freilich auch aufnehmen müssten.
Lediglich für Variante 3 Meltdown benötigt Cascade Lake keine Softwarehärtung mehr. Leistungsnachteile werden weiterhin vorhanden sein.

Eine echte Änderung im CPU-Design von Intel dauert gemäß einem ehemaligen Intel-Mitarbeiter fünf Jahre.
Aber selbst diese Änderung kostet Leistung, im Vergleich zum aktuellen Stand Intel Skylake und dessen minimal optimierten Nachfolgern, wenn auch weniger. Intel hatte in den letzten Architekturen (Haswell, Broadwell, Skylake) immer wieder die Sprungvorhersagen optimiert und dadurch die Rechengeschwindigkeit um ein paar Prozentpunkte erhöht, und jetzt wurde mit Spectre&Meltdown genau dies zum Verhängnis.

Die bisherigen Intel-Geschwindigkeitsvorteile gelten somit nicht mehr, und Intel-CPUs sind nicht mehr pauschal schneller als vergleichbare AMDs.
Hier hat phoronix einen schönen Testbericht mit Linux Kernel 4.19 RC1 veröffentlicht, der die aktuellen Unterschiede zwischen AMD Epic & Intel Xeon aufzeigt: www.phoronix.com: The Performance Cost Of Spectre / Meltdown / Foreshadow Mitigations On Linux 4.19
Linux :)

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