Reparatur und Upgrade klassischer Plattenspieler von Philips

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doelf
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Reparatur und Upgrade klassischer Plattenspieler von Philips

Beitrag von doelf »

Wenn es um klassische Plattenspieler geht, hat der deutsche Hersteller Dual hierzulande die wohl größte Fangemeinde. Die Dreher der aus der Schweiz stammenden Firma Thorens genießen Kultstatus und auf Seiten der Japaner gilt Technics als Aushängeschild. Doch was ist mit dem einstigen Innovationstreiber der Unterhaltungselektronik, der niederländischen Firma Philips?

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Lange Zeit war Philips einer der großen europäischen Elektronikriesen und hatte Produkte wie die Compact Cassette, den Videorekorder und die CD auf den Markt gebracht. Und als wichtiger Schallplattenverlag hatte Philips natürlich auch Plattenspieler in seinem Sortiment. Aber die Niederländer setzten auch früh auf Kunststoff und leichte Konstruktionen, die heutzutage als billig und minderwertig abgetan werden. Zudem gelten die Plattenspieler von Philips als problematisch und das wollen wir nicht so stehen lassen.

Zur Anleitung: Reparatur und Upgrade klassischer Plattenspieler von Philips
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neO
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Re: Reparatur und Upgrade klassischer Plattenspieler von Philips

Beitrag von neO »

Das mit der Holzlösung sieht imo Klasse aus!
Der "Markt" wird das "bereinigen"...
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doelf
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Re: Reparatur und Upgrade klassischer Plattenspieler von Philips

Beitrag von doelf »

Dankeschön :-)
Als Budget-Lösung und in Ermangelung einer echten Auswahl beim Holz ist es besser als erwartet geworden. Anfangs war das nur als Konzeptstudie gedacht, doch das Ergebnis ist wirklich wohnzimmertauglich. Und ich bin schon gespannt, welche Geräte ich als nächstes wiederbeleben kann ;-)

Gruß Michael
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doelf
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Re: Reparatur und Upgrade klassischer Plattenspieler von Philips

Beitrag von doelf »

Drei No-Goes für Plattenspieler:
  • Ein kaputter Riemen ist kein Grund für die Entsorgung und auch kein Grund für einen Anruf beim Fernsehfritzen. 2020 hatte ich etliche Geräte vor dem Schrott gerettet, bei denen nur der Riemen defekt war. Einige hatten sogar neue Nadeln. In zwei Fällen sollte der Einbau eines neuen Riemens gut 50 Euro kosten und in einem Fall hatte ein Mitarbeiter des lokalen Mediamarktes erklärt, passende Riemen gäbe es schon lange nicht mehr. Wenn ich so etwas höre, schwillt mir die Hals und ich bekomme Schnappatmung.
  • Wer einen Plattenspieler verkaufen möchte, sollte vor der Funktionsprüfung sein Hirn einschalten. Ist keine Schallplatte vorhanden, wird die Nadel auf dem Gummi aufsetzen und Schaden nehmen. Entweder man besorgt sich eine Schallplatte oder man hebt den Tonarm an. Dazu gibt es einen kleinen Hebel oder Schalter neben dem Tonarm. Manchmal funktioniert das Anheben nicht, also ist auch nach dem Umlegen des Hebels Vorsicht geboten. Wird der Plattenspieler transportiert, ist der Arm in der Armhalterung zu sichern. Ein lose herum titschender Tonarm beschädigt die Nadel, sein eigenes Lager und verursacht Kratzer.
  • Eine heile Haube ist wichtig. Geräte ohne Haube bzw. mit gebrochenen Hauben oder defekten Scharnieren lassen sich nur sehr schwer verkaufen. Wenn die Haube bis auf kleinere Kratzer gut in Schuss ist, steigert das den Wert enorm. Solche Kratzer lassen sich nämlich gut herauspolieren. Was man NIE machen sollte, ist die Anschlusskabel auf die Haube zu legen, denn dann sind zusätzliche Kratzer garantiert. Und wer die Anschlusskabel mit ordentlich Klebestreifen auf der Haube befestigt, potenziert den Frust potentieller Käufer!
Hier ein paar gute Anbieter für Ersatzteile wie Riemen, Nadeln, Tonabnehmer und Headshells. Alle genannten Anbieter sind empfehlenswert. Die Reihenfolge ist zufällig: Thakker, Phonophono, Vinylnerds, DieNadel, Hifi-Phono-House. Wer weitere Anbieter empfehlen kann, darf diese im Thread gerne nennen. Da Gäste keine URLs posten können, bitte einfach Leerzeichen vor den Punkten einfügen.

Gruß

Michael
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doelf
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Re: Reparatur und Upgrade klassischer Plattenspieler von Philips

Beitrag von doelf »

Die letzten Tage hatte ich mit einem Dual CS 1234 (Baujahr 1978-80) gerungen. Der hatte alles, von fehlender Schmierung über kaputte Pimpel, festgefahrenes Gestänge, reibungsloses Reibrad, klemmende Geschwindigkeitswahl, kalte Lötstelle in der Erdung bis Brummeinstreuung des 2-Pol-Motors in den nachgerüsteten MM-Tonabnehmer. Die Automatik funktioniert nach wie vor nur sporadisch und das MM-System musst ich gegen das alte tauschen, aber zumindest läuft er wieder.

Im Vergleich zum Philips AF 729 Mark II ist der Dual CS 1234 eine Katastrophe: Die ganze Mechanik ist viel empfindlicher und erheblich wartungsintensiver, dazu das elende Reibrad. Ja, es gibt auch ein paar gute Reibradler, aber der Dual CS 1234 gehört sicher nicht dazu. Der Rotstift ist hier schon deutlich zu erkennen und Keramiksystem bzw. Saphirnadel gehen gar nicht. Das Gerät wirkt wie eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für Fernsehelektroniker.

Warum also eine solche Gurke reparieren? Aus zwei Gründen: Erstens ist die Gurke in einer alten Musiktruhe verbaut und ich hatte nichts passendes als Austauschgerät zur Hand und zweitens gehört die Musiktruhe meiner Mutter. Daher weiß ich auch, dass der Dual CS 1234 immer in einem geheizten Raum stand, pfleglich behandelt und gelegentlich benutzt wurde. Insofern hatte mich das Ausmaß der Probleme, Fehler und Defekte überrascht.

Wer sich weniger Stress machen will, greift zu einem Japaner:

Hitachi HT-66S (1980-82): Stand 30 Jahre auf einem Speicher, da seine Nadel abgebrochen war. Nadel gewechselt, eingeschaltet, läuft seither bei mir für Digitalisierungen. Direktantrieb, Automatik, optische Größenerkennung und Drehzahlüberwachung funktionieren ohne Probleme, ebenso alle Tasten - alles wie neu. Ein echter Geheimtipp. Der Verkäufer hatte ihn als Deko-Objekt oder Briefbeschwerer angepriesen.

Mitsubishi DP-51 (1982-84): Stand über 25 Jahre unbenutzt mal in der einen Ecke, mal in einer anderen. Ein Kompaktsystem hatte ihn verdrängt. Nach einer oberflächlichen Reinigung und einem Nadel-Upgrade mussten lediglich die Drehzahlen angepasst werden (es gibt nur einen Pitch für beide Geschwindigkeiten). Alles funktioniert. Mein Ersatzgerät für Digitalisierungen.

Akai AP-D210 (1982): Wurde 30 Jahre in seinem Karton in einem Schrank gelagert, zusammen mit Verstärker, Tuner und Tapedeck. Musste nicht mal gesäubert werden. Nur eine schnelle Feinjustierung der Drehzahlen und das Teil läuft und läuft und läuft.

Technics SL-220 (1978-80): Der sollte eigentlich als Ersatzteilspender für einen Technics SL-3210 (Paketopfer: Deckel kaputt, Armhalter gebrochen, Füße und Boden kaputt, sonst alles funktionstüchtig) dienen. Optischer Eindruck: 20 Jahre im Einsatz als Turntable für Scheunenparties, nach der Feier vermutlich im Stall gelagert. Leider passt der Boden nicht auf den SL-3210, daher erst einmal gereinigt und ausprobiert. Läuft einwandfrei. Nur die Scharniere mussten nachgestellt werden, da der Deckel nicht oben blieb.

Die Frage neu kaufen oder alt retten kann ich eindeutig beantworten: Liegt das Budget unter 500 Euro, kauft man sich einen alten Riementriebler von Philips oder einen Japaner mit Direktantrieb für deutlich unter 50 Euro und steckt 100 bis 150 Euro in ein brauchbares Tonabnehmersystem.

Gruß

Michael
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Re: Reparatur und Upgrade klassischer Plattenspieler von Philips

Beitrag von doelf »

Aufgrund einer aktuellen Nachfrage: Philips hatte in den 60er- und frühen 70er-Jahren einige Plattenspieler mit proprietären Tonabnehmern im Programm. Teilweise nutzten diese Kristall- oder Saphirnadeln, zuweilen konnte man nicht einmal die Nadeln wechseln, sondern nur den ganzen Tonabnehmer. Diese Modelle sollte man meiden und nur jene mit Halbzoll-Systemen kaufen!

Einige Modelle mit Halbzoll-Systemen verfügen nicht über Schlitze, sondern nur über runde Bohrungen (z.B. Philips AF 729 Mark II). Dies erschwert den Wechsel zu anderen Tonabnehmermodellen:

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Man kann die Bohrungen aber zu Schlitzen aufbohren, dann passen alle Systeme. Es gibt auch entsprechende Headshells zum Nachkauf, die sind aber sehr teuer und schwer zu finden.

Beim Philips GA 437 gibt es normale Schlitze:

Bild

Gruß

Michael
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