Xerox: Verkauf abgeblasen, Firmenleitung ausgetauscht

Hier werden aktuelle Meldungen diskutiert
[this is the place to discus news topics]
Antworten
Benutzeravatar
doelf
Moderator
Moderator
Beiträge: 33357
Registriert: 12 Feb 2004, 23:29
Wohnort: Alsdorf
Kontaktdaten:

Xerox: Verkauf abgeblasen, Firmenleitung ausgetauscht

Beitrag von doelf » 15 Mai 2018, 10:56

Ein geschäftliches Erdbeben meldet der Kopiergerätehersteller Xerox: Das Unternehmen hat nicht nur seine Ende Januar 2018 angekündigte Übernahme durch Fujifilm abgeblasen, sondern auch fünf Mitglieder seines Aufsichtsrates ausgetauscht. Zudem nimmt CEO Jeff Jacobson seinen Hut. Seinen Platz übernimmt John Visentin, der Wunschkandidat des Investors Carl Icahn. Icahn war gerichtlich gegen die Übernahme durch Fujifilm vorgegangen und hatte Jacobson Unfähigkeit sowie Untreue vorgeworfen.

Rückblick: Ein gutes Geschäft - für Fujifilm
Am 31. Januar 2018 hatte Xerox im Rahmen seiner Telefonkonferenz zu den Ergebnissen des Geschäftsjahres 2017 erklärt, dass sich das Unternehmen an seinen japanischen Mitbewerber Fujifilm verkaufen will. Xerox sollte dabei in dem schon vor 56 Jahren gegründeten Joint-Venture "Fuji Xerox" aufgehen. Mit 50,1 Prozent der Anteile wäre Fujifilm der Mehrheitseigner des Joint-Ventures geworden, die Aktionäre von Xerox sollten die restlichen 49,9 Prozent erhalten. Als Kompensation für den verlorenen Einfluss wollte Xerox seinen Anlegern eine Sonderdividende in Höhe von 2,5 Milliarden US-Dollar bzw. 9,80 US-Dollar je Aktie zahlen. Fujifilm hätte indes "keinen Penny" investiert, wie CEO Shigetaka Komori gegenüber Nikkei Asian Review erklärte. Die Japaner wollten lediglich ihre derzeit 75-prozentige Beteiligung an "Fuji Xerox" auf 50,1 Prozent reduzieren.

Zwei unzufriedene Anteilseigner rebellieren
Carl Icahn und Darwin Deason sind die wichtigsten Einzelinvestoren von Xerox und halten zusammen rund 15 Prozent des Unternehmens. Damit hätten sie rund 375 Millionen US-Dollar der Sonderdividende einstreichen können, doch beim geplanten Konstrukt "Fuji Xerox" wäre ihr Einfluss mit einem Anteil unter 7,5 Prozent deutlich geschrumpft - und die Japaner hätten sowieso in jeder Abstimmung die absolute Mehrheit gehabt. Daher setzten die beiden Investoren einen offenen Brief an die Xerox-Aktionäre auf und kündigten zugleich rechtliche Schritte gegen den geplanten Verkauf an. Laut Icahn und Deason wollte Xerox seinen CEO Jeff Jacobson ersetzen, weshalb dieser den Deal mit Fujifilm eingefädelt habe. Die Japaner wollten nämlich an Jacobson festhalten und ihm die Leitung von "Fuji Xerox" anvertrauen. Icahn und Deason hielten Jacobson indes für unfähig und wollten ihn so schnell wie möglich auf die Straße setzen. Ende April folgte der New Yorker Richter Barry Ostrager ihrer Argumentation und erließ eine einstweilige Verfügung gegen den Verkauf.

Xerox beklagt unstimmige Zahlen
Xerox führt als Grund für den geplatzten Verkauf Unstimmigkeiten bei den Geschäftszahlen des Joint-Ventures "Fuji Xerox" an: Fujifilm hätte die geprüften Finanzdaten für "Fuji Xerox" nicht fristgerecht geliefert und die Zahlen hätten dann auch noch wesentliche Abweichungen zu den im Vorfeld übermittelten ungeprüften Finanzdaten offenbart. Hinsichtlich der gerichtlichen Niederlage gegen seine eigenen Investoren findet Xerox die folgenden Worte:

"...and taking into account other circumstances limiting the ability of the Company, Fujifilm and Fuji Xerox to consummate a transaction."
Übersetzung: "...und unter Berücksichtigung anderer Umstände, die die Möglichkeit des Unternehmens, Fujifilm und Fuji Xerox eine Transaktion durchzuführen, einschränken."

Man habe eine Einigung mit Carl Icahn und Darwin Deason erzielt und die Rechtsstreitigkeiten mit seinen Aktionären beigelegt. Die Vorwürfe der Beihilfe und Begünstigung, welche Deason und andere Aktionäre gegen Fujifilm erhoben haben, bleiben indes bestehen. Tatsächlich haben Icahn und Deason Xerox in die Knie gezwungen: Mit Robert J. Keegan, Charles Prince, Ann N. Reese, William Curt Hunter und Stephen H. Rusckowski verlassen fünf Mitglieder den Aufsichtsrat und auch Jeff Jacobson ist als CEO und Mitglied des Aufsichtsrates zurückgetreten. Neu ziehen Jonathan Christodoro, Keith Cozza, Nicholas Graziano, Scott Letier und John Visentin in den Aufsichtsrat ein. Und diese vertreten ausnahmslos die Interessen von Icahn und Deason.

Investoren übernehmen das Ruder
John Visentin wird dabei stellvertretender Vorsitzender und CEO. Visentin, der zuvor für IBM und Hewlett-Packard gearbeitet hatte, führte die Firma Novitex als CEO in eine Fusion mit SourceHOV. Beide Unternehmen hatten Dienstleistungen im Bereich der Datenverarbeitung und Datenverwaltung angeboten und sind nach ihrem Zusammenschluss unter dem Namen Exela Technologies tätig. Visentin war Icahns Wunschkandidat für die Leitung von Xerox. Keith Cozza, der neue Aufsichtsratsvorsitzende, ist zugleich der CEO von Icahn Enterprises. Jonathan Christodoro ist Geschäftsführer von Icahn Capital. Nicholas Graziano arbeitet als Portfolio-Manager für Icahn Capital. Scott Letier ist Geschäftsführer von Deason Capital. Oder anders formuliert: Icahn und Deason haben das Ruder bei Xerox übernommen.

Quelle:
https://www.news.xerox.com/news/Xerox-t ... h-Fujifilm
. Tails . Linux . USB . CD . Secure Desktop . IRC . Truecrypt . Tor .

Antworten