Kolumne: Der Trumpeltiereffekt

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Kolumne: Der Trumpeltiereffekt

Beitrag von doelf » 09 Jan 2017, 17:41

Der Schmetterlingseffekt besagt, dass kleine Ereignisse im weiteren Verlauf große Auswirkungen auf komplexe Systeme haben können. Ganz ähnlich verhält es sich mit kurzen Tweets des designierten US-Präsidenten Trump: Einfach mal schnell eine Firma dissen und schon geht deren Aktie, zuweilen mitsamt der ganzen Branche, in den Keller. Der Trumpeltiereffekt.

Doch während der Flügelschlag eines Schmetterlings erst sehr viel später irgendwelche Auswirkungen haben könnte, vergehen nach den verbalen Faustschlägen eines Donald Trump meist nur wenige Minuten, bis der Kurs des Opfers gen Boden sinkt. Ob Boeing, Fiat Chrysler, Ford, Toyota oder Volkswagen: Wenn Trump mit seinem Halbwissen loswettert, brauchen Manager in aller Welt neue Unterwäsche. Und, wie im Wahlkampf, stellt Trump dabei Polemik über Fakten. Wäre die arme Meryl Streep ein Unternehmen, hätte sie nach Trumps heutiger Schelte wohl zumachen können:
"Meryl Streep, one of the most over-rated actresses in Hollywood, doesn't know me but attacked last night at the Golden Globes. She is a....."
Nun mal ganz offen gesprochen: Wie primitiv sind Sie eigentlich, Herr Trump? Höflichkeit und gute Umgangsformen sind Ihnen fremd, ebenso Anstand und Ehrlichkeit. Und als Unternehmer sind Sie völlig überbewertet, aber das wissen Sie ja selbst am besten. Jemand, der alle fünf Minuten austickt und sich genötigt sieht, die Welt über Twitter zurechtzuweisen, ist als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika völlig ungeeignet. Vielleicht hätten Sie lieber klein anfangen sollen, mit ehrlicher Arbeit oder einem Putsch in einer fünftklassigen Bananenrepublik.

Doch zurück zum Trumpeltiereffekt, denn dieser hat es in sich: Wer Trumps nächstes Opfer kennt, kann mit Wetten auf fallende Kurse Millionen - ach was: Milliarden - verdienen. Und dies dürfte Trump und seinen dubiosen Beratern ebenfalls bewusst sein. Wenn Trump im Wahlkampf mit seinen krummen Geschäften konfrontiert wurde, präsentierte er sein Insider-Wissen über die Schwächen des Systems immer wieder als eine optimale Qualifikation für das Präsidentenamt. Nun steht er da, am Hebel der Macht als allergrößte Schwäche im wirtschaftlichen System der Welt.

Bekanntlich denkt Trump in schwarz und weiß und möglichst groß. Auf das popelige Präsidentengehalt von nicht einmal 400.000 US-Dollar im Jahr will er in seiner Großzügigkeit verzichten, doch um welchen Preis? Kann es wirklich sein, dass es einem Donald Trump nicht in den Fingern juckt, wenn er die Fäden der Börsenkurse in seinen Händen spürt? Ich hoffe sehr, dass die US-Börsenaufsicht jetzt und in den kommenden vier Jahren ein überaus wachsames Auge auf Trumps Tweets und dazu auffällig gut passende Aktiengeschäfte haben wird!
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Re: Kolumne: Der Trumpeltiereffekt

Beitrag von doelf » 31 Jan 2017, 16:01

Erstes Start-Up nutzt den Trumpeltiereffekt:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/sozial ... 32484.html
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