Japan: Zitterpartie um Reaktor geht weiter

Hier werden aktuelle Meldungen diskutiert
[this is the place to discus news topics]
Benutzeravatar
doelf
Moderator
Moderator
Beiträge: 34810
Registriert: 12 Feb 2004, 23:29
Wohnort: Alsdorf
Kontaktdaten:

Japan: Externe Stromversorgung jetzt an allen Reaktorgebäude

Beitrag von doelf » 24 Mär 2011, 10:17

Update von 19:05 Uhr:

Aufgrund von schwarzem Rauch, welcher aus dem Reaktorgebäude 3 aufstieg, mussten die Arbeiten am schwer beschädigten Atomkraftwerk Fukushima I (Daiichi) gestern abermals unterbrochen werden. Dennoch gibt es Fortschritte zu vermelden, denn die externe Stromversorgung konnte endlich mit allen Reaktorgebäuden verbunden werden. Dies bedeutet aber leider nicht, dass die internen Systeme wieder funktionieren.

Externe Stromversorgung:
Lediglich die unbeschädigten Reaktorblöcke 5 und 6 gelten als gesichert und werden seit Montag bzw. Mittwoch über das externe Stromnetz versorgt. In den Reaktorgebäuden 1, 2 und 4 konnte der Kraftwerksbetreiber Tepco (Tokyo Electric Power Company) immerhin einige Kontrollinstrumente anschließen, in den zentralen Kontrollräumen der Reaktoren 1 und 3 funktioniert zudem die Beleuchtung.

Reaktoren und Abklingbecken:
Die internen Kühlsysteme der Reaktoren und Abklingbecken, welche so dringen benötigt werden, konnten in den Blöcken 1 bis 4 noch nicht reaktiviert werden. In die geladenen Reaktoren 1 bis 3 wird weiterhin Meerwasser gepumpt. Im Reaktor 1 war der Druck in den vergangenen beiden Tagen angestiegen und die Temperaturen lagen mit über 400 Grad Celsius außerhalb des Messbereichs. Daher wurde eine zweite Wasserzuleitung aktiviert, welche den Durchsatz von 2 auf 18 Kubikmeter pro Stunde erhöhte. Inzwischen sind die Temperaturen wieder unter 200 Grad Celsius gesunken, so dass die Wasserzufuhr auf 11 Kubikmeter pro Stunde reduziert werden konnte. Vom Reaktor 2 gibt es zwar Messwerte, diese stufen die Experten allerdings als wenig vertrauenswürdig ein. Immerhin scheint der Temperatursensor des Abklingbeckens zu funktionieren und lieferte zuletzt 47 Grad Celsius am 24. März um 11:00 Uhr Ortszeit. Dieser Wert ist seit Tagen stabil.

Reaktor 3 bereitete gestern aufgrund der Rauchentwicklung einmal mehr Sorgen, insbesondere da niemand die Ursache des Rauchs kennt. Aktuell steigt kein Rauch mehr auf und in das Abklingbecken dieser Einheit wird Meerwasser gepumpt. Dies gilt auch für das Abklingbecken des vierten Reaktors, bei dem eine Betonpumpe aus Deutschland zum Einsatz kommt. In diesem Abklingbecken befinden sich besonders viele Brennelemente, da der Reaktor selbst noch vor dem Erdbeben für Wartungsarbeiten entladen wurde. Die zuständige japanische Behörde NISA nennt nun wieder eine Temperatur für das Wasser in diesem Becken, allerdings fällt diese mit 100 Grad Celsius sehr hoch aus. Inzwischen geht die NISA davon aus, dass dieser Wert nicht stimmen kann. Während die interne Kühlung im Reaktor 6 funktioniert, hatte sich die Pumpe in Block 5 gestern automatisch abgeschaltet, als die Stromzufuhr umgeschaltet wurde. Reparaturarbeiten sollen dieses Problem lösen, bisher sind die gemessenen Temperaturen noch unkritisch.

Belastung von Boden und Nahrung:
Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hatte gestern weitere Messungen in der Umgebung von Fukushima I durchgeführt. Die Messpunkte hatten einen Abstand von 30 bis 73 km vom Kernkraftwerk und lieferten eine Gammastrahlung zwischen 0,2 und 6,9 Mikrosievert pro Stunde. Die natürliche Hintergundstrahlung liegt bei ca. 0,1 Mikrosievert pro Stunde und wurde somit um das 2- bis 69-fache überschritten. Die Beta-Gamma-Belastung des Bodens lag zwischen 0,02 und 0,6 MBq pro Quadratmeter. Die Belastung durch Strahlung und radioaktive Verunreinigungen ist von Ort zu Ort sehr unterschiedlich. Insgesamt steigen die Werte an den weiter entfernt liegenden Messpunkte leicht an, während sie näher zum Kraftwerk hin etwas zurückgehen. Ursache hierfür ist der Umstand, dass es in den vergangenen Tagen keine große Freisetzung radioaktiver Partikel gegeben hat und das Isotop Jod131 eine Halbwertzeit von lediglich 8 Tagen hat. Anders sieht es bei Caesium137 aus, dessen Halbwertzeit bei 30,17 Jahren liegt. Das im Meerwasser vorgefundene Isotop Caesium134 kommt auf 2,06 Jahre. Laut Tepco wurden in der Luft zeitweise auch Kobalt58 (70,86 Tage) und Tellurium132 (3,2 Tage) nachgewiesen.

Der japanische Premierminister Naoto Kan hat den Verkauf von Blattgemüse (u.a. Spinat und Komatsuna) sowie von Brokkoli und Blumenkohl, welche aus der Präfektur Fukushima stammen, vorläufig unterbunden. Frische Milch und Petersilie aus der Präfektur Ibaraki sollen vorerst ebenfalls nicht in den Handel gelangen. Der japanische Gesundheitsminister hat den Präfekturen Ibaraki und Chiba zudem empfohlen, Meeresfrüchte zu untersuchen. Aufgrund der erhöhten Konzentration von Jod131 im Trinkwasser von Tokio ersuchen die Behörden die Bevölkerung, dieses Wasser nicht als Trinkwasser für Kleinkinder zu verwenden. Jod131 sammelt sich insbesondere bei jungen Menschen in der Schilddrüse an und kann dort Krebs auslösen.

Kontaminiertes Meerwasser:
Am Dienstag hatte Tepco berichtet, dass nahe des südlichen Abflusskanals der Anlage radioaktives Material entdeckt wurde. Wie die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) gestern bekannt gab, handelte es sich hierbei um die radioaktiven Isotope Jod131, Caesium134, Caesium137 und Kobalt58. Die japanische Regierung bestätigte nun eine sehr hohe Belastung an einem Messpunkt, welcher sich 330 m südlich der Wassereinleitung der Reaktorblöcke 1 bis 4 befindet. Weitere acht Stichproben wurden auf offener See in einer Entfernung von 30 km von Fukushima I genommen. Hier lag die Konzentration von Jod131 über den gesetzlichen Vorgaben, während die Belastung mit Caesium137 unter den Grenzwerten lag.

Neue Verletzte:
Drei Arbeiter einer Fremdfirma, welche im Untergeschoss des Turbinenhauses sowie im ersten Stockwerk des Reaktorgebäudes 3 Kabel verlegten sollten, standen etwa drei Stunden lang in belastetem Wasser und wurden dabei einer Strahlung zwischen 170 und 180 Millisievert pro Stunde ausgesetzt. Zwei der Arbeiter kamen ins Krankenhaus, da ihre Füße ernsthaft kontaminiert waren.

Quelle:
http://www.nisa.meti.go.jp/english/

Benutzeravatar
Loner
Moderator
Moderator
Beiträge: 5204
Registriert: 17 Feb 2004, 14:48

Re: Japan: Zitterpartie um Reaktor geht weiter

Beitrag von Loner » 24 Mär 2011, 10:31

in der Sendung quer auf BR3 kam vor einiger Zeit mal ein Bericht, dass teilweise heutzutage im Großraum München noch geschossene Wildschweine dem Sondermüll zugeführt werden müssen, weil die Strahlenbelastung zu hoch ist um es in den Verkauf geben zu können. Die Belastung kommt durch das Ernährungsverhalten der Wildschweine, wodurch sie viel Nahrung zu sich nehmen, die durch den Tschernobyl-Zwischenfall noch heute verstrahlt ist.

Wenn man das mal durchdenkt - wie weit Tschernobyl von München entfernt ist und wie lange das schon her ist - Wahnsinn.

An dem Zwischenfall werden die Japaner noch viele Jahrzehnte zu knabbern haben.

Atomenergie ist so ein Schwachsinn, die Deppen die das jemals zugelassen haben, gehören alle über Fukushima abgeworfen. Würde man die Betreiber zwingen, die Kosten für Endlagerung und Aufbereitung zu tragen und zu bilanzieren, es hätte nie auch nur ein Atomkraftwerk auf der Welt gegeben, weil es sich nie und nimmer gerechnet hätte. Aber Politiker ohne Gewissen und Rückgrat (also 99%) kann man ja bestechen um die Kosten zu auf alle zu verteilen und die Gewinne zu privatisieren.

Da gibts eigentlich nur eine Lösung - Verein zur Abschaffung der Atomkraftwerke gründen - Aktien der Betreiber kaufen - Politiker aus den Aufsichträten schmeißen und die Atomkraftwerke stilllegen.
sapere aude!

Benutzeravatar
The Grinch
Administrator
Administrator
Beiträge: 8672
Registriert: 17 Feb 2004, 07:12

Re: Japan: Zitterpartie um Reaktor geht weiter

Beitrag von The Grinch » 24 Mär 2011, 11:47

Es ist bei Atomstrom genau so wie mit Waffen:
Einige wenige machen mit dem Elend anderer Geschäfte und Gewinne!

Benutzeravatar
doelf
Moderator
Moderator
Beiträge: 34810
Registriert: 12 Feb 2004, 23:29
Wohnort: Alsdorf
Kontaktdaten:

Re: Japan: Zitterpartie um Reaktor geht weiter

Beitrag von doelf » 24 Mär 2011, 12:30

Da gibts eigentlich nur eine Lösung - Verein zur Abschaffung der Atomkraftwerke gründen - Aktien der Betreiber kaufen - Politiker aus den Aufsichträten schmeißen und die Atomkraftwerke stilllegen.
Der Plan gefällt mir ;-)

Bezüglich Tschernobyl:

Die IAEA und die NISA sprechen von Megabecquerel pro Quadratmeter (MBq/m2). Ein Megabecquerel entspricht 10 hoch 6 Becquerel, also 1.000.000 Becquerel. Bezüglich der Angaben zu den Belastungen in einer Entfernung von 30 bis 73 km vom Kernkraftwerk Fukushima I ergeben sich also Werte zwischen 20.000 und 600.000 Becquerel pro Quadratmeter, es wurden die Isotop Cäsium-137 und Jod-131 gefunden.

Nach dem Supergau von Tschernobyl im Jahr 1986 wurden in Deutschland folgende Werte gemessen:

Vor dem Unfall: 3.800 Bq/m2 - Cäsium-137
(damals typische Belastung aufgrund oberirdischer Atombombentests in den 50er und 60er Jahren)

Nach dem Unfall:
Norddeutschland: 4.000 Bq/m2 - Cäsium-137
München: 19.000 Bq/m2 - Cäsium-137
Südosten Bayerns: 80.000 Bq/m2 - Cäsium-137

Für Jod-131 findet man weniger Messwerte, da dieses ja nur wenige Tage hält. In München waren es über 90.000 Bq/m2. Aufgrund der Windrichtung und starker Regenfälle südlich der Donau war die Belastung hier besonders hoch.

Japan ist also noch weit von Tschernobyl entfernt, aber die Anlage ist ja auch noch längst nicht sicher.

Gruß

Michael

Benutzeravatar
doelf
Moderator
Moderator
Beiträge: 34810
Registriert: 12 Feb 2004, 23:29
Wohnort: Alsdorf
Kontaktdaten:

Re: Japan: Zitterpartie um Reaktor geht weiter

Beitrag von doelf » 24 Mär 2011, 12:31


Benutzeravatar
doelf
Moderator
Moderator
Beiträge: 34810
Registriert: 12 Feb 2004, 23:29
Wohnort: Alsdorf
Kontaktdaten:

Japan: Die Lage ist weiterhin kritisch

Beitrag von doelf » 25 Mär 2011, 09:54

Die Lage am japanischen Kernkraftwerk Fukushima I (Daiichi) ist auch zwei Wochen nach dem schweren Erdbeben noch kritisch. Der gestrige Unfall überschattet auch weiterhin die kleinen Fortschritte, welche der Kraftwerksbetreiber Tepco (Tokyo Electric Power Company) meldet. So wurde die interne Kühlung des allgemeinen Lagerbecken für gebrauchte Brennstäbe (Common Spent Fuel Pool) reaktiviert und eine defekte Pumpe am Reaktor 5 ausgetauscht. Wie die zuständige Sicherheitsbehörde NISA berichtet, soll die Notkühlung der Reaktoren 1 bis 3 von Meer- auf Süßwasser umgestellt werden.

Reaktor 1: INES-Stufe 5 (ernster Unfall):
Das Reaktorgebäude ist weitgehend zerstört, die Schutzhülle des Reaktors ist vermutlich noch intakt. Die Druckanzeige für den Reaktor 1 ist noch immer sehr hoch, scheint sich aber stabilisiert zu haben. Seitdem eine leistungsfähigere Wasserzufuhr verwendet wird, sind zudem die Temperaturen deutlich gefallen. Messwerte für das Abklingbecken gibt es jedoch noch nicht. Der Reaktorblock 1 ist mit dem externen Stromnetz verbunden, es gibt Licht im Kontrollraum, die interne Kühlung konnte jedoch noch nicht wieder in Betrieb genommen werden. Es wird weiterhin Meerwasser in den Reaktor gepumpt, allerdings soll in Kürze auf Süßwasser umgestellt werden.

Reaktor 2: INES-Stufe 5 (ernster Unfall):
Das Reaktorgebäude ist beschädigt. Beim Reaktor 2 sind die Anzeigen vermutlich fehlerhaft, der Zustand der Anlage und des Druckbehälters sind daher unbekannt. Die Temperatur im Abklingbecken kann ausgelesen werden und ist auf 40 Grad Celsius gefallen. Obwohl auch hier ein Stromanschluss gelegt wurde, konnten die interne Kühlung und die Kontrollinstrumente noch nicht aktiviert werden. Auch in diesen Reaktor pumpt Tepco nach wie vor Meerwasser, die Umstellung auf Süßwasser wird vorbereitet.

Reaktor 3: INES-Stufe 5 (ernster Unfall):
Das Reaktorgebäude ist weitgehend zerstört, die Schutzhülle des Reaktors ist vermutlich noch intakt. Reaktor 3 ist weiter das größte Sorgenkind, da sich hier die besonders gefährlichen Brennelemente aus Plutonium-Uran-Mischoxiden (MOX) befinden. Dort wurden gestern drei Arbeiter im Turbinengebäude verstrahlt, als ihre Füße mit stark kontaminiertem Wasser in Kontakt kamen. Vermutlich hatten die Arbeiter die Anzeigen ihrer Dosimeter ignoriert und wurden daher einer Strahlung zwischen 170 und 180 Millisievert pro Stunde ausgesetzt. Zwei der Arbeiter kamen mit dem Verdacht auf Strahlungsverbrennungen in eine Spezialklinik. Woher die hohe Strahlenbelastung des Wassers rührt, ist derzeit noch unklar. Die Arbeiten zur Wiederherstellung der internen Kühlung werden hierdurch aber extrem erschwert. Die externe Stromzufuhr wurde bereits angeschlossen und der Kontrollraum hat Strom. Im Laufe der letzten beiden Tage wurden 120 Tonnen Meerwasser in das Abklingbecken des Reaktor 3 gepumpt, eine verlässliche Temperatur konnte jedoch nicht ausgelesen werden. Temperatur und Druck im Reaktor selbst scheinen stabil, auch hier wird weiterhin Meerwasser zugeführt, bis eine Versorgung mit Süßwasser möglich ist.

Reaktor 4: INES-Stufe 3 (ernster Störfall):
Das Reaktorgebäude ist weitgehend zerstört. Der Reaktor 4 selbst ist entladen und somit unkritisch, dafür ist das Abklingbecken randvoll und muss unbedingt gekühlt werden. Leider gibt es keine Daten zur Wassertemperatur in diesem Becken, so dass mit einer Betonpumpe auch gestern wieder 150 Tonnen Wasser zugeführt wurden.

Reaktoren 5 und 6:
Diese beiden Reaktoren sind unbeschädigt, auch die Gebäude sind intakt. Die externe Stromverbindung wurde hergestellt und die internen Kühlsysteme sind seit gestern in beiden Anlagen aktiv. Druck und Temperaturen sind unkritisch, die Reaktoren gelten als kalt heruntergefahren.

Allgemeines Lagerbecken:
Das allgemeine Lagerbecken für gebrauchte Brennstäbe (Common Spent Fuel Pool), welches sich in einem eigenen Gebäude befindet, ist wieder mit dem Stromnetz verbunden und die Kühlung konnte gestartet werden. Damit sollte sich die Wassertemperatur, welche zuletzt auf 73 Grad Celsius angestiegen war, in Kürze wieder stabilisieren.

Belastung von Boden und Nahrung:
Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hatte gestern weitere Messungen in der Umgebung von Fukushima I durchgeführt. Die Messpunkte lagen in einen Abstand von 21 bis 73 km westlich des Kernkraftwerks und lieferten eine Gammastrahlung zwischen 0,6 und 6,9 Mikrosievert pro Stunde. Die natürliche Hintergundstrahlung liegt bei ca. 0,1 Mikrosievert pro Stunde und wurde somit um das 6- bis 69-fache überschritten. Die Beta-Gamma-Belastung des Bodens lag zwischen 0,04 und 0,4 MBq pro Quadratmeter.

Nordwestlich des Kraftwerks ist die Belastung deutlich höher, hier wurde in einer Entfernung zwischen 30 und 32 km eine Gammastrahlung zwischen 16 und 59 Mikrosievert pro Stunde gemessen, . Mit 3,8 bis 4,9 MBq pro Quadratmeter fiel auch die Beta-Gamma-Belastung des Bodens sehr hoch aus. Nachdenklich stimmt hierbei, dass diese Messpunkte außerhalb der Evakuierungszone liegen. Ebenfalls noch knapp außerhalb der Evakuierungszone wurden 21 km von Fukushima I entfernt 115 Mikrosievert pro Stunde gemessen, die Belastung des Bodens war für eine Messung zu hoch. Auf dem Kraftwerksgelände selbst fiel die Strahlung in den letzten Tagen von 1.930 auf 210 Mikrosievert pro Stunde. (Bitte beachten: 1 Millisievert = 1.000 Mikrosievert!)

Gemüse und Milch aus den Präfekturen Fukushima und Ibaraki überschreiten zumeist die gesetzlichen Grenzwerte, wobei Jod131 das vorherrschende Radionuklid ist. Jod131 belastet auch das Trinkwasser in Tokyo, Fukushima und Ibaraki, während Caesium137 nur in einigen der Lebensmittelproben über den gesetzlichen Grenzwerten lag.

Quelle:
http://www.nisa.meti.go.jp/english/index.html

Benutzeravatar
doelf
Moderator
Moderator
Beiträge: 34810
Registriert: 12 Feb 2004, 23:29
Wohnort: Alsdorf
Kontaktdaten:

Japan: Süßwasser und kleine Fortschritte

Beitrag von doelf » 25 Mär 2011, 18:22

Update von Samstag, 10:27 Uhr:

Tepco (Tokyo Electric Power Company), der Betreiber des schwer beschädigten Kernkraftwerks Fukushima I (Daiichi), hat seine Strategie gewechselt. Statt Meerwasser wird nun Frischwasser in die beschädigten Reaktoren gepumpt, gestern wurden bereits zwei der Meiler umgestellt, heute folgte der dritte. Zuvor hatten Experten davor gewarnt, dass Salzablagerungen die Kühlung unmöglich machen könnten.

Die Wasserzufuhr im Reaktor 1 wurde gestern von Meerwasser auf Frischwasser umgestellt, aktuell werden 120 Liter pro Minute über die dort installierte Wasserleitung gepumpt. Reaktor 2 wurde bisher mit 340 Liter Meerwasser pro Minute über die Feuerlöschleitung versorgt, doch heute wurde auch dieser Meiler auf Süßwasser umgestellt. Ob sich die Wassermenge hierdurch geändert hat, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bekannt. Auch bei Reaktor 3 wird nach wie vor die Löschleitung verwendet, die Wasserzufuhr wurde jedoch schon gestern auf Süßwasser umgestellt. Den Zufluss beziffert die zuständige Sicherheitsbehörde NISA auf 240 Liter pro Minute.

Im Reaktorgebäude 4 stieg über längere Zeit weißer Rauch auf, hier ist der Reaktor selbst zwar nicht geladen, dafür jedoch das Abklingbecken randvoll mit Brennstäben. Nachdem die Pumpe des internen Kühlsystems von Reaktor 5 gewechselt wurde, hat sich die Wassertemperatur im dortigen Abklingbecken auf 37,9 Grad Celsius abgekühlt. Beim Reaktor 6 werden lediglich 22 Grad Celsius gemessen. Beide Reaktoren gelten als kalt heruntergefahren und somit als gesichert.

Das allgemeine Lagerbecken für gebrauchte Brennstäbe (Common Spent Fuel Pool), welches sich in einem eigenen Gebäude befindet, ist wieder mit dem Stromnetz verbunden und die dort installierte Kühlung konnte erfolgreich in Betrieb genommen werden. Die Wassertemperatur ist bereits von 73 Grad Celsius auf 53 Grad Celsius gesunken (25. März 2011, 15:20 Uhr Ortszeit).
Das allgemeine Lagerbecken für gebrauchte Brennstäbe (Common Spent Fuel Pool), welches sich in einem eigenen Gebäude befindet, ist wieder mit dem Stromnetz verbunden und die dort installierte Kühlung konnte erfolgreich in Betrieb genommen werden. Die Wassertemperatur ist bereits von 73 Grad Celsius auf 53 Grad Celsius gesunken (25. März 2011, 15:20 Uhr Ortszeit).

Quelle:
http://www.nisa.meti.go.jp/

wigor666

Re: Japan: Zitterpartie um Reaktor geht weiter

Beitrag von wigor666 » 26 Mär 2011, 11:07

Hallou,

"... und hir ist wieder die Abteilung für Gerüchte" (Alien 3) :wink:

Finde es doch bemerkenswert, dass uns hir im Dorf seit einigen Tagen (ca.4) das Militär um die Hütte schwirrt. Vorher Jahrelang gar nichts. Jetzt 2 mal Tornado mit Fotofirkiste und Zusatztanks und dann noch 2 mal n Tiger (Hubschrauber). Weiß der Teufel was die hir machen, aber normal ist das nich. Meiner Meinung nach, sind das ganz klar Kontrollflüge, die der Erfassung einer ev. Kontermination dienen. Ist ja nix gegen einzuwenden, aber bescheid gewusst hät ich schon gern. Wenn`s soweit ist, is eh nix mehr zu machen, nur gewusst hät ichs gern.

Benutzeravatar
doelf
Moderator
Moderator
Beiträge: 34810
Registriert: 12 Feb 2004, 23:29
Wohnort: Alsdorf
Kontaktdaten:

Re: Japan: Zitterpartie um Reaktor geht weiter

Beitrag von doelf » 26 Mär 2011, 13:46

Oder das hat mit Libyen zu tun...

Benutzeravatar
doelf
Moderator
Moderator
Beiträge: 34810
Registriert: 12 Feb 2004, 23:29
Wohnort: Alsdorf
Kontaktdaten:

Japan: Regierung will Evakuierung durchsetzen

Beitrag von doelf » 27 Mär 2011, 15:30

Die japanische Regierung will die Evakuierungszone rund um das beschädigte Kernkraftwerk Fukushima I (Daiichi) nun endlich durchsetzen und der Kraftwerksbetreiber Tepco (Tokyo Electric Power Company) versucht, das stark radioaktiv belastete Wasser aus den Turbinenräumen zu entfernen. In die Reaktoren 1 bis 3 des schwer beschädigten Kernkraftwerks Fukushima I (Daiichi) wird mittlerweile Frischwasser mit Borsäure gepumpt. Durch den Wechsel zu Süßwasser sollen weitere Salzablagerungen vermieden werden, während die Borsäure die in den Reaktoren stattfindenden Spaltprozesse bremst.

Zum Zustand des Kernkraftwerks
In einem Siedewasserreaktor stehen die Brennstäbe in einem Wasserbecken, welches einerseits für die notwendige Kühlung sorgt, andererseits aber auch heißen Wasserdampf erzeugt. Dieser wird zu den Turbinen geleitet (Speisewasserkreislauf) und setzt diese in Bewegung, wodurch ein Generator angetrieben wird, der dann den Strom erzeugt. Danach wird der Wasserdampf in einen Kondensator geführt, in dem die Restwärme des Speisewassers an den Kühlwasserkreislauf abgegeben wird. Der Wärmeaustausch geschieht hierbei indirekt, Speise- und Kühlwasser werden also zu keinem Zeitpunkt vermischt. Da in den Turbinenhallen nun hochgradig radioaktives Wasser steht, muss es sich hierbei eigentlich um Speisewasser handeln. Ein Schaden im Druckbehälter des Reaktors wäre ein denkbares Szenario, ein Leck im Speisewasserkreislauf ein weiteres. Es ist auch möglich, wenngleich recht unwahrscheinlich, dass dieses Wasser aus den Abklingbecken stammt.

Um den Reaktor ausreichend kühlen zu können, müssen beide Wasserkreisläufe funktionieren. Bei einer Notabschaltung der Anlage muss daher externer Strom zugeführt werden, was kurzfristig mit Hilfe von Batterien, mittelfristig über Dieselgeneratoren und langfristig nur über das externe Stromnetz möglich ist. Beim Kernkraftwerk Fukushima I hatte die Notabschaltung zwar funktioniert, kurze Zeit später aber die Flutwelle die Notversorgung und die Dieselgeneratoren lahmgelegt. Ohne Kühlung erhitzten sich die Brennstäbe sehr schnell und man geht derzeit davon aus, dass die Brennelemente der Reaktoren 1, 2 und 3 nur noch zur Hälfte im Wasser standen. Hierdurch stieg auch der Druck im Reaktorbehälter so stark an, dass man radioaktives Gas ablassen musste. Bei der Reaktion der aus Zirkonium bestehenden Brennstabhüllen mit dem extrem heißen Wasserdampf hatte sich jedoch Wasserstoff gebildet, welcher beim Ablassen des Gasgemisches mit dem Sauerstoff der Luft reagierte und zu einer Knallgasexplosion führte. Es waren solche Explosionen, welche die Reaktorgebäude 1, 3 und 4 von Fukushima I zerstört haben.

Obwohl die Schäden an den Gebäuden sehr schwer sind, müssen diese Explosionen nicht auch den eigentlichen Reaktor beschädigt haben. Dieser befindet sich in einem Druckbehälter, der zudem von mehreren Sicherheitshüllen umgeben ist. Somit besteht zumindest die Hoffnung, die beiden Wasserkreisläufe in den Reaktoren 1 bis 3 wieder starten zu können, so dass eine dauerhafte Kühlung der beschädigten Brennstäbe möglich ist. Zugleich muss auch der Kühlkreislauf der Abklingbecken repariert werden, da hier weitere Brennelemente lagern, die noch über Monate und Jahre hinweg Wärme abgeben werden. Der Reaktor Nummer 4 ist entladen, dafür ist das dortige Abklingbecken randvoll mit Brennstäben. Die Reaktorgebäude 1 bis 4 wurden bereits mit dem externen Stromnetz verbunden, in den Kontrollräumen der Meiler 1 bis 3 gibt es Licht und in den Gebäuden 1, 2 und 4 konnten einige Instrumente reaktiviert werden.

Doch bevor die internen Systeme, insbesondere die Wasserkreisläufe, wieder gestartet werden können, müssen noch Reparaturen ausgeführt werden. Genau hierbei stört aber das stark belastete Wasser, welches in den Turbinenhallen steht. Am Donnerstag hatten sich drei Arbeiter, welche in diesem Wasser gestanden hatten, Strahlungsverbrennungen an den Füßen zugezogen. Die lokale Strahlenbelastung an den Beinen der Arbeiter wurde auf 2 bis 6 Sievert geschätzt, die natürliche Hintergrundstrahlung beläuft sich auf gerade einmal 0,1 Mikrosievert (= 0,0000001 Sievert) pro Stunde. Die Arbeiter befinden sich derzeit zur Beobachtung in einer Spezialklinik. In der Turbinenhalle des Reaktorgebäudes 1 hat Tepco nun damit begonnen, das belastete Wasser in den Kondensator zu pumpen. Sollte dies gelingen, will man auch bei den übrigen Turbinenhallen derart verfahren. Zuvor hatte Tepco extrem hohe Strahlungswerte aus dem Turbinenraum des zweiten Reaktors gemeldet und seine Arbeiter von dort zurückgezogen. Kurze Zeit später wurden diese Ergebnisse jedoch seitens Tepco angezweifelt, nun wird eine neue Messung vorbereitet.

Die Evakuierungszone
Trotz der hohen Strahlung und der radioaktiven Partikel in der Luft harren auch weiterhin Menschen innerhalb der 20 Kilometer großen Evakuierungszone rund um das schwer beschädigte Kernkraftwerk aus. Diese Anwohner will die japanische Regierung nun auch gegen ihren Willen evakuieren lassen. Im erweiterten Umkreis zwischen 20 und 30 Kilometer um das Atomkraftwerksgelände stellt man den Anwohnern die Evakuierung frei. Die Versorgungslage im betroffenen Gebiet ist schwierig, da kaum noch jemand bereit ist, Lebensmittel und Trinkwasser in diese Gegend zu liefern. Zudem sollen die dort lebenden Menschen seit knapp zwei Wochen ihre Wohnungen nicht mehr verlassen und kein Leitungswasser trinken.

Quelle:
http://www.nisa.meti.go.jp/english/index.html

Antworten