Protektionismus: Musikindustrie auf Konfrontationskurs

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doelf
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Protektionismus: Musikindustrie auf Konfrontationskurs

Beitrag von doelf » 22 Dez 2007, 23:48

Wir stehen alle im globalen Wettbewerb, einmal abgesehen von der Musik- und Filmindustrie. Die DVDs wurden von Anfang an mit Regionalcodes versehen, welche die Welt in sechs Zonen unterteilten und die nur einen Zweck haben: Film- und Musik-Datenträger an die Preise der lokalen Märkte zu binden. Jetzt ließen die Konzerne auch bei Musik-CDs die Muskeln spielen.

Mitten im Weihnachtsgeschäft hatten die führenden Musikkonzerne den Online-Händler Amazon abgemahnt, da dieser Importtitel im Sortiment führte, deren Preise unter denen der europäischen Titel lagen. Amazon reagierte prompt und entfernte so gut wie alle Bestseller von Sony BMG und Warner Music sowie etliche Titel von EMI und Universal aus seinem Angebot. Damit waren die aktuellen Alben von Künstlern wie James Blunt, Celine Dion, Mark Medlock oder Amy Winehouse für einige Tage nicht mehr bestellbar.

Nach einem Krisengespräch zwischen Amazon und der Musikindustrie sind nun wieder alle Titel erhältlich, die beanstandeten Import-CDs wurden hingegen entfernt. Allerdings ist das Thema noch keinesfalls ausgestanden, es wurde lediglich zu Gunsten des Weihnachtsgeschäftes ein Waffenstillstand geschlossen.

Quelle:
http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,524884,00.html

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The Grinch
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Re: Protektionismus: Musikindustrie auf Konfrontationskurs

Beitrag von The Grinch » 23 Dez 2007, 07:39

doelf hat geschrieben:, es wurde lediglich zu Gunsten des Weihnachtsgeschäftes ein Waffenstillstand geschlossen.
Verlogenes Pack!
Entweder habe ich Regeln, und halte mich daran, oder ich haben KEINE Regeln.
Hier wir mal wieder mit zweierlei Maßstäben gemessen.

Ich würde mir wünschen das alles Onlinehändler das Sortiment entsprechend einstampfen und der gesamten Musikindustrie mal zeigen wo der Hammer hängt.
Diese Preisabsprachen sind m.E. auch nicht Gesetzeskonform (des jeweiligen Landesgesetz und gem. EU-Recht).

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Loner
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Beitrag von Loner » 23 Dez 2007, 11:33

Wundert mich auch, dass Amazon da so zurück steckt. Wahrscheinlich wollen sie keine Probleme mit ihrem DRM freien Download-Geschäft in den USA riskieren.
sapere aude!

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Beitrag von ThePreacher » 23 Dez 2007, 11:53

Das wäre dringend mal rechtlich über die EU zu klären. Wir hier in Südtirol haben permanent das Problem, das wir Deutsche Wahre einführen müssen, da es hierzulande ja offiziell nur die italienischen Versionen geben dürfte.
Legal ist das nur durch eine doppelte Urheberrechtsabgabe (in Italien SIAE genannt) durchzuführen. Dadurch verteuertn sich z.B. DVD's auf 25 bis 30 Euro, immer mindestens 30% über Amazon-Niveau.

Zudem wurden schon mehrfach Leute wegen des "illegalen" Imports von Bild- und Tonträgern bestraft. Die Finanzwache macht diesbezüglich keinen Unterschied und spricht von "Raubkopien", wobei die Medien immer noch Originale sind, da in Deutschland oder Österreich legal erworben, nur der italienische SIAE-Stempel fehlt!
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Beitrag von doelf » 23 Dez 2007, 11:59

Versteh ich nicht. Die EU ist ein freier Markt, jeder darf CDs und DVDs aus jedem anderen Land der EU ordern und es dürfen keine Strafen, Zölle oder Gebühren verhängt werden. Die italienischen Behörden verstoßen hier gegen die Regeln des europäischen Binnenmarktes.

Gruß

Michael

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Beitrag von ThePreacher » 23 Dez 2007, 12:09

Man muss dazu sagen, dass dies natürlich erst ab einer bestimmten Menge gemacht wird. Die Menge muss groß genug sein, sodass die Finanzwache eine "Handelsabsicht" erkennen kann. Damit trifft es manchmal auch Leute, die z.B. als Handelsvertreter beruflich öfters nach München fahren und mit einem Karton voller DVD's laut Wunschliste für Freunde und Kollegen zurückkommen. Sind eben dort deutlich günstiger.

Ein EK solcher Ware in z.B. Österreich für den Verkauf in Südtirol, ohne die vorherige Abstempelung ist sowieso illegal. Den Fehler hat ein kleines EP-Geschäft nicht weit von hier mal gemacht. Obwohl steuerrechtlich OK, also innergemeinschaftlicher, MwSt.-freier EK von Volksdümmlichen CD's und dann in Italien korrekt versteuert, gab's eine dreitägige Betriebsschließung wegen Unterschlagung der Autorensteuer.
Das ist bei Euch aber auch so, nicht?
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Beitrag von doelf » 23 Dez 2007, 12:36

Ich wohne hier so ziemlich auf der Grenze zwischen den Niederlanden, Belgien und Deutschland und hatte bisher noch keine Probleme mit dem Kauf von Spielen, Ton- oder Bildträgern im Ausland. Zudem bestelle ich regelmäßig in England, auch ohne irgendwelche Beanstandungen. Klar, auf die Importe aus den USA und Australien muss ich Zoll zahlen, aber innerhalb der EU ist mir so etwas noch nie passiert.

Was die italienischen Behörden da machen, kann nicht sauber sein, denn es wurden ja bereits in einem anderen Land der EU Urheberrechtsabgaben erhoben. Dass solche Abgaben zwei Mal erhoben werden ist mehr als seltsam, zudem wird Italien die doppelte Urheberrechtsabgabe wohl kaum an die Urheber abführen können. Ich würde zu gerne mal die Finanzen dieses Vereins prüfen lassen. Das sind doch die Selben, die früher auch auf die Bootlegs ihre Stempel gehauen haben. Meines Wissens nach haben die Künstler, deren Live-Mitschnitte dort verwurstet wurden, auch nie etwas von den Urheberrechtsabgaben gesehen. Daher wurden ja nur Titel von nicht-italienischen und später nicht-EU Künstlern angeboten.

Gruß

Michael

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Beitrag von The Grinch » 24 Dez 2007, 07:29

Ausser Fliesen legen und Abzocken konnten die Italliener noch nie was in gescheit 8) (das hat sich auch nicht geändert als das alte Rom unter ging).
Und wie man richtig Abzockt sieht man doch an der dortigen Regierung.

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Re: Protektionismus: Musikindustrie auf Konfrontationskurs

Beitrag von ThePreacher » 26 Dez 2007, 12:47

Jo, Abzocke hoch drei. Ich könnt' euch sachen erzählen. Hier bei uns haben alle am meisten Angst vor der Finanzwache. Ein Einbruch im Betrieb ist meist erheblich günstiger als eine scharfe Kontrolle. Das liegt daran, dass Formfehler ohne Absicht der Steuerhinterziehung genauso hart geahndet werden, wie echter Betrug.

Von dem Geld, welches für die Autorenrechte vom Staat eingezogen wird, haben ganz besonders die jeweiligen Künstler nix. Das versandet meist im ital. Steuerdschungel... :shock:
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Re: Protektionismus: Musikindustrie auf Konfrontationskurs

Beitrag von doelf » 27 Dez 2007, 19:21

Das wäre doch mal ein Fall für die EU.

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